openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Kampf gegen Doping greift zu stark in die Rechte der Sportler ein

02.07.200813:52 UhrSport

(openPR) Ein Jahr nach der Verschärfung des Kampfes gegen Doping im Sport zeigen sich in der Praxis erhebliche rechtliche Probleme. „Insbesondere die Meldepflichten für Sportler, die den strengen Testregeln unterliegen, bedeuten einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Athleten“, kritisiert Rechtsanwältin Stephanie Jansch von der Kanzlei FPS Fritze Paul Seelig in Berlin. „Grundsätzlich sind Abwesenheiten von mehr als 24 Stunden umgehend zu melden. Die darüber hinausgehende Pflicht, quartalsweise sämtliche Aufenthaltsorte im Voraus bekanntgeben zu müssen, tangiert massiv das Recht, selber bestimmen zu dürfen, inwieweit Teile des privaten Lebens anderen preisgegeben werden.“



Mit Einführung der „Missed Test Policy“ zum 1. Juli 2007 hat die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) die Meldepflicht für Sportler des Nationalen Testpools ausgeweitet. Dieser erfasst alle Sportler, die sich besonders häufigen Kontrollen unterziehen müssen. Dies können – je nach Sportart – Mitglieder der A-Nationalmannschaft, des Olympiateams oder sogar Sportler des C-Kaders sein. Ziel ist es, systematisch geplante unangemeldete Trainingskontrollen zu ermöglichen. Kommen die Sportler der Auflage nicht nach, alle feststehenden Termine, Aufenthaltsorte sowie die Rahmentrainingspläne für drei Monate als so genannte „Whereabouts“ anzugeben, riskieren sie eine öffentliche Verwarnung. Beim zweiten Verstoß droht eine Sperre von mindestens drei Monaten.

„Faktisch droht den Athleten damit im Fall eines Verstoßes gegen die Meldepflichten ein Berufsverbot“, kritisiert Jansch. „Sicher ist es zur Bekämpfung von Doping unumgänglich, dass alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. Ein solcher Eingriff in die Grundrechte geht jedoch viel zu weit. Die Sportler müssen bereits mit vielen Einschränkungen leben. So sind sie ständig auf der Suche nach dem nächsten Internet-Cafe, um einen Hotelaufenthalt wegen eines verpassten Fliegers oder eine spontane Übernachtung bei Freund oder Freundin melden zu können.“

Aktuell hat der Bundesrechtsausschuss des Bundes Deutscher Radfahrer eine solche Sperre aufgehoben. Sie war im Fall der Mountainbiker Lado und Manuel Fumic verhängt worden, die zwar über ihre Termine informiert, die Meldungen jedoch nicht wie vorgeschrieben über ein internetbasiertes System abgegeben hatten. Grund für die Aufhebung der Sperre war ein Formfehler, denn Sperre und öffentliche Verwarnung waren zeitgleich ausgesprochen worden. Über die Rechtmäßigkeit der Verwarnung wird derzeit noch entschieden.

Anwältin Jansch sieht durch die neuen Regelungen auch den Gleichheitssatz gefährdet. Denn in einzelnen Sportarten gehören sämtliche Profisportler zum Nationalen Testpool, in anderen hingegen nur diejenigen, die zum A-Kader oder zur Olympiamannschaft gehören. „Eine solche Ungleichbehandlung je nach Sportart ist nicht hinnehmbar“, mahnt die Sportrechtlerin. Insgesamt stehe die Beeinträchtigung der Rechte von Sportlern nicht im Verhältnis zu dem mit den Meldepflichten angestrebten Zweck. Denn letztlich dienten die „Whereabouts“ lediglich zur Abschreckung. Jansch: „Dem Sportler, der zu betrügen beabsichtigt, bleiben auch hier weiterhin genügend Manipulationsmöglichkeiten.“

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 223842
 1779

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Kampf gegen Doping greift zu stark in die Rechte der Sportler ein“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von FPS Fritze Paul Seelig, Rechtsanwälte

Bei Reisen bestimmt der Arbeitgeber den Kurs
Bei Reisen bestimmt der Arbeitgeber den Kurs
Der gepackte Koffer entwickelt sich für manchen Mitarbeiter zur Plage. Vor allem, wenn das so bei Antritt der Tätigkeit nicht abzusehen war. „Dienstreisen braucht sich niemand uneingeschränkt gefallen zu lassen“, betont Rechtsanwältin Christine Heymann von der Kanzlei FPS Fritze Paul Seelig in Düsseldorf, „ein Muss sind sie nur für jene, die sich im Arbeitsvertrag entsprechend verpflichtet haben.“ Allerdings: Lässt die Tätigkeitsbeschreibung auf eine Reisetätigkeit schließen, reicht das bereits völlig aus. Einer ausdrücklichen schriftlichen V…
Arbeitgeber müssen für langfristig erkrankte Mitarbeiter vorsorgen
Arbeitgeber müssen für langfristig erkrankte Mitarbeiter vorsorgen
Arbeitgeber mit langfristig erkrankten Mitarbeitern müssen neue Wege beschreiten. Konnten sie bisher darauf hoffen, dass der Urlaubsanspruch dieser Mitarbeiter verfällt, ist neuerdings Vorsorge gefordert. „Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, für langfristig erkrankte Mitarbeiter Rückstellungen zu bilden, um entstandene Urlaubsansprüche auszahlen zu können“, betont Rechtsanwältin Amelie Bernardi aus der Kanzlei FPS Fritze Paul Seelig in Frankfurt. Hintergrund ist die jüngste Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), wonac…

Das könnte Sie auch interessieren:

Mitgliederversammlung des Landessportbundes NRW in Bochum
Mitgliederversammlung des Landessportbundes NRW in Bochum
Das „Bündnis für den Sport“ lebt „Das Bündnis für den Sport hat sich hervorragend bewährt. Zusammen mit der Landesregierung konnten wir die Bedingungen der Sportlerinnen und Sportler in Nordrhein-Westfalen in vielen Bereichen optimieren. Dabei ist die Nutzung des Konjunkturpakets II als Beispiel einer ausgezeichnet funktionierenden Partnerschaft von …
Bild: Kampf gegen Doping: Wie effektiv wirkt das Sportrecht?Bild: Kampf gegen Doping: Wie effektiv wirkt das Sportrecht?
Kampf gegen Doping: Wie effektiv wirkt das Sportrecht?
Am Kampf gegen Doping scheiden sich die Geister: Die einen halten den Kampf für "verloren" und beklagen die fehlende juristische Handhabe; andere - etwa der Stuttgarter Sportrechtler Marius Breucker - sehen das Anti-Doping-Recht erst am Anfang und\n\nAuch über die Zuständigkeit wird diskutiert: Die einen sehen im Anti-Doping-Kampf eine Kernaufgabe des …
Die Kunden wollen Qualität - dafür stehen die neuseen classics und die Malberg EDV-Systemberatung GmbH
Die Kunden wollen Qualität - dafür stehen die neuseen classics und die Malberg EDV-Systemberatung GmbH
… etablieren! Wenn wir mit unserer Unterstützung als engagierte Leipziger Unternehmensbürger dazu beitragen können, freut uns das sehr!“ bestätigt Geschäftsführer Tom Wackernagel das Engagement. „Schließlich locken die neuseen classics jedes Jahr tausende Sportler und Besucher, die teilweise noch nie im Raum Leipzig zu Besuch waren, in unsere schöne Region.“
Bild: Happy Hour für DopingkontrolleureBild: Happy Hour für Dopingkontrolleure
Happy Hour für Dopingkontrolleure
… klingt nach Happy Hour, aber es ist eine massive Verschärfung der Meldepflicht, die zum Jahreswechsel im Doping-Kontrollsystem eingeführt wurde. Die ultimativ verlangte Verfügbarkeit der Sportler während einer Stunde pro Tag raubt ihnen und ihren Familien den letzten Rest spontaner Lebensführung. „Diese neue Regelung bedeutet einen erheblichen Eingriff in …
Bild: StellungnahmeBild: Stellungnahme
Stellungnahme
… Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Sie hatte zum 1. Januar 2009 den Welt-Anti-Doping-Code für alle Sportarten vereinheitlicht und damit auch die Informationspflicht für die Sportler ? die sogenannten Whereabouts?. Dabei waren die globalen Doping-Kontrolleure den beiden Fußball-Verbänden schon dahingehend entgegengekommen, dass die individuellen Meldepflichten der einzelnen …
Bild: Preisbock.de bietet zum Tour-Ruhetag Anti-EPO-Doping-KitBild: Preisbock.de bietet zum Tour-Ruhetag Anti-EPO-Doping-Kit
Preisbock.de bietet zum Tour-Ruhetag Anti-EPO-Doping-Kit
… bietet Preisbock.de ab heute das Anti-EPO-Doping-Kit an - eine kleine Ausrüstung für Radsport-Fans und Doping-Gegner. In einem kleinen Köfferchen sind wahre Wunderwaffen für Radsportler verborgen. Als Komponente sei da zum Beispiel der Flügel verleihende Aufbaudrink genannt. "Mit diesem Aufputscher überflügelst du die gesamte EPO-Clique", lautet das …
Doping liegt im System des Leistungssports begründet
Doping liegt im System des Leistungssports begründet
… Athleten besteht ein unmittelbarer Zusammenhang, so eine Studie der Universität Witten/Herdecke. „Je dichter die Leistungen der Topathleten zusammen liegen, desto eher neigen Sportler dazu auf Dopingmittel zurück zu greifen“, erklärt Frank Tolsdorf, der zusammen mit Alexander Dilger (Universität Münster) die Studie verantwortet. Die Studie bestätige …
Doping. Fluch der Rekorde
Doping. Fluch der Rekorde
… Verbesserung der Leistung. Oft wird in diesem Zusammenhang auch die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen. Meist finden dann strahlende Karrieren ein abruptes Ende und der Sportler wird an den Pranger gestellt. Dabei ist Doping ein gesellschaftliches Problem, welches nicht etwa die Folge eines bösartigen Charakters ist, sondern vielmehr rationales …
(Sport-)Strafrecht: Die Verteidigung gegen Dopingvorwürfe
(Sport-)Strafrecht: Die Verteidigung gegen Dopingvorwürfe
Sportwettkämpfe, v.a. die Großevents, begeistern ihr Publikum. Nicht nur sportlich, sondern wirtschaftlich treten hier global player gegeneinander an. Der Verdacht, Sportler, Funktionäre oder Sponsoren würden den jeweiligen Erfolg durch Doping befördern haben sich allzu oft bewahrheitet. Wie geht man aber als Sportler mit dem Vorwurf "Doping" um. Die …
Mythos Doping: Der Dopingexperte Matthias Heitmann entmystifiziert den Dopingbegriff
Mythos Doping: Der Dopingexperte Matthias Heitmann entmystifiziert den Dopingbegriff
… Der Zweck heiligt nicht alle Mittel, die aktuelle Doping-Verfolgung führt wie z.B. im Fall Claudia Pechstein zu massiven Eingriffen in die Grundrechte der Sportler, ist somit nicht verfassungskonform, ebenso die in Doping-Verfahren ausgesprochenen Berufsverbote, wie sie von dem Heidelberger Doping-Experten Werner Franke massiv gefordert werden. - Der …
Sie lesen gerade: Kampf gegen Doping greift zu stark in die Rechte der Sportler ein