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Offenes Depot - Wiener Aktionismus

06.03.200908:11 UhrKunst & Kultur
Bild: Offenes Depot - Wiener Aktionismus
Hermann Nitsch: Orgien-Mysterien-Theater, 1973,  Portfolio, Text, Relikt, 10 Fotografien, ausgestellt: Text, 3 Fotografien, hrsg. von Studio Morra, Neapel u.a., Staatsgalerie Stuttgart, © VG Bild-Kuns
Hermann Nitsch: Orgien-Mysterien-Theater, 1973, Portfolio, Text, Relikt, 10 Fotografien, ausgestellt: Text, 3 Fotografien, hrsg. von Studio Morra, Neapel u.a., Staatsgalerie Stuttgart, © VG Bild-Kuns

(openPR) 07.03. – 05.07.2009
Eine Präsentation zum Wiener Aktionismus bildet ab 7. März 2009 mit Arbeiten aus allen Bestandsbereichen der Staatsgalerie und insbesondere dem Archiv Sohm den Auftakt der neuen Ausstellungsreihe »Offenes Depot« in der Stirling-Halle.

Der Wiener Aktionismus gehört in die Tradition einer Avantgarde, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen künstlerischen Neuanfang anstrebte. In den 1960er Jahren wandten sich die Wiener Aktionisten radikal gegen bürgerlich-akademische Kunstkonzepte. In Reaktion auf ein restriktives politisches und kulturelles Klima erregten sie mit provokativen Performances öffentlich Aufmerksamkeit. Ihre unmittelbare Arbeit mit Körpern, Objekten und Substanzen richtete sich gegen Staat und Gesellschaftsordnung. Mit äußerster Radikalität und Konsequenz entwickelten sie ihre Kunst in kritischer Auseinandersetzung mit expressiver Aktionsmalerei zum prozessualen Aktionismus und strebten eine schonungslose Auseinandersetzung mit verdrängten Ängsten, Aggressionen, Trieben und sexuellen Tabus an. Heute, fünf Jahrzehnte danach, ist der Wiener Aktionismus einer der wesentlichen Beiträge in der ästhetischen Entgrenzung der Moderne zur körperzentrierten, performativen Prozess- und Installationskunst der folgenden Jahrzehnte.

Die Präsentation »Offenes Depot: Wiener Aktionismus« der Staatsgalerie Stuttgart bietet Einblicke in die Produktion wie in die Rezeption der inhomogenen Gruppe der Wiener Aktionisten um Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler und mit ihnen verbundenen Künstlern wie Kurt Kren oder Valie Export. Neben Malerei, Collagen, Filmen, Fotografien, Grafiken und Aktionsrequisiten werden Skizzen- und Künstlerbücher ebenso wie Korrespondenzen präsentiert. Sie zeigen, dass die Aktionen nicht mit ihrem authentischen Erleben beginnen und enden, sondern dass ein Wechselverhältnis zwischen Ereignis, Medialisierung und Rezeption besteht. Außerdem werden die jeweils unterschiedlichen Werkansätze, Bildsprachen und Umgangsweisen der Wiener Aktionisten mit Materialien und Körpern im Raum – in »Beschmutzung«, »Entlei-bung«, »Verstümmelung« oder »Zerreißprobe« – erkennbar. Während in Brus’ asketisch-monologhaften Aktionen ein verletzender Eros deutlich wird, bei Nitsch dionysische Lebenslust überwiegt und Muehls Werk energetische Selbstbefreiungsaktionen kennzeichnen, erscheint Schwarzkogler als der melancholische Exponent des Wiener Aktionismus.

Den Wiener Aktionismus als performative Kunst kennen wenige Menschen aus eigener Anschauung. Insbesondere Film und Fotografie kommt daher eine Schlüsselrolle bei ihrer Vermittlung zu. Die Wiener Aktionisten waren sich der Notwendigkeit bewusst, ihre Aktionen über den Moment ihrer performativen Erscheinung hinaus zu erhalten, zu verbreiten und nicht zuletzt auch ihre kunsthistorische Rezeption mitzubestimmen. Die Zusammenarbeit vor allem mit dem Fotografen Ludwig Hoffenreich oder mit dem Filmemacher Kurt Kren, die jeweils eigene Bildsprachen entwickelten und die radikal inszenierte Authentizität der Aktionen durch ihren Filter brachen, forderten die Wiener Aktionisten zugleich heraus. Vor allem Krens frei assoziierende Filme übten Kritik an ihrem Streben, mit Körper und Film eine direkte Brücke zwischen Aktion und Betrachtern zu schlagen. Die Wiener Aktionisten mussten erkennen, dass registrierende und reproduzierende Apparaturen – Auge, Sprache, Kamera – Auswirkungen auf ihre Aktionen hatten und dass Fotografien, Texte, Manifeste, Augenzeugenberichte ebenso wenig wie Performances eindeutige Wahrheit repräsentierten.

Die in dieser Präsentation gezeigten Arbeiten des Wiener Aktionismus stammen aus allen Bestandsbereichen der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart und insbesondere aus dem Archiv Sohm. Das 1963 von Hanns Sohm begründete, äußerst sorgfältig und leidenschaftlich geführte, organisch gewachsene und seit 1981 in der Staatsgalerie Stuttgart beheimatete Archiv ist künstlerischen Strömungen der 1950er bis 1970er Jahre gewidmet. In Sohms aktiver Begleitung von Künstlern, auch den Wiener Aktionisten, in der Ausrichtung seines Archivs auf Künstlerpublikationen und ephemeres Material mit Wirkung auf den damaligen Kunstkontext kommt ihm eine Pionierrolle zu. In den hier gezeigten Materialien aus dem Archiv Sohm vermittelt sich so nicht zuletzt auch seine Archivpraxis, Materialien nicht als Kunstobjekte, sondern als Archivalien zu zeigen.

Um den Besuchern den Zugang zu dieser für viele sicher immer noch provokanten Kunstrichtung aus Österreich zu erleichtern, wird jeden Sonntag zwischen 14–16 Uhr ein Ansprechpartner in der Ausstellung anwesend sein, der für Fragen und zum Gespräch zur Verfügung steht .


Die Pressemitteilung sowie Bildmaterial befinden sich im Presseaccount der Staatsgalerie Stuttgart zum Download unter www.staatsgalerie.de. Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen unter den Telefonnummern 0711/ 47040-273 / -274 gerne zur Verfügung.

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