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Bombenstimmung im Januar auf dem Flughafen Tegel

22.12.2008 • 09:32 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft
Bombenstimmung im Januar auf dem Flughafen Tegel. Bild: Aktionsbündnis „be-4-Tempelhof.de“
Bombenstimmung im Januar auf dem Flughafen Tegel. Bild: Aktionsbündnis „be-4-Tempelhof.de“

(openPR) Aktionsbündnis rüttelt den rot/roten Senat mit einer Demonstration wach

Unter dem Flughafen Tegel liegen tonnenweise Blindgänger und scharfe Munition. Das Gutachten dazu liegt seit mehr als 3 Jahren vor und spricht von einer "Objektiven Gefahrensituation". Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratchef Wowereit und die ihm ergebenen Mitarbeiter kommen dagegen in vorweihnachtlicher Eingebung zum "Wissen, dass keine Gefahr besteht".


Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de, Träger des laufenden Volksentscheides zum Erhalt des Flughafens Tempelhof, wird diese Aussage beim Wort nehmen.

Andreas Donati vom Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de: “Unmittelbar vor der Landebahn, An der Mäckeritzbrücke Ecke Adlerweg werden wir diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und mit schwerem Baugerät, mit Rüttlern und Stampfern den Boden zum Wackeln bringen. Die entsprechende "Demonstration" wurde für Anfang Januar bei der Ordnungsbehörde angemeldet.“

„Selbstverständlich werden wir rechtzeitig die Deutsche Flugsicherung, die betroffenen Fluggesellschaften, und natürlich auch die Passagiere an diesem Tag informieren“, so Donati weiter.

Michael Paul, ebenfalls Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de ergänzt: „Da es aus der Senatsverwaltung und von der Flughafengesellschaft übereinstimmend heißt, dass keine Gefahr besteht, gehen wir jedoch davon aus, dass nichts passieren kann. Sollte es bei den beteiligten Stellen doch noch Sicherheitsbedenken geben, werden wir die Aktion selbstverständlich abbrechen“

Seit der Nutzung als Flughafen während der Luftbrücke 1948 wurde in Tegel nie eine vollständige Kampfmittelberäumung durchgeführt. Insbesondere wurden große Bereiche, die nahe an den Runways und Taxiways liegen, komplett ausgespart.

Dabei ist die Gefahr offensichtlich: Je länger alte Munition im Boden lagert, desto brisanter wird sie. In Tegel wurden alleine beim Bau des neuen Terminals C, 1,5 Tonnen Munition gefunden, sowie in einigen Bereichen die aus Oranienburg bekannten Bomben mit chemischem Langzeitzünder, die bauartbedingt jederzeit explodieren können.

Michael Paul empört: „Gibt es denn überhaupt einen Unterschied zwischen jemanden der Bomben legt und jemanden der wissentlich, jahrelang Bomben in einem Flughafen, in einem Sicherheitsbereich, einfach liegen läßt?“

Tegel wurde seit 1828 von der Preußischen Artillerie als Schießplatz benutzt. Direkt neben der Chemisch-Technischen Reichsanstalt gelegen wurde dort geforscht, das Gelände verfügte über zahlreiche Munitionsbunker.
Seit den 1930er Jahren führte der "Verein für Raumschiffahrt" mit den Raketenpionieren Rudolf Nebel und Hermann Oberth seine ersten Versuche mit Flüssigkeitsraketen auf dem Gelände durch. Auch Wernher von Braun arbeitete dort, bevor er weiter nach Kummersdorf und Peenemünde zog. Im Krieg wurde das Gelände mehrfach bombardiert, bevor es während der Luftbrücke in nur drei Monaten zum Flughafen umfunktioniert wurde.

Die Gefahr durch Blindgänger ist keineswegs abstrakt: Am 28. September 2000 explodierte auf dem Siegerland Flughafen direkt nach der Landung eines Flugzeuges eine 500 kg Bombe direkt unter der Start- und Landebahn. Der Flughafen mußte damals zunächst für 3 Wochen geschlossen werden. Wäre die Bombe direkt unter dem Flugzeug explodiert, so hätte es wohl eine Katastrophe gegeben.

Ein typisches Mittelstreckenflugzeug ist mit rund 100 Passagieren besetzt. Aufgrund des Kerosins führt eine Explosion unterhalb des Flugzeugs unweigerlich zu einem Flammeninferno. Auch gegenüber den Mitarbeitern der Flughafenfeuerwehr und der Rettungsdienste ist die Situation äußerst brisant. Sollte es in Tegel zu einem Unglück kommen, könnten die Helfer nicht zwischen sicheren und unsicheren Bereichen unterscheiden. Ein Tankfahrzeug der Feuerwehr wiegt rund 50 Tonnen und birgt ein hohes Risiko, Blindgänger auszulösen.

Das Aktionsbündnis kritisiert vor allem den Umgang des Senats und der Flughafengesellschaft mit der Situation: Wenn die Gefahr seit 3 Jahren bekannt ist, dann muß sie mindestens genauer untersucht und schnellstmöglich beseitigt werden.

Volker Perplies, Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de: „Es ist ein Unding, dass Klaus Wowereit als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft hier auch noch der Vertuschung von Risiken in der Behörde Vorschub leistet“. „Jedes "nomale" Unternehmen wäre bei diesem Risiko sofort geschlossen worden. Ein derartiges Verhalten kann man eigentlich nur mit der bewußten Beeinflussung des Tempelhof-Volksentscheides oder massiver Interessenverfilzung erklären“, so Perplies weiter.

Nicht ohne Grund ist in dem laufenden "Volksbegehren für das Weltkulturerbe Tempelhof und mehr Transparenz in der Politik" auch in §6 das Verbot von Aufsichtsratsmandaten für die Senatsmitglieder enthalten.

Für den Senat bietet sich immerhin die Möglichkeit, elegant aus der selbstverschuldeten Tempelhof Misere herauszukommen: Während der Beräumungsarbeiten kann der Verkehr in Teilen nach Tempelhof verlagert werden. Glücklicherweise ist der Entwidmungsbescheid aufgrund der weiterhin anhängigen Klagen noch immer nicht rechtskräftig.

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