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Kommunikationswahn im Netz

14.08.200810:36 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) Intelligente Agenten, Gigaportale und allgegenwärtige Computer werden Web-Informationsüberflutung beseitigen

Hamburg/Graz, 14 . August 2008, ne-na.de - E-Mail-Fluten und grenzenlose Online-Informationen: Der Spiegel untersucht in seiner Titelstory „Macht das Internet doof?“ die Schattenseiten der digitalen Revolution: „Der Kommunikationswahn im Netz hat verhaltensauffällige und hochnervöse Individuen hervorgebracht, die immer mehr erfahren und immer weniger wissen“, so die Warnung des Hamburger Nachrichtenmagazin. Es sei so schlimm „wie die globale Umweltkrise“ wird der Computerwissenschaftler David Levy zitiert. Das ständige Senden, Beantworten und Weiterleiten häufig völlig belangloser Informationen führe zu jeder Menge überflüssigem E-Mail-Verkehr und unnötigem Info-Müll auf unseren Bildschirmen. Die Verschmutzung sei einfach riesengroß. Auch in der Geisteswelt brauchten wir deshalb so etwas Ähnliches wie geschützte Wälder und Auen. „Denkschutzgebiete" also, wo Ideen quasi abgasfrei erblühen könnten.



„Etwa 50-mal pro Tag öffnet ein typischer ‚Informationsarbeiter’ sein E-Mail-Fenster, 77-mal wendet er sich dem Instant-Messaging-Programm für den schnellen Versand von Nachrichten zu, nebenbei werden noch etwa 40 Web-Seiten besucht. So hat es die US-Beratungsfirma RescueTime http://www.rescuetime.com errechnet, nachdem sie die Nutzerprofile von 40 000 Angestellten untersuchte“, schreibt der Spiegel. Herman Maurer, Professor für Informatik an der Technischen Universität Graz http://www.tugraz.at, lässt sich von solchen Schreckenszenarien nicht beeindrucken. „Lange vor dem Jahr 2100 werden alle Menschen jederzeit und an jedem Ort auf alles Wissen der Menschheit zugreifen können, ähnlich wie wir das heute bei materiellen Gütern können. Dieser Zugriff wird mit Geräten erfolgen, die stark mit den Menschen integriert sind, und wird sich auf Wissen beziehen das entweder aus Datenbanken kommt oder aus Dialogen mit Experten entsteht. Das Gehirn des Einzelmenschen wird nur noch ein vergleichsweise winziger Bestandteil eines gewaltigen Wissensvorrates sein, der durch die Vernetzung aus Milliarden von Menschenhirnen und Datenbanken entsteht“, prognostiziert Maurer.

Skeptiker, die vor einer nicht beherrschbaren Informationsüberflutung warnen, werden bald verstummen: „Am Horizont zeichnet sich bereits ab, dass die Informationslawine allmählich gebändigt und strukturiert werden wird zu sinnvollen, verlässlichen und auf die Person maßgeschneiderte Wissenseinheiten. Das wird geschehen über die stärkere Verwendung von Metadaten, von intelligenten Agenten, von vertikalen Suchmaschinen, wo Fachleute Informationen gefiltert und kombiniert haben, von Gigaportalen für die verschiedensten Anwendungsbereiche, von aktiven Dokumenten, die von sich aus antworten geben können“, so Maurer. Bei der Wissensvernetzung und dem Wissensmanagement sei es erforderlicht, Wissen jederzeit und an jedem Ort verfügbar zu machen.

„Ich habe schon vor vielen Jahren den allgegenwärtigen Computer prognostiziert: nicht viel größer als eine Kreditkarte, weitaus mächtiger als die heutigen schnellsten Computer, mit hoher Übertragsgeschwindigkeit an weltweite Computernetze mit allen ihren Informationen und Diensten angehängt, in sich vereinigend die Eigenschaften eines Computers, eines Bildtelefons, eines Radio- und Fernsehgerätes, eines Video- und Fotoapparates, eines Global Positioning Systems, einsetzbar und unverzichtbar als Zahlungsmittel, notwendig als Führer in fremden Gegenden und Städten, unentbehrlich als Auskunfts- , Buchungs- und Kommunikationsgerät“, erläutert Maurer. Die allgegenwärtigen Computer werden stärker mit dem Menschen selbst verbunden. „Die Miniaturisierung von sehr mächtigen Computern wird so weit gehen, dass man sie in das Loch in einem Zahn wird einpflanzen können“, so Maurer weiter. Spezielle Brillen könnten Bilder direkt auf die Netzhaut projizieren und Ton direkt auf die Gehörknochen abgeben. Mit gigantischen Festplatten ließe sich das ganze Leben der Menschen aufzeichnen, diese seien gleichzeitig eng mit den Wissensbeständen anderer Menschen vernetzt. Jede Person erfahre dadurch eine unvorstellbare Erweiterung des eigenen Gehirns. Eine etwas zeitnaherer Prognose wagt Andreas Rebetzky, Director Global Information Technology des Technologieherstellers Bizerba http://www.bizerba.de: „In 20 bis 30 Jahren könnten beispielsweise vollständige Unternehmensinformationen auf winzigen Implantaten gespeichert werden. Sie könnten von unterschiedlichen Endgeräten ausgelesen werden, entweder von großen Touchscreens oder unterwegs per Sprachsteuerung über ein Armband mit Minidisplay.“

Das Internet der Zukunft werde nicht mehr als unspezifisches Empfehlungsmedium fungieren, sondern über virtuelle Assistenten Dinge erledigen, die uns von Alltagsproblemen befreit. meint Sprachdialogexperte Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de. In zehn Jahren werden dann die meisten Servicewünsche über Spracheingabe mit einem Satz erledigt: „‚SMS an Anne: Der Flug ist verspätet, ich komme erst um 21:00 Uhr an’ und die SMS wird sofort verschickt. ‚Reservier mir einen Platz für den nächsten Zug nach Berlin“ und die Backendsysteme des persönlichen Assistenten übernehmen die Online-Buchung und schicken eine SMS mit den Verbindungsdaten, dem reservierten Platz und einem Reservierungscode. ‚Ich brauche noch drei Liter Milch, drei Stück Butter und ein Kürbiskernbrot’ und der Einzelhändler an der Ecke stellt etwas zum Abholen zusammen oder liefert die Ware ins Haus. Beim persönlichen Assistenten stellt jeder selbst die Services zusammen, die er nutzen möchte. Für die Unternehmen wird es wichtig sein, sich auf diesen Trend einzustellen und eine Präsenz in der personalisierten Zusammenstellung der Dienste zu haben“, so der Ausblick von Pape.

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