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Milliarden-Geschäft Bundesliga beginnt wieder

15.08.200811:13 UhrSport

(openPR) Fußball bewegt die Massen - doch längst nicht nur das. Fußball bewegt auch Kapital - und zwar riesige Berge von Kapital. Die beliebteste Sportart der Welt ist zu einem Milliardenspiel und zu einem Machtfaktor der Weltwirtschaft geworden.

Vor allem in England, Deutschland, Frankreich, Italien. Und in der Türkei sowie anderen Staaten Europas kann vom 'Boomfaktor Fußball' gesprochen werden. Am Musterbeispiel Deutschland zeigt der Beitrag der Anlage-Trends.de-Redaktion einige der zahlreichen ökonomischen Facetten des Fußballs auf.



Davon zu sprechen, die Bilanzen der Fußball-Bundesliga-Vereine seien ein Muster an Stabilität, Solidität und Stärke, würden Experten sehr rasch als starke Übertreibung abtun. Die Experten des global tätigen Wirtschaftsprüfers Ernst & Young sprechen in ihrer Studie 'Bälle Tore und Finanzen IV' indes davon, dass die Fußball-Manager der ersten Liga
mit der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Klubs zufrieden sind wie nie zuvor.

Auf die Frage, wie sie die gegenwärtige wirtschaftliche Lage ihrer Branche beurteilen, antworteten 37 % der befragten Bundesliga-Manager mit 'gut' und 63 % mit 'eher gut'. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2004 brachte die gleiche Umfrage von E&Y folgendes Resultat: 46 % 'eher gut', 46 % 'eher schlecht',4 % 'schlecht'. Die restlichen 4 % der Befragten gaben auf diese Frage keine Antwort.

Dass die Bundesliga ihr Milliardengeschäft heute auf einem solideren finanziellen Sockel betreiben kann, hat vor allem drei Ursachen: Zum einen die allgemeine Fuß- ball-Euphorie hier zu Lande als Folge der als 'deutsches Sommermärchen' betitelten Fußball-WM. Zum zweiten die für die WM gebauten modernen Stadien, die immer mehr Zuschauer locken.

Drittens wirken höhere TV-Einnahmen positiv auf das Klima. Ein weiterer Grund ist darin zu sehen, dass die deutsche Eliteliga neben der französischen Top-Liga den Fans den größten Nervenkitzel bietet. Die hohe Wettbewerbsintensität wirkt sich über zunehmende Zuschauerzahlen in den Stadien und an den TV-Bildschirmen positiv auf Umsätze und Erträge der boomenden Branche aus. So betrachtet die Werbewirtschaft die Bundesliga als eines der interessantesten Medien für die Übermittlung von Produktbotschaften.

Eine überschwänglich positive Wertung der wirtschaftlichen Lage der Kicker-Eliteliga erscheint jedoch nur dann zulässig, wenn der ökonomische Status quo vergange nen Jahren gegenüber gestellt wird. Vergleicht man Fußball mit anderen Industriezweigen, sehen die finanziellen Kennzahlen der Bundesliga alles andere als gut aus. Ist eine solche Betrachtung überhaupt erlaubt? Es ist nämlich zu berücksichtigen, dass die Besonderheit des Fußballs einen Vergleich mit anderen Branchen deutlich erschwert. Vor allem der mangelnde wirtschaftliche Wettbewerb verbietet es im Prinzip, Fußball mit anderen Segmenten der Volkswirtschaft zu vergleichen.

Tabellen lügen nicht:
Geld schießt Tore

Was kann getan werden, um nicht nur den sportlichen, sondern auch den ökonomischen Konkurrenzkampf der populärsten Sportart zu fördern? Wie ist der 'finanzielle Klassenunterschied' zwischen Liga-Primus Bayern München, den Klubs der zweiten Reihe wie Werder, Schalke 04, HSV, Bayer Leverkusen und VfB Stuttgart auf der einen und dem 'Armenhaus der Liga' (Bielefeld, MSV, Hansa Rostock oder Energie Cottbus) auf der anderen Seite zu verringern?

Daten-Fakten-Hintergründe

Sport gewinnt als Wirtschaftfaktor immer mehr an Bedeutung. Schätzungen amerikanischer Finanzhäuser zufolge liegt der Jahresumsatz der Wirtschaftsbranche Sport allein in den USA bei rund 300 Mrd. $ pro Jahr. Darin enthalten sind sowohl die direkt durch Sportveranstaltungen als auch indirekt durch Sport und Freizeit generierten Umsätze. Berechnungen von ATN zufolge erreichen allein die durch Sportveranstaltungen weltweit generierten Umsätze das Niveau von rund 55 Mrd. € pro Jahr. Im Einzelnen entfallen danach auf


- Marketing / Sponsoring ca. 22 Mrd. €
- Verkauf von Eintrittskarten ca. 21 Mrd. €
- TV-Rechte und Media ca. 12 Mrd. €


Das Wachstum der die Welt immer stärker begeisternden Freizeitbeschäftigung Sport wird auch durch das Kapital superreicher Industrieller sowie erstärkt auch über die Kapitalmärkte finanziert. Der über alle Grenzen, Kontinente und Kulturen hinweg zur beliebtesten Sportart der Welt gewordene Fußball ist hierfür das populärste Beispiel. Schon lange geht es bei der Jagd um das runde Etwas nicht mehr nur um den sportlichen Wettstreit. In den vergangenen Jahren ist der Fußball zu einem boomenden Milliardengeschäft geworden. Die Fußball-WM in Deutschland lieferte hierfür einen eindrucksvollen Beweis.

Weitere Elemente für die zahlreichen bunten Facetten der Wirtschaftsmacht Sport im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen sind Millionengagen für Spitzensportler, achtstellige Ablösesummen für Fußballer und extrem lukrative Werbeverträge für die Superstars der Sportszene. Auch die immer wieder in den Fokus rückenden Bieterschlachten um TV-Übertragungsrechte und um Lizenzen sind Ausdruck des Potenzials, das die Wirtschaft dem Sport zuschreibt.

Dieser finanzielle Klassenunterschied entspricht auch der sportlichen Klassifizierung der einzelnen Klubs, wie aus den aktuellen Tabellenständen in Europa abzulesen ist. An diesen Tabellen wird sowohl in England als auch in Deutschland und Frankreich klar: Der der Trainer-Ikone Otto Rehagel zugeschriebene Satz 'Geld schießt Tore' hat seine volle Berechtigung. In der englischen Premier League liegt mit Manchester United der finanziell stärkste Klub an der Spitze. In Deutschland hat Liga-Krösus FC Bayern die Nase vorn und in Frankreich scheint der Börsengang von Olympique Lyon den dortigen Profikickern Beine gemacht zu haben.

Wegen der starken Diskrepanz in den finanziellen Möglichkeiten der Klubs war in der Vergangenheit zwischen Banken und Vertretern der Klubs sowie deren Dachorganisation DFL auf einem Treffen in Gelsenkirchen die Idee zur Auflegung einer Anleihe durch die DFL diskutiert worden. Die in Fußballzirkeln in diesem Kontext angestellten Überlegungen, die von einigen Bundesliga-Managern inzwischen als 'recht selbstgefällig' bezeichneten Dachorganisation Deutsche Fußball Liga (DFL) als Emittent einer Anleihe ins Rennen zu schicken, scheint vom Tisch zu sein - vorerst jedenfalls.

Die DFL-Anleihe:
Muster ohne Wert

Und so reagiert man in der Frankfurter DFL-Zentrale ausgesprochen nervös, wenn Vertreter der Bundesligaklubs oder Mitglie- der der Presse auf dieses Thema kommen. 'Es macht keinerlei Sinn, dieses Fass erneut aufzumachen', sagt ein DFL-Vertreter. Die Diskussion war bei den anfänglichen Über- legungen darauf hinausgelaufen, dass sich finanziell in Schwierigkeiten geratene oder allgemein finanzschwache Klubs der Bundesliga bei Bedarf aus einer von der Dachorganisation DFL begebenen Anleihe einen Teil des Kuchens zu interessanten Bedingungen herausschneiden sollten. Der Reiz und Vorteil einer solch sinnvollen Handhabung würde vor allem darin liegen, dass der DFL als Branchenorganisation der Bundesliga wegen einer höheren Bonität bessere Konditionen - sprich niedrigere Zinsen - zugestanden worden wären.

Gescheitert ist diese Idee ganz offensichtlich an den Einwänden der 'reichen Vereine', die offensichtlich nicht bereit waren, für eine größere finanzielle und sportliche Chancengleichheit (sprich: für eine Intensivierung des Wettbewerb) in der Bundesliga zu sorgen.

Durch die wieder etwas ansehnlicheren Bilanzen der Klubs sollte die Kapitalbeschaffung in der Fußball-Bundesliga eigentlich nicht mehr die Dringlichkeit früherer Jahre haben, schreibt Udo Rettberg in einem Beitrag für das Handelsblatt. Ungeachtet dessen denken einige der inzwischen als Kapitalgesellschaften aufgestellten Bundesliga-Vereine über neue Finanzierungsformen nach und loten in diesem Kontext das Potenzial der Kapitalmärkte aus. Die bisher von den Fußball-Bundesligisten in Anspruch genommenen Finanzierungsformen des Kapitalmarktes waren

• Aktien (Borussia Dortmund)
• Anleihen (Schalke 04, 1. FC Köln, Arminia Bielefeld, Hertha BSC)
• Genussscheine (1 FC Köln)
• Kreditlinien der Hausbank (alle Klubs).

Es drängt sich die Frage auf, wie es in Deutschland mit Eigenkapital-Finanzierungen über die Börse aussieht? Im Gegensatz zu Großbritannien, Italien, Dänemark, Türkei und Portugal ist die Bundesliga unter 'ferner liefen' einzustufen.

Als einziger Klub hat bislang die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA den Sprung an die Börse gewagt. Dass die Dortmunder damit ein Debakel erlebten, mag andere Fußballfirmen abgeschreckt haben. Ungeachtet dieses anfänglich als 'Coup' bezeichneten Schrittes sind die Dortmunder finanziell alles andere als auf Rosen gebettet. 'Wir überlegen derzeit in alle Richtun- gen, ob wir neue Finanzierungsmöglichkeiten nutzen sollten', heißt es heute in der Finanzabteilung des BVB. Konkrete Pläne gebe es allerdings nicht.

Offensichtlich schließen mehr deutsche Klubs wohl nicht mehr länger kategorisch aus, in 'absehbarer Zeit' dem Beispiel von Borussia Dortmund an die Börse zu folgen. Denn die Beschaffung von Eigenkapital durch Initial Public Offerings (IPO) macht für Fußballunternehmen mehr Sinn als die Aufnahme von Fremdkapital durch Kredite, Anleihen oder Genussscheine. Grundsätzlich gilt nämlich: Eigenkapital ist für Unternehmen in der Regel billiger als Fremdkapital. Und so sind die kräftigen Kurssteigerungen britischer Fußballaktien auch in den Manager-Etagen der Bundesliga nicht unbemerkt geblieben.

Der Börsengang ist
derzeit kein Thema

Aktuell gibt es nach Recherchen der ATN-Redaktion jedoch keine konkreten IPO-Pläne von Bundesliga-Klubs. Der Ausgang der derzeit heftig geführten Diskussion über die 50-Plus-Regelung in Deutschland wird mitentscheidend dafür sein, ob sich mehr Klubs mit dieser Idee anfreunden können.

Weltweit haben derzeit etwa 35 Fußball-Unternehmen ihre Aktien an den Börsen ihrer Länder notiert. Die wichtigsten Aktien werden im zum Schluss dieser Ausarbeitung abgedruckten DJ STOXX-Football-Index abgebildet, der in den vergangenen Jahren kräftig in die Höhe schoss. Dies ist zum einen auf die finanziellen Erfolge der jeweiligen Sport-Unternehmen und zum anderen aber auch auf zunehmende Übernahme-Aktivitäten im britischen Profifußball zurückzuführen.

Dem Betrachter wird bei einem Blick auf den Kurszettel der London Stock Exchange (LSE) möglicher- weise auffallen, dass zahlreiche ehemals notierte Aktien von Fußballunternehmen inzwischen verschwunden sind. Grund: immer mehr Milliardäre aus Großbritannien, aus den USA, aus Russland und aus Thailand haben sich eingekauft und gönnen sich einen Fußballklub praktisch als ihr 'persönliches Hobby'.

Das Finanzierungs-Instrument Anleihe hatten in der Vergangenheit unter den deutschen Elitekicker-Vereinen Schalke 04 so- wie Arminia Bielefeld und der 1. FC Köln genutzt. Bielefeld und Köln hatten ihre so genannten 'Fananleihen' in effektiven Stücken vor allem bei den interessierten eigenen Fußballanhängern platziert, wie Sebastian Maerker von Clifford Chance zu berichten weiß. Der 1 FC Köln entschloss sich vor geraumer Zeit, sich des Finanzierungsinstruments Genussschein zu bedienen, bei dem die Zeichner am wirtschaftlichen Erfolg des Vereins partizipieren.

Urgestein Erik Meijer sagt:
'Tivoli ist - Tivoli wird'

Lange Zeit hatte man in Aachen am Tivoli ein großes Geheimnis um neue Finanzie- rungspläne gemacht und die involvierten Berater auch zur strikten Verschwiegenheit verdonnert. Doch im Monat Mai 2008 trat dann trat Alemannia Aachen GmbH mit Pressemitteilungen und Pressekonferenzen selbst an die breite Öffentlichkeit. Über eine 'Tivoli-Anleihe' mit einem Zins von 6 % im Gesamtvolumen von 5 Mio. € und einer Laufzeit bis 2013 soll die Modernisierung des eigenen Stadions am Tivoli vorangetrieben werden. Von einem großen Erfolg ist bis heute jedoch nicht zu sprechen.

Bis Ende Juli 2008 waren exakt 2 671 echte Fans bereit, mit ihrem Geld die Alemannia auf diesem Weg zu begleiten und solche Anleihen in Form von Schmuckurkunden als physische Stücke zu zeichnen. Auf die bis dahin rund 2 Mio. € gezeichnete Ge- samtsumme entfallen 0,71 Mio. € auf die limitierten, gerahmten Dokumente, auf denen die großen Helden und Momente der Alemannia-Historie festgehalten sind. Das Präsidium scheint mit diesem Volumen nicht wirklich zufrieden zu sein; denn es erleichterte das Zeichnen der Schmuckanleihe.

Bisher mussten Zeichner grundsätzlich für die Alemannia-Anleihe einen Kaufauftrag ausfüllen und konnten ihre Urkunden dann zu einem festen Termin in der Aachener Bank abholen. Dann aber richtete die Alemannia einen Direktverkauf der Anleihe ein. 'Wir waren mit der Anleihe unheimlich viel unterwegs, die Ausgabetermine in der Aachener Bank sind perfekt abgelaufen. Aber wir haben immer wieder Leute getroffen, die gesagt haben: Pack' mir das Ding direkt ein.

Für diese Menschen richten wir jetzt den Barverkauf ein', erklärt Erik Meijer, Gesicht der Kampagne 'Tivoli ist. Tivoli wird.' Am 23. und am 30. 7. konnte die Anleihe als gerahmte Schmuckurkunde im Alemannia-Shop an der Krefelder Straße direkt erworben werden. Dabei waren alle drei Varianten - also Stücke im Nominalwert von 100, 200 oder 500 € - erhältlich. Als Kandidaten für neue Anleihe-Emissionen waren zuletzt unter anderem erneut Hertha BSC Berlin sowie Bayer Leverkusen und last but not least auch Energie Cottbus ins Gespräch gebracht worden.

Düstere Zeiten im
Osten des Landes

Grundsätzlich scheint die finanzielle Lage der Ostklubs weniger rosiger zu sein als die der Konkurrenten aus westlichen Bundesländern. Dies legt den Schluss nahe, dass dort der größte Finanzierungsbedarf über die Kapitalmärkte besteht. Bekannt ist, dass Energie Cottbus vor einigen Monaten dem Beispiel des 1 FC Köln folgen und Ge- nussscheine emittieren wollte.

Dieses Unterfangen der alten Klubführung scheiterte. Über die wahren Gründe wurde in Kreisen der Bundesliga-Manager lebhaft spekuliert. Neue Pläne in diese Richtung gebe es nicht, heißt es heute bei den Lausitzern. Gleiches gilt auch für den FC Hansa Rostock. Axel Schulz, Pressesprecher der Ostsee-Städter, sagt, man habe aktuell keine Pläne zur Emission von Anleihen oder anderen Finanzierungsinstrumenten.

Auch Hertha-BSC-Pressesprecher Hans-Georg Felder sieht für seinen Klub nach der kürzlich abgeschlossenen Transaktion mit dem Sportrechte-Vermarkter Sportfive derzeit keine Notwendigkeit für eine neue Finanzierungsrunde.

Keine Fußball-Anleihen
an der Waterkant

Und auch hoch droben im Norden an der Waterkant scheint die finanzielle Welt der Bundesligaklubs in Ordnung zu sein. Bei Werder Bremen und beim Hamburger SV gibt man sich eher gelassen. 'Wir waren der Klub in Deutschland, der vor Jahren das Genussschein-Modell entwickelt und mit all seinen bunten Facetten eingehend diskutiert hat', sagt Werder-Präsident Jürgen L. Born.

In der Folge sei der sportliche und damit der wirtschaftliche Erfolg jedoch immer ansehnlicher geworden, so dass man die Pläne letztlich wieder ad acta gelegt habe. Man sehe heute keine Notwendigkeit zur Beschaffung von Eigen- oder Fremdkapital. Während die Bremer darüber nachdachten, Genussscheine in Nominalwerte von 1 Mio. € zu stückeln und bei interessierten Geschäftsleuten der Bremer Wirtschaft zu platzieren, ging der 1. FC Köln mit einer auf die Fans zielenden geringeren Stückelung seiner Genussscheine einen anderen Weg.

Mit einem definitiven 'Nein' beantwortet Katja Kraus - ehemalige erfolgreiche DFB-Nationalspielerin und seit Jahren im HSV-Vorstand am Schaltpult des Hamburger Renommierklubs sitzend - Fragen nach eventuellen Anleihe- oder Aktienemissions-Plänen des Hamburger SV.

Was in Großbritannien gängige Praxis ist - nämlich die Übernahme von Fußballklubs in Privatbesitz durch Superreiche wie Ro- man Abramovich und Malcolm Glazer - ist in Deutschland bislang nicht möglich. Der eingetragene Verein (e.V.) muss den Regeln zufolge nach wie vor die Mehrheit am (in der Regel als Kapitalgesellschaft ausgegliederten) Profiklub halten.

Werder-Chef Jürgen L. Born sieht keinen Anlass, diese Regel zu ändern, 'Wer den Klub heu- te an einen reichen Sponsor verkauft, wird nur einmalig Kapital in die Kassen gespült, was möglicherweise dann andere Sponsoren abschrecken könnte', sagt er. Viel Interessanter sei es, Sponsoren längerfristig zu binden und so jährlich wiederkehrende Zahlungen zu erhalten.

Der FC Bayern München entschied sich vor Jahren nach dem Börsen-Flop der Borussia aus Dortmund gegen den Börsengang. Uli Hoeness landete einen Coup, indem er mit Adidas einen starken Partner aus dem Bereich Sportartikel als Großaktionär mit ins Boot nahm. Die Frage nach aktuellen Finanzierungsplänen über Anleihen, Aktien oder Genussscheine wird beim 'Stern des Südens' mit einem klaren 'Nein' beantwortet.

Auch andere Klubs wie zum Beispiel Eintracht Frankfurt und der VFL Bochum oder der MSV Duisburg beantworten die Anfrage über eventuell existierende Pläne für Anleihe-Emissionen negativ. Gleiches gilt für Hannover 96 und auch für den mittlerweile ins Unterhaus abgerutschten 1. FC Nürnberg, Dabei wurde dem 'Nein' in der Noris süffisanterweise die Bemerkung hin- zugefügt, man könne doch wohl nicht allen Ernstes annehmen, dass ein vor einer Emission stehender Klub dies vorab der Presse mitteilen würde.

Schlussfolgerung: Wenn - was zu erwarten ist - die 50+1-Regelung im deutschen Profifußball in den kommenden Monaten fallen sollte, wird sich das wirtschaftliche und finanzielle Umfeld der Liga dramatisch verändern. Denn es gibt genügend Unternehmen oder auch einzelne Milliardäre, die den Fußball als Wirtschaftsfaktor mit zunehmender Bedeutung sehen. Bei gutem wirtschaftlichem und sportlichem Management müssen Kapitalgeber nämlich nicht nur Geld in ihren Klub stecken - sie können auf Sicht auch gutes Geld verdienen. Der FC Bayern München beweist die jahrein jahraus.
(ATN/ Jonas Dowen)

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