(openPR) Junge Männer wünschen sich als erstes Kind meist Jungen, Frauen im mittleren Alter Mädchen. Dies ergab eine repräsentative Befragung, durchgeführt von Psychosomatikern der Universitätsklinik Gießen. Allerdings ist fast niemand bereit, mit einer medikamentösen oder technischen Manipulation die Geschlechtswahl zu beeinflussen.
Die Wissenschaftler analysieren den Wunsch der jungen Väter: "Psychodynamisch betrachtet könnte die Befundlage damit zusammenhängen, dass Männer sich mit einem Jungen mehr identifizieren als mit einem Mädchen. Damit wiederum wäre eine höhere narzisstische Aufwertung und Spiegelung verbunden. Für Frauen in der gleichen Altersgruppe spielt dies offensichtlich eine geringere Rolle, da sie aufgrund der Mutter-Kind-Symbiose im ersten Lebensjahr ohnehin einen starken narzisstischen Zuwachs unabhängig vom Geschlecht des Kindes bekommen. Junge Männer, die in ihrer männlichen Identität tendenziell weniger gefestigt sind als ältere, könnten durch den Stammhalter eine Stabilisierung ihres Selbstkonzepts erfahren."
Warum wünschen sich Frauen im mittleren Lebensalter eher Mädchen? "Auch hier scheint die narzisstische Aufwertung eine Rolle zu spielen, da Frauen zum Ende ihrer Generativität eben doch ein gleichgeschlechtliches Kind präferieren. Auch hier ist vermutlich die narzisstische Spiegelung wesentliches Motiv."
Die Studie von Prof. Dr. Burkhard Brosig et al. ist in dem Aufsatzband "Gender, kulturelle Identität und Psychotherapie" enthalten. Dr. Andreas Manteufel (Bonn) empfiehlt in seiner Rezension des Buches (in Systhema 3/2008) "jedem therapeutisch Tätigen, sich von der Fülle der fundiert recherchierten Daten zu Gender- und Migrationsfragen informieren und anregen zu lassen."
Burkhard Brosig, Susanne Grüssner, Sophia Holthausen-Markou, Edgar Dahl:
Geschlechtspräferenz für das ungeborene Kind
in: Mechthild Neises, Gerhard Schmid-Ott (Eds.): Gender, kulturelle Identität und Psychotherapie
Pabst, 296 Seiten, ISBN 978-3-89967-366-1











