(openPR) Christian Hoymann im Gespräch mit der IfKom zur Weiterentwicklung des Mobilfunkstandards LTE
Die Ifkom stellen den teilnehmenden Referenten des 50. Innovationsforums nicht ganz alltägliche Fragen zur Zukunft der Kommunikation.
Der Vortrag mit dem sich Christian Hoymann am 50. Innovationsforum der IfKom beteiligt, trägt den Titel: „Die Weiterentwicklung von LTE“. LTE steht für Long Term Evolution (LTE) und ist ein Mobilfunkstandard. Die Fragen an Christian Hoymann stellte Detlev Maaß von der IfKom.
IfKom: Sehr geehrter Herr Hoymann, "Netzwerke dieser Welt" ist das Motto des 50 Innovationsforums der IfKom, welche Netzwerke spielen für Sie eine wichtige Rolle?
Hoymann: Beruflich spielen Mobilfunknetze für mich eine entscheidende Rolle. An ihrer Entwicklung und Optimierung bin ich seit Jahren aktiv beteiligt. Und auch privat nehmen Mobilfunknetze an Bedeutung zu. Es ist noch nicht lange her, da habe ich übers Festnetz telefoniert und über mein analoges Modem im Internet gesurft. Zurzeit telefoniere ich meistens über das Mobilfunknetz und nutze DSL. Seit ich aber eine Daten-Flat-Rate für mein UMTS Handy habe, nutze ich Mobilfunksysteme auch für den Zugang zum Internet. Es begann damit, dass ich unterwegs Firmendaten abrufen musste und dazu mein Handy als externes Modem für meinen Laptop nutze. Mittlerweile mache ich mir selbst zuhause kaum mehr die Mühe meinen Computer und meinen WLAN-Router hochzufahren. Ich nutze das Handy, um auf meiner Couch online zu gehen.
IfKom: Stellen Sie sich kurz den Teilnehmenden unseres Innovationsforums kurz vor, was waren die wesentlichen Stationen Ihres beruflichen Werdegangs.
Hoymann: Meine berufliche Laufbahn begann nach dem Studium der Elektrotechnik mit einer Doktoranden-Stelle am Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der RWTH Aachen. Unter der Leitung von Prof. Walke habe ich mich mit Mehrantennen-Konzepten für WiMax beschäftigt und schließlich promoviert. In meiner Freizeit bin ich meinem zweitgrößten Interesse, der Betriebswirtschaftslehre nachgegangen. Meine Kenntnisse konnte ich dann in der Produktentwicklung von mehrantennen-fähigen WiMax Basisstationen bei einem US-amerikanischen Start-Up anwenden. Die nächste Station meines Werdegangs führte mich dann wieder zurück in die Forschung. Beim Ericsson Eurolab bin ich nun für die Weiterentwicklung von LTE zuständig. Dort liegen meine Hauptarbeitsgebiete im Bereich der Architektur und der Protokolle. Zurzeit arbeite ich an der Entwicklung, Bewertung und Standardisierung von multi-hop Lösungen und von kooperativen Basisstationen.
IfKom: Wie schätzen Sie den Arbeitsmarkt in der TK und IT Branche ein, welche Fachkräfte benötigen Ihr Unternehmen, welchen Tipp geben Sie:
einem Berufseinsteiger? welchen einem Berufstätigen, der sich neu orientieren möchte oder muss?
Hoymann: Ericsson hat drei wesentliche Wertvorstellungen, wie wir mit Menschen umgehen und unser Geschäft handhaben wollen. Diese Werte bilden die Grundlage der Ericsson Unternehmenskultur, die uns bei unserer täglichen Arbeit begleitet.
• Professionalität (Professionalism)
• Achtung der Menschen und der moralischen Werte (Respect)
• Beharrlichkeit (Perseverance)
Wir beliefern Netzbetreiber und Diensteanbieter in aller Welt mit gesamtheitlichen mobilen und breitbandigen "end-to-end" Lösungen. Unsere Arbeit ist überwiegend in internationalen Projekten organisiert, daher sind bei uns Mitarbeiter gefragt, die sich nicht nur mit unseren Wertvorstellungen identifizieren können sondern darüber hinaus teamfähig und kooperativ sind und über ein entsprechendes Durchsetzungsvermögen verfügen. Neben fachlich herausfordernden Aufgaben arbeiten alle unsere Mitarbeiter in unterschiedlichen internationalen Projektteams und sollten daher in der Lage sein, sich auf die verschiedenen Kulturkreise und Persönlichkeiten einzustellen und mit ihnen zusammen effektiv arbeiten zu können. ‚ Diversity’ ist nicht nur ein großes Thema in unserem Unternehmen, sondern ein Teil unserer Unternehmenskultur.
IfKom: Wie definieren Sie "Breitband"?
Hoymann: Für mich bedeutet "Breitband" bzw. ein breitbandiger Zugang, dass ich die gängigen Internet-Anwendungen komfortabel nutzen kann. Früher war für mich ISDN ein breitbandiger Zugang, da man alle damaligen Internetseiten und erste Email bequem runterladen konnte. Heute ist DSL oder UMTS/HSPA "Breitband", da ich mit diesen Technologien aufwendig gestaltete Internetseiten anschauen, Dokumente austauschen und IP-basierte Sprachdienste nutzen kann. Außerdem kann ich jetzt auch größere Dateianhänge von unterwegs aus verschicken. In Zukunft wird wahrscheinlich eine Kombination aus VDSL und LTE mein breitbandiger Zugang sein, mit dem ich Multimedia Daten wie z.B. Fotos und Videos immer und überall austauschen kann.
IfKom: Was benötigen Sie als Mindest- und was wäre Ihre Traum "Infrastruktur für Breitbandnetze in Deutschland"?
Hoymann: Ich denke, vom Minimum sind wir, abgesehen von den wirklich ländlichen Gebieten, nicht mehr weit entfernt: eine DSL Anbindung für den festen Arbeitsplatz und ein Mobilfunksystem (3G) mit dem man notfalls auch unterwegs online gehen kann.
Mein Traum wäre eine Glasfaseranbindung für Gebäude (Fibre to the home), bei der man auf absehbare Zeit nicht mehr über Übertragungskapazitäten sprechen muss. Abseits des Schreibtisches stelle ich mir den letzten Meter allerdings drahtlos vor. So wäre man weder zuhause noch im Büro an einen festen Arbeitsplatz angebunden. Man könnte sich frei zwischen den Büros bzw. in der Wohnung bewegen. Ergänzt würde diese feste Infrastruktur durch eine flächendeckende Versorgung mit dem zurzeit leistungsfähigsten Mobilfunksystem Long-term Evolution (LTE). Mit Hilfe dieses Systems hätte man seinen Breitbandanschluss auch außerhalb von Wohnung und Büro immer dabei. Damit die ganze Netztechnik für den Anwender möglichst einfach bleibt, würde man idealerweise für das Funksystem des letzten Meters die gleiche Funktechnik nutzen wie für das Mobilfunksystem, nämlich LTE. So braucht ein Anwender nur ein Funkmodul zu kaufen und nur eine Funkschnittstelle zu konfigurieren, um überall verbunden zu sein. Das wäre mein Traum.
IfKom: Nach Ihrer Einschätzung: Senden die Konjunkturpakete für die Branche IT und TK die richtigen Signale aus?
Hoymann: Das Signal den Ausbau der Breitbandversorgung zu fördern ist durchaus richtig und wichtig, da eine Breitbandversorgung wie ein Katalysator alle möglichen wirtschaftlichen Aktivitäten in der betreffenden Region anregt. Da aber der Staat nicht direkt investiert, müssen verlässliche, nicht diskriminierende Rahmenbedingungen und wirkungsvolle Anreize für die TK-Industrie gesetzt werden, damit der Ausbau auch wirklich umgesetzt wird. Das jahrelange Diskutieren hat den technischen Ausbau der Breitbandversorgung nicht voran gebracht.
IfKom: Worin sehen Sie die wichtigste Aufgabe, Ihres Unternehmens / Ihrer Organisation in den nächsten zwei bis fünf Jahren?
Hoymann: Volkswirtschaftlich ist Ericssons wichtigste Aufgabe, leistungsfähige Infrastruktur für zukünftige Mobilfunk- und Festnetze zur Verfügung zu stellen, so dass deren Ausbau zügig voran schreiten kann. Betriebswirtschaftlich ist unsere wichtigste Aufgabe, unsere führende Position gegen Wettbewerber und in der Wirtschaftskrise auszubauen. In Krisenzeiten erstarken gesunde Unternehmen während schwache vom Markt verschwinden. Wir arbeiten hart daran, zu den starken Unternehmen zu gehören.
IfKom: Welchen positiven Beitrag können Web 2.0 und Web 3.0 zur Bewältigung der Wirtschaftskrise leisten?
Hoymann: Dienstleister können in der Informationsgesellschaft wegfallende Industriearbeitsplätze zu einem gewissen Teil ersetzen. Voraussetzung dafür ist der flächendeckende Ausbau der Breitbandversorgung, wie von der Bundesregierung bis 2018 angestrebt. Dieser sollte in gewissem Maße die Konjunktur stützen helfen, kommt er doch allen Branchen und der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu Gute.
Abgesehen von den konjunkturellen Auswirkungen können breitbandige Web 2.0 und 3.0 Dienste für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit sorgen und einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2 Belastungen durch mehr Heimarbeit und weniger Wege zur Arbeit leisten. Auch die Landflucht könnte gestoppt werden.
IfKom: Was werden Sie sich auf der CeBIT mit erhöhter Aufmerksamkeit anschauen?
Hoymann: Natürlich interessiere ich mich für alle Produkte und Dienstleistungen rund um LTE. Daneben werde ich nach zukünftigen Trends Ausschau halten. Vodafone hat bspw. angekündigt, über ein Ericsson LTE System Anwendungsbeispiele aus der Telemedizin zu demonstrieren. Vielleicht finde ich ja auch schon Anbieter von mobilfunkbasierter Automatisierungstechnik.
IfKom: Herr Hoymann, vielen Dank für das interessante Gespräch, wir freuen uns auf Ihren Vortrag am 06. März 2009 um 12.45 Uhr im Rahmen des 50. Innovationsforums der IfKom auf der CeBIT.
Informationen zu Ericsson:
Ericsson ist der weltweit führende Lieferant von Mobilfunksystemen. Unter den Ericsson Kunden befinden sich die 10 größten Mobilnetzbetreiber der Welt und etwa 40% aller mobilen Telefongespräche werden über Ericsson Netze geführt. Auch im Festnetzbereich und bei der Transformation der Netze zu All-IP NGNs spielt Ericsson eine entscheidende Rolle. Schließlich sind wir größter Outsourcing Partner für Festnetz- und Mobilfunkbetreiber. Bereits heute managen wir den Betrieb von Netzen für über 250 Millionen Menschen weltweit.
Ericsson liefert Gesamtlösungen, die alles umfassen, von Systemen und Anwendungen bis hin zu Dienstleistungen und – mit dem Joint Venture ST-Ericsson - der technologischen Plattform für Mobiltelefone. Mit Sony Ericsson sind wir auch ein führender Endgeräte-Lieferant.
Ericsson ist seit 1876 weltweit vertreten und heute in mehr als 170 Ländern präsent. Die Konzernzentrale befindet sich in Stockholm in Schweden. Carl-Henric Svanberg ist President und CEO von Ericsson.
In Aachen betreibt Ericsson seit Anfang der 90er Jahre ein internationales Forschungs-und Entwicklungszentrum. An zwei Standorten in der Region arbeiten etwa 700 Mitarbeiter an neuen Ideen für die Telekommunikation von morgen. Im ständigen Dialog mit unseren Kunden wird hier für den Weltmarkt
• Software für Kernnetzwerke und Vermittlungssysteme im Bereich der mobilen und Festnetzkommunikation entwickelt
• an der Integration und Verifizierung von Kernnetzwerkelementen gearbeitet
• im Bereich mobiler Kommunikation geforscht.












