openPR Recherche & Suche
Presseinformation

"Schuldzuweisungen gegen Feuerwehr leider üblich"

25.07.200811:06 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: "Schuldzuweisungen gegen Feuerwehr leider üblich"
Kommunikationsexperte Lutz
Kommunikationsexperte Lutz

(openPR) Mittelhessen (malu) - In einem verheerenden Feuer sind am späten Dienstagabend in der Wetzlarer Innenstadt (Mittelhessen) mehrere Menschen verletzt und ein Junge getötet worden. Noch während die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte der Feuerwehr ihr Äußerstes gaben, um den Brand zu bekämpfen, wurden von Anwohnern und Zeugen Vorwürfe laut, die Feuerwehr habe zu lange gebraucht. Hierüber berichtete auch der Hessische Rundfunk.

"Das ist die unschöne, aber übliche Reaktion von Betroffenen auf solche Erlebnisse" erklärt der mittelhessische Kommunikationsexperte Martin Lutz. Der gelernte Journalist und studierte Kulturwissenschaftler setzt sich seit mehr als 15 Jahren mit der Kommunikation zwischen Gefahrenabwehrbehörden, Feuerwehren und Hilfsorganisationen einerseits und den Bürgerinnen und Bürgern andererseits auseinander. Zu diesem Themenbereich gilt Lutz als europäische Kapazität und berät hinsichtlich Risiko- und Krisenkommunikation neben Unternehmen auch freiwillige und Berufsfeuerwehren, Hilfsorganisationen und Behörden auf Ebene der Kommunen, der Länder und des Bundes.

"Es ist praktisch bei jedem Brandeinsatz der Fall, bei dem Menschen zu Schaden kommen oder größere Sachwerte zerstört werden, dass eine imaginäre Schuld auf einen anonymen Dritten projiziert wird. Und 'die Feuerwehr' als abstraktes Konstrukt bietet sich hierzu leider an. Menschen, die von einem solch tragischen Schicksalsschlag getroffen sind oder Zeuge eines derartigen Ereignisses werden, durchleben verschiedene Phasen, um mit dem erlebten umzugehen." So sei den Menschen, die diesen Vorwurf machen, dieses auch nicht zur Last zu legen, wenn gleich unstrittig ist, dass der Vorwurf an sich gegen eine Feuerwehr, die so gut ist wie die Wetzlarer, keine Substanz hat. Dass die Helfer regelmäßig beschuldigt werden, ist ein nicht zu lösendes Dilemma, das der Situation geschuldet sei. „Man könne lediglich die Helferinnen und Helfer darauf vorbereiten, um Eskalationen zu vermeiden.“ so Lutz

Warum diese Mechanismen so sind, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Es gibt hierzu drei Erklärungsmodelle, die die heftigen Irrationalen Vorwürfe, aber auch den Verlust von Raum- und Zeitgefühl führen, so Lutz.

Zum einen finden Menschen von heute den Kontakt mir Urgewallten - Feuer, Hochwasser, Unwetter, aber auch dem Tod - weitestgehend nicht mehr. Es ist etwas unbekanntes, unkontrollierbares, das weit außerhalb des Erkenntnis- und Erfahrungsschatz eines modernen Menschen liegt. Gegenüber solchen Gewalten kommt es zum Kontrollverlust, den wir so schnell wie möglich abzuschalten oder wenigstens zu rechtfertigen versuchen.

Zum zweiten ist die 'die Feuerwehr' ein anonymes Konstrukt, dem gegenüber Bürger eine große, gelegentlich extrem überzogene Erwartungshaltung haben. Der Kontakt zwischen Feuerwehr und Gesellschaft hat sich in den vergangenen Dekaden deutlich gelöst. Viele Bürger wissen daher nicht, dass eine ersteintreffende Feuerwehr vor allem anderen sorgfältig die Lage erkunden, eine Infrastruktur aufbauen und sich mit Eigenschutz ausstatten muss, um selbst nicht zu Schaden zu kommen. Das dauert, ein, zwei Minuten, aber kommt umherstehenden aufgrund des aktuellen Erlebens wie eine Ewigkeit vor. Zudem ist nach dieser Theorie die Wahrnehmung über die Feuerwehrangehörigen die einer anonymen Masse und nicht die einzelner Individuen. Denen würde man nämlich - Auge in Auge - nicht einen solchen Vorwurf machen.

Die dritte These ist, dass große Feuer verheerende Urgewalten sind, und wer davon in einer übermächtigen, nicht kontrollierbaren Form konfrontiert werde, bei dem schlagen automatisch tiefe archaischen Instinkte unserer Vorfahren durch: Die Angst vor ungezähmten Feuer, vor Urgewalten. "Dem kann sich auch kaum einer entziehen.".

Die Frage, warum derartige Vorwürfe z.B. bei Verkehrsunfällen weder in dieser Quantität, noch in der Qualität vorkommt, kann Lutz ebenfalls an den vorgenannten Beispielen beantworten: "Zum einen nehmen wir Verkehrsunfälle nicht als übermächtige Naturgewalt wahr, wir sehen ständig Crash-Tests im Fernsehen und Unfälle auf den Straßen. Das haben wir innerlich akzeptiert. Außerdem sind bei Verkehrsunfällen extrem schnell und für Außenstehende sehr sichtbar professionelle Helfer nach deren Eintreffen beim Patienten, die Rettung bei einem Verkehrsunfall ist eine hoch standardisierte Lage, die in der Regel blitzschnell an- und abgearbeitet wird. Zudem ist der Mechanismus Verkehrsunfall 'modern' und hat deutlich weniger archaische Züge und ist weniger instinktbehaftet."

Daher kommt es, dass solche Vorwürfe erklärbar sind, auch wenn ihnen die Substanz fehlt. Gut ausgebildete Feuerwehrleute sind auf solche Vorwürfe vorbereitet und verstehen die Mechanismen, die dahinter stecken. "Von diesem Wissen abgesehen verletzt ein solcher Vorwurf natürlich trotzdem jeden Rettungsprofi sehr, zumal wenn ein Kind ums Leben gekommen ist, obwohl man gerade sein äußerstes unter Einsatz des eigenen Lebens unternommen hat."

Wichtig, so Lutz, sei es bei solchen Szenarien frühzeitig aktiv mit viel Sachlichkeit und sehr empathisch auf die Öffentlichkeit zuzugehen und das Gespräch zu suchen. „Es ist meist schon in der ganz frühen Anlaufphase klar, was hinterher für Vorwürfe kommen.“ so Lutz. Viele Bürgermeister als "oberste Gefahrenabwehrer" und Spitzenkräfte der Feuerwehren sind für solche Situationen speziell ausgebildet und trainiert, um bei solchen Lagen in ihren öffentlichen Äußerungen klar und unmissverständlich auf den Punkt zu kommen. "Hier kommt es auf die trainierte Kommunikationskompetenz in Ausnahmesituationen an" so Lutz. Sanft genug, ohne durch Auftreten oder Wortwahl zu verletzen, entschlossen und durchsetzungsstark, um Bürgerinnen und Bürgern gegenüber keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass die Lage in Griff kommt. "Das ist sehr schwer, selbst mit den obersten Führungschargen von Werk- und Berufsfeuerwehren in meinem Klientenkreis muss ich das ein- bis zweimal pro Jahr üben, damit eine gut gemeinte, aber schlecht vorgetragene Äußerung die ohnehin schrecklichen Situationen nicht noch verschlimmert."

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 229420
 1976

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „"Schuldzuweisungen gegen Feuerwehr leider üblich"“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Das könnte Sie auch interessieren:

Rettungsschirme für Täter mit weißen Krägen - und die Opfer ..?
Rettungsschirme für Täter mit weißen Krägen - und die Opfer ..?
… Abweisung in der Gesellschaft, fehlenden Anlaufstellen der Zuwendung, verloren gegangener Menschlichkeit, Ethik und Moral, etc. sprechen. Weshalb aber kommen diese Einsichten und nutzlosen Schuldzuweisungen immer erst dann, wenn es längst zu spät ist und hinterlassen obendrein so oft den fahlen Beigeschmack aufgesetzter Falschheit? Warum haben Sie eine …
Bild: Die Freiwillige Feuerwehr Pforzheim bei KRAMSKIBild: Die Freiwillige Feuerwehr Pforzheim bei KRAMSKI
Die Freiwillige Feuerwehr Pforzheim bei KRAMSKI
Pforzheim – 11.02.2016. Jahreseinstandsbesuch der anderen Art: Anfang Februar war die Freiwillige Feuerwehr Pforzheim bei KRAMSKI zu Besuch und besichtigte im Rahmen einer Übung die Firma und deren Anlagen, damit im Ernstfall schnell Hilfe geleistet werden kann. Am 1. Februar fuhren sie bei der KRAMSKI GmbH vor – Glücklicherweise aber ohne Martinshorn …
PC-Feuerwehr schlägt Alarm: Dramatischer Anstieg von defekten Festplatten
PC-Feuerwehr schlägt Alarm: Dramatischer Anstieg von defekten Festplatten
Hamburg, 31. Mai 2005 - Aus Altersschwäche geben immer mehr Festplatten ihren Geist auf. Die PC-Feuerwehr meldet seit Anfang diesen Jahres einen dramatischen Anstieg von defekten Festplattenlaufwerken. Auffällig ist, dass jetzt die ca. vier bis fünf Jahre alten Server und PCs bei vielen kleinen Firmen an ihre mechanische "Altersgrenze" kommen. Diese …
Verbandsversammlung 2014 des KFV Rheingau
Verbandsversammlung 2014 des KFV Rheingau
Neuer Verbandsvorstand gewählt, zahlreiche Ehrungen Eltville am Rhein – Am 26. April 2014 fand im Feuerwehrstützpunkt Eltville am Rhein die diesjährige Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Rheingau statt. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden, der Feststellung der Beschlußfähigkeit und der Ehrung der verstorbenen Mitglieder waren die …
Der Countdown läuft: Deutschland wählt das Feuerwehrteam des Jahres
Der Countdown läuft: Deutschland wählt das Feuerwehrteam des Jahres
Ulm / Bremen, 29. Oktober 2012 - Der Countdown läuft: Die Entscheidung über das Feuerwehrteam des Jahres rückt immer näher. Mehr als 100 Feuerwehrteams aus ganz Deutschland haben sich mit ihren besten Einsätzen für den Conrad Dietrich Magirus Preis beworben. Eine prominent besetzte Fachjury hat am Mittwoch, 24. Oktober 2012, aus allen Einsendungen die …
Bild: Plädoyer für eine selbstbewusste VäterlichkeitBild: Plädoyer für eine selbstbewusste Väterlichkeit
Plädoyer für eine selbstbewusste Väterlichkeit
Bücher über Väter thematisieren entweder die Sorge- und Umgangsrechtsdiskriminierung von Trennungsvätern, oder sie ergehen sich in Tiraden von Schuldzuweisungen an Väter und lassen sich damit vom heute eher männerfeindlichen Zeitgeist mittragen. Aus der Vielzahl dieser Bücher sticht das neue Buch von Dr. Mathias Stiehler „Väterlos“ heraus, der eine eigenständige …
Bild: Notfallsanitäter-Ausbildung: Die Pläne der FeuerwehrBild: Notfallsanitäter-Ausbildung: Die Pläne der Feuerwehr
Notfallsanitäter-Ausbildung: Die Pläne der Feuerwehr
(10.10.2014) - Die Notfallsanitäter-Ausbildung stellt die Feuerwehr in Deutschland vor besondere Herausforderungen. Als einer der größten Leistungserbringer im Rettungsdienst wartet eine Mammut-Aufgabe vor allem auf viele Berufsfeuerwehren. Zu den zentralen Punkten, die die Feuerwehr im Zusammenhang mit der Notfallsanitäter-Ausbildung zu bewältigen …
Bild: Neubau Feuerwehr und Bauhof MetzingenBild: Neubau Feuerwehr und Bauhof Metzingen
Neubau Feuerwehr und Bauhof Metzingen
VerfahrensartNicht offener Planungswettbewerbe, RPW 2013.WettbewerbsaufgabeDurch den Neubau am Standort Braike/Wangen gewinnt die Feuerwehr völlig neue Möglichkeiten, ihre Ausrüstung einsatzgerecht unterzubringen, Übungen und Schulungen durchzuführen. Synergieeffekte ergeben sich durch die Zusammenfassung der bisher auf drei Standorte verteilten Ausrüstung …
Bild: Ein Stickeralbum für die Freiwillige Feuerwehr Gloggnitz Bild: Ein Stickeralbum für die Freiwillige Feuerwehr Gloggnitz
Ein Stickeralbum für die Freiwillige Feuerwehr Gloggnitz
Das einzigartige Stickeralbum der Freiwillige Feuerwehr Gloggnitz  ist ab dem 16. März 2024 beim Billa Miskovic OG in der Wiener Straße 66 erhältlichEin Sticker mit dem eigenen Abbild, die eigene Gemeinschaft in einem individuellen Sammelalbum verewigt: Was sonst nur für die “großen Stars“ des Sports gilt, wird für die Freiwillige Feuerwehr Gloggnitz …
Bild: Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken zu Recht abberufenBild: Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken zu Recht abberufen
Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken zu Recht abberufen
… zu bejahen, da aufgrund der Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen dem Wehrführer und der nachgeordneten Wehrführung infolge eines andauernden Konflikts mit gegenseitigen Schuldzuweisungen keine Grundlage mehr für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem Wehrführer bestehe. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Wehrführer werde von leitenden Vertretern …
Sie lesen gerade: "Schuldzuweisungen gegen Feuerwehr leider üblich"