(openPR) Neue Gebührenordnung lässt keine Zeit für Desinfektion
Die Entzündung einer Zahnwurzel wird fast immer durch eingedrungene Bakterien verursacht. Um den Zahn zu retten, ist es deshalb notwendig, das infizierte Gewebe aus dem Wurzelkanalsystem zu entfernen und vorhandene Mikroorganismen zu beseitigen. Gelingt dies nicht und verbleiben noch Bakterien im Wurzelkanal, wird sich die Zahnwurzel erneut entzünden. Für den Therapieerfolg ist es absolut wichtig, alle Wurzelkanäle zu finden und auf voller Länge zu erschließen, um eine optimale chemische Desinfektion zu ermöglichen. „Das kann bei Backenzähnen schon mal zwei Stunden dauern. Allein, weil das Desinfektionsmittel mindestens 30 Minuten einwirken muss“, erklärt Dr. med. dent. Carsten Appel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontie (DGEndo).
Diese Zeit wird sich in Zukunft jedoch kein Zahnarzt mehr nehmen dürfen, wenn es nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums geht. Denn der Referentenentwurf für die neue Gebührenordnung der Zahnärzte veranschlagt für die mechanische und chemische Aufbereitung eines Wurzelkanals nur 11 Minuten. „Aus medizinisch-fachlicher Sicht ist der Entwurf eine Katastrophe. Bei allem Verständnis für die finanziellen Engpässe im Gesundheitssystem. Hier geht es um die Volksgesundheit und um die machen wir uns ernsthaft Sorgen“, ruft Appel die Verantwortlichen zum Umdenken auf.
Wie groß die Bedeutung einer guten Desinfektion für den Behandlungserfolg ist, konnten molekularbiologische Analysen zeigen. Wissenschaftler stellten fest, dass die auslösenden Bakterien im Wurzelkanalsystem innerhalb eines Biofilms organisiert sind. Dadurch sind die Bakterien wie unter einem Schirm gut geschützt und schwer zu entfernen. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass die Einwirk- und Kontaktzeit von anerkannten Desinfektionsmitteln auf den Biofilm mindestens 30 Minuten dauern soll, um die Mikroorganismen vollständig abzutöten. Diese Zeit ist auch nötig, um Restgewebe im Kanalsystem aufzulösen. Danach muss noch der beim Bohren entstandene mechanische Abrieb entfernt werden, der ebenfalls Zellreste und Bakterien enthalten kann. Hierfür sind weitere Spüllösungen und ausreichende Einwirkzeiten erforderlich. Erst dann wird die Zahnwurzel wieder gefüllt und verschlossen. Der so behandelte Zahn kann danach noch ein ganzes Leben funktionstüchtig im Mund seinen Dienst tun.












