(openPR) Die hohen Erwartungen, die derzeit mit dem Outsourcing von Leistungen verbunden werden, sind in den meisten Fällen überzogen. Damit die Verlagerung einer Aufgabe zu einem externen Anbieter tatsächlich zu langfristigen Kosteneinsparungen führen kann, muss eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. Von zentraler Bedeutung ist die Flexibilität der IT-Architektur. Dies sind die Ergebnisse des Workshops „Sourcing“ der Fachgruppe 5.4 (Informationssysteme in der Finanzwirtschaft) der Gesellschaft für Informatik, der am 11.07. in München stattfand.
Prof. Dr. Erhard Petzel von der International University in Germany, Bruchsal, beleuchtete mögliche Ursachen, weshalb ein externer IT-Anbieter eine Leistung kostengünstiger erbringen kann als die interne Abteilung. Neben den oft zitierten Skaleneffekten können nach seinen Projekterfahrungen vor allem versteckte Leerzeiten beseitigt sowie eine Überqualifikation des Personals vermieden werden. Der wichtigste Hebel liege jedoch in der Überarbeitung der Prozesse.
Die zentrale Bedeutung des Reengineering von Geschäftsprozessen bestätigte Dr. Hans-Gert Penzel von der HypoVereinsbank AG. Im Rahmen des Reengineering sollte das Outsourcing derjenigen Leistungen erwogen werden, die von der Bank nicht wettbewerbsfähig erbracht werden können, für die ein ausreichender Markt vorhanden ist und bei denen der Aufwand zur Schnittstellenanpassung gering ist. Voraussetzung dafür sei eine Kapselung der zu Grunde liegenden Informationssysteme und die Etablierung von Standardschnittstellen. Damit sich das Outsourcing für beide Seiten lohne, müssen zudem die Kosten des Insourcers 50% unter denen des Outsourcers liegen.
Die Wechselwirkungen zwischen Sourcing-Entscheidungen und Informationssystemen vertiefte abschließend Prof. Dr. Robert Winter vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen. Änderungen in der Sourcing-Strategie seien bei vielen Unternehmen aufgrund historisch gewachsener Systemarchitekturen nicht möglich. Die Überarbeitung der Architekturen erfordert die Formulierung detaillierter Business-Spezifikationen und dauert oft mehrere Jahre. Da einige Banken bereits mit der Umgestaltung ihrer Systemarchitekturen begonnen haben und zunehmend Standardsoftware wie SAP eingesetzt wird, erwarten die Workshop-Teilnehmer die Entwicklung standardisierter Bausteine und Schnittstellen bei den Banken.
Als weiteres Problem wurde in der Diskussion zwischen den Teilnehmern zudem häufig die Kostenintransparenz bei der internen Leistungserstellung genannt. Eine objektive Entscheidungsgrundlage für oder gegen das Outsourcing steht daher in den meisten Unternehmen derzeit nicht zur Verfügung. Hinzu kommen arbeits- und steuerrechtliche Fragestellungen, so dass die Outsourcing-Entscheidung höchste Komplexität erlangt. Statt überstürzter Entscheidungen sollten daher zunächst die internen Voraussetzungen für Outsourcing geschaffen und anschließend jeder Einzelfall genau geprüft werden.
Über die Fachgruppe 5.4 (Informationssysteme in der Finanzwirtschaft)
Die Fachgruppe 5.4 der Gesellschaft für Informatik beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Wettbewerbsaspekten finanzwirtschaftlicher Informationssysteme und dem Transfer neuer Konzepte und Technologien von der Forschung in die finanzwirtschaftliche Anwendungspraxis. Dies erfolgt mit dem Ziel, der wachsenden Bedeutung der Ressource Information für den Markterfolg der Unternehmungen der Finanzdienstleistungsbranche und ihrer Kunden sowie dem Funktionsbereich Finanzwirtschaft in den einzelnen Unternehmen gerecht zu werden. Sprecher der Fachgruppe ist Prof. Dr. Dieter Bartmann, Universität Regensburg.
Kontakt:
Fachgruppe 5.4 (Informationssysteme in der Finanzwirtschaft) der Gesellschaft für Informatik
c/o Florian Allwein
Institut für Bankinformatik und Bankstrategie an der Universität Regensburg gGmbH
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