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Geschäfte mit der Sicherheit

(openPR) Als die Digital Identification Solutions AG (DIS) vor über zwei Jahren den Börsengang wagte, notierte der Emissionspreis bei stolzen 19 Euro. Davon ist der Anbieter von digitalen Personenidentifikations-Systemen heute meilenweit entfernt: Der Kurs schwankt, trotz guter Unternehmensnachrichten, um die drei Euro-"Marke". Für Anleger also alles andere als ein Grund zur Freude. Die Anlage-Trends.de-Redaktion sprach exklusiv mit Finanzvorstand Tassilo Mayer über die Ursachen der "Kurs"-Krise bei DIS, die schwierigen Deals mit Behörden und Regierungen und die Perspektiven für potenzielle Investoren. Lesen Sie jetzt das ganze Interview!

Herr Mayer, Digital Identification Solutions (DIS) ist beim Börsengang in 2006 mit einem Emissionspreis von rund 19 Euro an den Start gegangen. Diesen Kurs haben Sie dann nie wieder gesehen. Aktuell notiert er, trotz positiver Unternehmensnachrichten, um die drei Euro. Können Sie als Finanzvorstand noch ruhig schlafen?

Mayer: Zwar komme ich jeden Morgen ausgeschlafen ins Büro, aber natürlich ist diese Kursentwicklung alles andere als erfreulich. Als Vorstand kann man jedoch nur die Geschäftsentwicklung beeinflussen, den Kurs nicht, denn der ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Um diese Situation zu ändern, denken wir über verschiedene Optionen nach.

Wie sehen denn diese Möglichkeiten aus?

Ich denke, dass wir auf dem aktuellen Kursniveau kein interessanter Ansprechpartner für die meisten institutionellen Investoren sind. Darüber hinaus ist für diese Anlegergruppe auch unser Free Float, der um die 50 Prozent liegt, zu gering. Für die auf Small Caps spezialisierten Fonds, müssten wir den Free Float in Richtung 20 bis 25 Millionen Euro "drehen". Das ist eine Hausnummer, bei der diese Fonds beginnen, Positionen zu erwerben.

Davon ist Ihr Unternehmen aber aktuell meilenweit entfernt. Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf rund sechs Millionen Euro. Liegt es da nicht nahe, einmal über ein Going Private, also einen Rückzug von der Börse, nachzudenken?

Wir sind immer noch überzeugt, dass der Markt die Entwicklung unseres Geschäftsmodells honorieren wird und sich dieses Thema damit erledigt, zumal wir einen siebenstelligen Betrag aufgewendet haben, um an die Börse zu kommen.

Also gibt es für Sie auch keine plausible Erklärung, warum der Kurs Ihres Unternehmens innerhalb von zwei Jahren einen solchen Absturz erlebt hat?

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir mit dem richtigen Produkt, in einem spannenden Markt mit der richtigen Strategie unterwegs sind.

Um welches Umsatzvolumen wird weltweit in Ihrem speziellen Sicherheitssegment gerungen?

Ich schätze, dass sich der relevante Markt für digitale Personenidentifikations-Systeme um zwei Milliarden Euro bewegt. Das hört sich auf den ersten Blick wenig an. Aber denken Sie daran, mit uns sind hier nur wenige Player weltweit unterwegs.

Wo sehen Sie für Ihre Branche die Wachstumsfelder der Zukunft? Offenbar gehört die USA auf jeden Fall dazu. Aktuell können Sie sich über die Erweiterung eines Auftrags zur Fertigung von Führerscheinen aus South Carolina freuen.

Ja, ganz klar zählt die USA zu den Wachstumsmärkten in unserer Branche. Vergessen dürfen wir auch den Mittleren Osten nicht. Beide Regionen prägt auf Grund der aktuellen Weltlage ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis.

Gehören denn so genannte Regierungs-Deals zu den krisensicheren Umsatzgaranten?

Solche Geschäfte sind zweischneidig zu betrachten. Sie versprechen ohne Zweifel auf der einen Seite ein großes Einnahme-Volumen, auf der anderen Seite sind solche Regierungsgeschäfte sehr unberechenbar. So haben wir plötzlich bei einer Regierungsumbildung komplett neue Ansprechpartner, die sich an Verträge Ihrer Vorgänger nicht mehr gebunden fühlen. In solchen Fällen bringt das größte Volumen nichts, denn es steht letztlich nur auf dem Papier. Um es auf den Punkt zu bringen: Natürlich sind wir an Geschäften mit Regierungen und Behörden sehr interessiert. Aber diese sind nicht planbar. Metaphorisch ausgedrückt: Wir können mit unserem Unternehmen die Schienen legen, wir wissen aber nicht, wann der Zug kommt.

Kommen wir zu den harten Fakten. Im zurückliegenden Jahr erwirtschaftete Ihr Unternehmen einen Umsatz von rund 18 Millionen Euro. Mit welchen Umsätzen planen sie in diesem und den kommenden Jahren.

In diesem Jahr wollen wir ein Umsatzvolumen von 22 Millionen Euro erreichen und dies bis 2010 auf 33 Millionen Euro steigern. Bei der Ebit-Marge gehe ich davon aus, dass diese überproportional in diesem Zeitfenster steigt.

Sollten Sie in absehbarer Zeit die 50-Millionen-Euro-Umsatzmarke "knacken", dürfte ihr Unternehmen möglicherweise sogar in ein neues, attraktiveres Börsensegment wechseln. Wäre das eine Perspektive für den Finanzvorstand Mayer?

Das klingt sicher sexy. Mit Sicherheit würde dem Unternehmen dann eine größere Aufmerksamkeit der Anleger zu Teil werden. Das könnte auch für den Aktienkurs überaus interessant werden.


Vita: Tassilo Mayer

Tassilo Mayer ist Finanzvorstand der Gesellschaft. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft an der London School of Economics war Mayer von 1995 bis 1997 als strategischer Controller bei der Wienerberger AG in Wien, Österreich, tätig. Zwischen 1997 und 2001 war er Vice President im Bereich Aktienanalyse bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston in London, Vereinigtes Königreich. Im Jahr 2001 übernahm Mayer die Geschäftsführung des Beratungsunternehmens GCMG Ltd., London. Er war von Juli 2003 bis 2005 Finanzvorstand bei der FJD Information Technologies AG in München. Mayer ist seit 1. Januar 2006 bei der Digital Identification Solutions AG tätig und wurde am 16. Februar 2006 in den Vorstand bestellt.

(ATN/Dieter Hintermeier, 24.10.2008)

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