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CLUSTERPOLITIK ALS ERFOLGSMODELL

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Matthias Poschmann, 1. Vorsitzender von kunststoffland NRW e. V., beim Finanzkrisen-Forum Ende November in Dortmund:
Matthias Poschmann, 1. Vorsitzender von kunststoffland NRW e. V., beim Finanzkrisen-Forum Ende November in Dortmund: "Wir müssen enger zusammenrücken."

(openPR) Finanzkrise, Facharbeitermangel, globaler Wettbewerbsdruck – auch Vorzeigebranchen wie die nordrhein-westfälische Kunststoffwirtschaft stehen vor großen Herausforderungen. Indem kunststoffland NRW e. V. die Zusammenarbeit einzelner Unternehmen intensiviert und neue Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik generiert, kann der Standort NRW nachhaltig gesichert und gestärkt werden. >>



NRW/Düsseldorf – Irgendwann hatte es Werner Barlog satt: Da kaum noch geeignete Auszubildende zu finden waren, übernahm der 60-jährige Inhaber der im oberbergischen Kreis ansässigen BARLOG plastics GmbH im Frühjahr 2008 eine Schulpatenschaft. „Wenn wir guten Nachwuchs wollen, dann müssen wir in den Schulen für die Attraktivität der Kunststoffbranche werben“, so Barlog. Sein Projekt mit der Engelskirchener Leopold-Goes-Realschule trägt erste Früchte: So konnte der entschlussfreudige Mittelständler bereits zwei aussichtsreiche Absolventen für sein Unternehmen begeistern, zwei weitere Azubis vermittelte er an befreundete Unternehmen. „Ich kann Sie alle nur ermutigen, es auf dieselbe Art und Weise zu versuchen“, beendet Barlog seinen Vortrag in der AG Qualifikation von kunststoffland NRW Ende Oktober in Düsseldorf und gibt den Teilnehmern beim abschließenden Imbiss weitere Tipps. Als Unternehmer modernen Typs setzt Barlog auf den Schulterschluss mit der einstmaligen Konkurrenz.

„Um genau diese Form des Austauschs geht es bei kunststoffland NRW“, erklärt Matthias Poschmann, 1. Vorsitzender der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Brancheninitiative. Es ist Anfang November, und der Chef der Lüdenscheider Poschmann Union ist Gastgeber des Seminars „Zukunft gestalten – NetzWerk“. Neben Themen wie Verhandlungsführung oder Teamentwicklung steht auch eine Werksführung auf dem Programm. „Sehen Sie, früher haben sich Wettbewerber untereinander nicht in die Karten schauen lassen – und heute zeigen wir uns sogar gegenseitig unsere Betriebe“, schmunzelt Poschmann. Angesichts des verschärften Wettbewerbsdrucks, des Fachkräftemangels und der Finanzkrise sei jetzt Gemeinschaftsgeist gefragt. Denn wenn der Kunststoffstandort NRW dauerhaft gesichert werden soll, dann müsse man enger zusammenrücken, so Poschmann weiter. Immerhin geht es um rund 3.000 Organisationen, davon 800 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern, und fast 100.000 Arbeitsplätze. Ihr Zukunftspotenzial und Umsätze von über 25 Milliarden Euro haben die Kunststoffwirtschaft zwar zu einer der von der Landesregierung geförderten Leitbranchen gemacht. Dennoch erscheint die Zusammenarbeit über Wettbewerbsgrenzen hinweg heute notwendiger denn je.

KURZE ENTSCHEIDUNGSWEGE FÜR BESSERE WETTBEWERBSCHANCEN

Als Plattform für Information, Kommunikation und Kooperation spielt kunststoffland NRW hierbei eine zentrale Rolle: Von Düsseldorf aus vernetzen die „Kunststoffmanager“ um Geschäftsführer Dr. Harald Pielartzik Akteure der gesamten Wertschöpfungskette miteinander und schaffen mit ihren landesweiten Veranstaltungen neue Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik. Eine wichtige Voraussetzung für ein möglichst effizientes Zusammenspiel aller Beteiligten. „Netzwerke wie unseres verkürzen Entscheidungswege, beschleunigen Handlungsprozesse und stärken die Wettbewerbsfähigkeit“, fasst Pielartzik zusammen. „Allerdings müssen sie auch aktiv gestaltet werden.“ Und eben dies treibt kunststoffland NRW mit seinen Workshops, Weiterbildungen und Beratungsleistungen rund um Fragen der Finanzierung oder Fördermittel konsequent voran. Rund 70 Mitglieder umfasst das Netzwerk mittlerweile – darunter Global Player wie Bayer MaterialScience und Evonik Degussa, jede Menge Mittelständler und Kleinbetriebe sowie Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Kreditinstitute.

Eine weitere wichtige Schnittstelle hat kunststoffland NRW erst kürzlich mit der neuen Veranstaltungsreihe „Hochschule trifft Mittelstand vor Ort“ geschaffen. Hier soll der Know-how-Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gleich um ein, zwei Gänge höher geschaltet werden. Ziel ist die zügigere Entwicklung innovativer Verfahren und Produkte. Entsprechend erfolgreich war auch die Premiere vor wenigen Wochen im westfälischen Hückeswagen: Mehr als 100 Teilnehmer ließen sich in Fachvorträgen auf den aktuellen Stand der Kunststofftechnik bringen und knüpften danach Kontakte zur vertretenen Forschungselite. „Es gibt eine Fülle neuer Technologien, die komplexe und kostengünstige Fertigungsprozesse ermöglichen“, unterstrich Prof. Volker Schöppner vom Institut für Kunststofftechnik der Universität Paderborn die Stärken des Hochschulstandorts NRW.

FINANZKRISE, LIQUIDITÄTSENGPÄSSE UND LANDESBÜRGSCHAFTEN

Ende November ist die Stimmung wieder etwas gedämpfter. kunststoffland NRW und die Wirtschaftsförderung Dortmund haben zum Thema „Finanzkrise“ eingeladen. Die Mienen der etwa 50 Zuhörer sprechen Bände, während Peter Wagner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hochsauerlandkreis, noch einmal die ganze „Kettenreaktion“ Revue passieren lässt. Vor allem die Automobilzulieferer haben daran zu knacken. Hier drohen immense Liquiditätsengpässe, und nicht wenige der Anwesenden drängen auf rasche Landesbürgschaften für neue Kreditvergaben. Ein Anliegen, das wohl nicht ungehört bleiben wird, da hier einmal mehr alle Player an einem Tisch sitzen. Dr. Bärbel Naderer vom Wirtschaftsministerium jedenfalls stellt sich der Diskussion und verspricht, alle Vorschläge umgehend weiterzuleiten. Ein einsamer Rufer in der Wüste ist kunststoffland NRW also beiliebe nicht. Dafür steht zu viel auf dem Spiel.

„Gemessen an den großen Aufgaben und den prima Möglichkeiten, die wir bieten, werden wir uns vor neuen Mitgliedern künftig wohl kaum retten können“, ist sich Werner Barlog sicher. Und das sei gut so, meint der findige Firmenchef aus dem oberbergischen Kreis nach seinen schwungvollen Ausführungen über sein erfolgreiches Schulprojekt. Denn je weiter sich die NRW-Kunststoffbranche vernetze, desto mehr Knotenpunkte für gemeinsame Aktivitäten entstünden. Eine ganz einfache Rechnung. Eine, die tatsächlich aufgehen kann, wenn immer mehr Unternehmen Barlogs Beispiel folgen und sich gemeinsam für den Kunststoffstandort NRW ins Zeug legen. „Schließlich tragen wir alle zusammen die Verantwortung für abertausende Jobs“, befürwortet Barlog die brancheninterne Zusammenarbeit.

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