(openPR) ERLANGEN – Die Entscheidung ist gefallen: In diesen Tagen beginnen an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (HNO) die Bauarbeiten für das Cochlea-Implantat-Centrum Erlangen.
Bei einer Cochlea-Implantation wird hörgeschädigten Patienten, die noch über einen intakten Hörnerv verfügen, eine kleine Prothese direkt in die Hörschnecke (Cochlea) eingesetzt, das Cochlea-Implantat (CI). Die von einem Mikrofon empfangenen Schallwellen werden an den Hörnerv weitergeleitet. Ein großer Teil aller Operierten sind Kinder im Baby- und Kleinkindalter, die hörgeschädigt zur Welt kommen. Dank eines möglichst frühzeitigen Cochlea-Implantats und einer umfassenden Nachsorge und Habilitation kann ihnen eine altersgerechte Sprach- und Allgemeinentwicklung ermöglicht werden.
Der Hörerfolg ist jedoch von einer umfassenden Nachsorge abhängig. Diese beginnt, wenn das CI vier Wochen nach der Operation erstmals aktiviert wird: Zum einen trainieren dann die Mitarbeiter des CI-Centrums das Hörverständnis mit dem Patienten und zum anderen passen sie die Technik des CI-Systems individuell an. Bisher fand diese insgesamt 60-tägige, teilweise stationäre Nachsorge dezentral statt. Ab 2009 kann sie im Erlanger Centrum gebündelt angeboten werden.
Mit dem CI-Centrum ist gewährleistet, dass Patienten am Standort Erlangen nach der CI-Implantation auch bei der Nachsorge ihre bereits bekannten Ansprechpartner finden, vom eigenen Operateur weiterbetreut werden können und die klinikeigene Audiologische Abteilung die optimale technische Einstellung des CIs vornehmen kann. Das Team aus Operateuren, Audiologen und Therapeuten arbeitet dabei Hand in Hand.
Das geplante CI-Centrum wird das vierte in Bayern und eines der größten in Deutschland sein. Mittelfristig wird es zu einem regionalen Hörzentrum erweitert werden. Wobei sein Einzugsgebiet weitaus größer ist als das „Medical Valley“ zwischen Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach: „Wir versorgen Patienten aus ganz Mittelfranken und auch aus dem oberfränkischen Raum“, erläutert Klinikdirektor Prof. Dr. Heinrich Iro. Der Medizinstandort Erlangen wird mit dieser Einrichtung um einen bedeutenden Baustein erweitert. „Die Entscheidung für das CI-Centrum war für uns ein konsequenter Schritt, um unsere Stellung als eine der größten Spezialkliniken unseres Fachs in Deutschland weiter auszubauen“, so Prof. Iro weiter.
Schon heute setzen die Chirurgen der HNO-Klinik Erlangen jährlich rund 50 Cochlea-Implantate ein. „Allerdings“, so ergänzt der Leiter der Audiologischen Abteilung und designierte Leiter des CI-Centrums Prof. Dr. Ulrich Hoppe, „fehlen bislang vor Ort die geeigneten Räumlichkeiten für die wichtige Nachsorge, für Untersuchungen, Tests und Trainings. Auch die komfortable und familienfreundliche Unterbringung der Patienten während der stationären und teilstationären Nachsorge-Phasen können wir im CI-Centrum endlich lösen. Schließlich sind die Patienten, zu denen vor allem Kinder mit ihren Eltern gehören, im Regelfall nicht bettlägerig. Sie benötigen für die teilweise mehrtägigen Aufenthalte also ein ansprechendes Umfeld, in dem sie sich wohl fühlen und bewegen können.“ In einem Gebäude in direkter Nachbarschaft zum jetzigen Kliniktrakt werden dafür zunächst rund 350 Quadratmeter umgebaut. Der Direktor der HNO-Klinik Erlangen geht davon aus, dass das CI-Centrum mit Beginn des neuen Jahres seinen Betrieb aufnehmen wird.
Während die Vorbereitungen für die rund 500.000 Euro teure Umbaumaßnahme auf vollen Touren laufen, hoffen Prof. Iro und Prof. Hoppe in diesen Tagen auf eine Einigung mit den Kostenträgern über entsprechende Rahmenverträge. Während die Kostenübernahme für die CI-Operation unstrittig ist, wissen die HNO-Ärzte noch nicht, ob auch die Nachsorge per Festbudget finanziert und damit für die Patienten die Beantragung erleichtert wird.
Da auch in den anderen Centren diese Nachsorge problemlos übernommen wird, rechnet auch das Uniklinikum Erlangen mit einer zügigen Einigung mit den Kassen. Schon jetzt füllen sich die Wartelisten der HNO-Klinik für das Einsetzen der Cochlea-Implantate weit über den Jahreswechsel hinaus. „Diesen Patienten wollen wir natürlich die optimale, integrierte Versorgung gewährleisten“, betont Prof. Iro.








