(openPR) Das Europäische Bildungszentrum (EBZ) in Bochum ist die erste Adresse, wenn es um Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Wohnungswirtschaft geht. Viele Geschäfts- und Bereichsleiter deutscher Wohnungsunternehmen sind durch diese Schule gegangen. Christian Fenton, Leiter der EBZ Akademie, spricht über Anforderungen, Marktentwicklungen - und darüber, ob eine überregional ausgerichtete Fachmesse für die Wohnungswirtschaft sinnvoll ist.
Herr Fenton, das EBZ ist die Kaderschmiede des VDW Rheinland-Westfalen und des GDW, und das seit mehr als 50 Jahren. Wie haben sich die Anforderungen an die Berufe in der Wohnungswirtschaft in diesen 50 Jahren verändert?
Fenton: Während die großen Wohnungsunternehmen früher das Wohnungsangebot sozusagen nur verteilten, sind sie heute professionelle Vermieter von Wohnungen – die Anforderungen an den Beruf in der Wohnungswirtschaft sind heute also ganz andere als früher. Heute stehen Fragen wie zielgruppenspezifische Wohnquartiere und Quartiersmanagement im Vordergrund.
Was muss der Geschäftsführer eines großen Wohnungsunternehmens heute können?
Fenton: Er muss vor allem Führungsqualitäten besitzen. Sehr wichtig ist zudem, dass er die Personalentwicklung im Blick hat, damit die Mitarbeiter seines Unternehmens auch an den richtigen Stellen eingesetzt werden. Diese Mitarbeiter wiederum, also solche der zweiten Führungsriege, müssen in ihren jeweiligen Geschäftsbereichen professionell agieren können und stets aktuelle Kenntnisse haben. Zu diesen Bereichen können unter anderem das Gebäudemanagement, die Vermietung, teilweise das Makeln, dann die Betriebskostenabrechnung und die WEG-Verwaltung gehören. Sehr wichtig ist auch das Rechnungswesen, dieser Bereich ist in den letzten Jahren sehr viel komplexer geworden, nicht zuletzt aufgrund der vielen internationalen Investoren auf dem Markt. Für alle Geschäftsbereiche gilt, dass man in ihnen, anders noch als früher, kundenorientiert agieren muss; der Mieter darf nicht mehr als Empfänger einer Leistung betrachtet werden, sondern als Kunde.
In welchen Bereichen bilden Sie aus?
Fenton: Wir sind bundesweit der einzige integrierte Bildungsanbieter für die Wohnungswirtschaft. Der Nukleus des EBZ ist die Ausbildung der Basis, des Immobilienkaufmanns. In der neuen Business School bieten wir zudem Bachelor- und Master-Studiengänge für Real Estate Management an. Und wir gehen zugleich auch sozusagen den umgekehrten Weg: Diejenigen, die durch den Immobilienkaufmann schon eine Spezialisierung auf die Wohnungswirtschaft gewählt haben und ihr Studium etwas generalistischer aufstellen wollen, können bei uns den Studiengang Business Administration belegen. In der EBZ Akademie, das ist der Bereich, den ich verantworte, bieten wir Fort- und Weiterbildungen an, die punktuelles Wissen aufbauen oder einen umfassenden Überblick über ein aktuelles Fachthema bieten oder die Teilnehmer auf den neuesten Stand zum Beispiel in Sachen BGH-Rechtsprechung setzen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, den Immobilienfachwirt zu machen, das ist gewissermaßen die Meisterqualifikation des Immobilienkaufmanns. Auch bieten wir eine Ausbildung zum Bilanzbuchhalter speziell für die Immobilienwirtschaft an, die Spezialisierung zum Makler, zum WEG-Kaufmann und zum Gebäudeenergiemanager. Viele dieser Aus- und Weiterbildungen erfolgen dabei über Fernunterricht.
Die Messe Köln will mit der WOWEX eine neue wohnungswirtschaftliche Messe etablieren. Dies ist in der Branche nicht unkritisch kommentiert geworden. Das EBZ stellt auf der WOWEX nicht nur aus, sondern ist auch ideeller Träger. Warum?
Fenton: Die WOWEX findet in Köln statt, also in dem Bundesland, in dem es die größten Wohnungsunternehmen gibt und wir die meisten Kunden haben. Wir haben den Eindruck, dass die WOWEX alle Chancen hat, sich zu etablieren. Das Konzept stimmt, der Rahmen ist überschaubar. Speziell für die EBZ nun stimmt vor allem der Zielgruppenfokus, da die Messe nicht nur für Führungskräfte der ersten Kategorie gedacht ist, sondern auch für die zweite Ebene und weiter bis auf die Ebene der Fachkräfte.
Das Leitthema der WOWEX ist der Mega-Trend der Branche: Energetische Modernisierung. Bietet das EBZ in diesem Themenbereich Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung?
Fenton: Das EBZ beschäftigt sich traditionellerweise weniger mit dem technischen, sondern mit dem kaufmännischen und verwalterischen Bereich. Aber: das Segment Technik behandeln wir auch, und zwar vor genau diesem Hintergrund, der energetischen Sanierung. Mit dem Gebäudeenergiemanager haben wir Anfang dieses Jahres erstmalig ein "Produkt" in diesem Bereich gestartet. Es geht bei Sanierungen ja nicht um Technik allein, sondern, und das halte ich für einen wesentlichen Punkt, auch um ihre ökonomische Dimension. Der Gebäudeenergiemanager sieht darauf, wie es um die Wirtschaftlichkeit von energetischen Sanierungen bestellt ist.
Zurück zur WOWEX und ganz direkt gefragt: Braucht die Wohnungswirtschaft diese Messe?
Fenton: Die Wohnungswirtschaft braucht gute Netzwerkplattformen. Messen sind wichtige Begegnungsstätten, wo Netzwerkarbeit stattfinden kann. Wenn die WOWEX eine gute Messe wird - und davon bin ich überzeugt -, dann brauchen wir sie.
Welche Chancen räumen Sie der WOWEX dauerhaft ein, ihren derzeit noch regionalen Ansatz mit bundesweiter Ausrichtung in Richtung bundesweit etablierte Messe auszuweiten?
Fenton: Wenn es gelingt, die regionale Verbindung tragfähig zu machen, wenn es gelingt, geplant zu wachsen, wird es einen Netzwerkeffekt geben, der die WOWEX bundesweit etabliert. Die WOWEX ist jedenfalls heute schon tragfähiger als die Konzepte, mit denen in der Vergangenheit, sei es Fokushabitat, sei es Immobilia, versucht wurde, Messen direkt bundesweit aufzustellen. Ich räume der WOWEX äußert gute Chancen ein, sich zu etablieren.














