(openPR) Sigmund Freud nahm eine kathartische Wirkung des Schlafs an: Im Traum baue sich Emotionalität ab. Die Neuroendokrinologen Prof. Dr. Jan Born und Dr. Ullrich Wagner (Universität Lübeck) weisen jetzt exakt das Gegenteil nach: Während des REM-Schlafs werden vorausgegangene Emotionen im Gedächtnis gespeichert und zusätzlich emotional verstärkt. Die empirische Studie erschien in dem neu publizierten Sammelband "Experimentelle Emotionspsychologie".
Die Autoren zeigen, dass sich die Konsolidierungsfunktion des Schlafes nicht nur auf das deklarative und das prozedurale Gedächtnissystem beschränkt, sondern auch für das emotionale Langzeitgedächtnis gilt.
Die zugrundeliegenden neurobiologischen Mechanismen "sind weitestgehend unerforscht. Zu vermuten ist, dass die Amygdala und ihre reziproken Verbindungen zum Hippocampus sowie zum präfrontalen Neocortex eine zentrale Rolle spielen. Untersuchungen wacher Individuen zeigen, dass die Verbindungen insbesondere des basolateralen Kerns der Amygdala zum Hippocampus für die emotionale Gedächtnisbildung deklarativer Inhalte von entscheidender Bedeutung sein dürften. Die Verbindungen zum präfrontalen Cortex sind dagegen zentral für die Vermittlung emotionaler Bewertungsprozesse."
Jan Born, Ullrich Wagner:
Emotionale Gedächtnisbildung im Schlaf und die vermeintliche kathartische Rolle des Träumens
in: Janke, Schmidt-Daffy, Debus (Hrsg.) Experimentelle Emotionspsychologie
Pabst, Lengerich/Berlin 2008, ISBN 978-3-89967-450-7










