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Mit Gletscherforschern unterwegs im Nationalpark Hohe Tauern

13.03.200911:47 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Mit Gletscherforschern unterwegs im Nationalpark Hohe Tauern
Mullwitzkees im Nationalpark Hohe Tauern cNPHT/Jurgeit
Mullwitzkees im Nationalpark Hohe Tauern cNPHT/Jurgeit

(openPR) Das Äußere Mullwitzkees in der Venedigergruppe wird von Wissenschaftern der Universität Innsbruck genauestens vermessen. In einem Jahr kann das Eis um bis zu 4,5 Meter dünner werden.

Es ist eine Arbeit, die neben Fachwissen ein hohes Maß an alpiner Erfahrung erfordert: Das Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck (IMGI) führt für den Nationalpark Hohe Tauern und den Hydrographischen Dienst Gletschermessungen am Äußeren Mullwitzkees in der Venedigergruppe durch. Frühmorgens auf 2.963 Meter: Auf dem Defregger-Haus herrscht um die Hütte geschäftiges Treiben. Holzstangen, Seile, Steigeisen und anderes Gerät werden für den Arbeitstag auf dem Gletscher zusammengepackt – das Wichtigste: Nur nichts vergessen.


Ziel des Tages sind 15 auf dem drei Quadratkilometer großen Äußeren Mullwitzkees verteilte Pegelstangen. Diese langen Holzstangen sind in den Gletscher gebohrt und werden regelmäßig abgelesen. Anhand dieser Pegelstangen lässt sich einfach feststellen, ob der Gletscher dicker oder dünner geworden ist.
Doch das Ablesen hat so seine Tücken: Es ist nicht ganz leicht, eine Holzstange mit nur zwei Zentimeter Durchmesser auf drei Quadratkilometer weißer Eintönigkeit zu finden. Es ist manchmal die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Widerspenstige Pegel werden mittels GPS aufgespürt. Die Forschungswanderung von Pegel zu Pegel gleicht einem wilden Zick- Zack-Kurs quer über den Gletscher, abseits der gängigen Routen der Bergsteiger. „Bei uns müssen die Forscher auch eine hohe alpinistische Kompetenz haben. Wir wollen schließlich Vorgänge an der Eisoberfläche und nicht versehentlich das Innere von Gletscherspalten oder Gletschermühlen erforschen“, betont Andrea Fischer vom IMGI. Je weiter es nach oben geht, desto geringer werden die Abschmelzbeträge, bis hin zu immer kleiner werdenden Gebieten in denen der Gletscher sogar noch an Masse zulegt. Das Eis kann in einem Jahr um bis zu 4,5 Meter dünner werden, lässt sich an den Pegeln ablesen. Einen Negativrekord gab es im September 2006: In diesem Monat verlor der Gletscher an allen Pegeln knapp einen Meter. Die ganze Mühe mit den Pegelstangen liefert für das Äußere Mullwitzkees jedoch beeindruckende Ergebnisse: Im Massenhaushaltsjahr 2006/ 2007 ging bildlich gesprochen das Volumen von 4,4 Millionen Kühlschränken verloren – 2007/2008 das Volumen von 1,98 Millionen Kühlschränken.
Derzeit sind rund elf Prozent oder 180 Quadratkilometer des Nationalparks Hohe Tauern von ewigem Eis bedeckt. Der Rückgang der Gletscher schafft aber auch neue eisfreie Lebensräume, die langsam von Pflanzen besiedelt werden.

Äußeres Mullwitzkees in Zahlen:
Fläche: 1998: 3,24 km2 / 2008: 3,08 km2
Höhe Zungenende:
1998: 2.610 m / 2007: 2.690 m
max. Dicke: 50 bis 70 m
Gesamtjahresbilanzen:
2006/2007: -4,46 Mio. m3 / 2007/2008: -1,98 Mio. m3

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