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Die Krankheit der Familie M - Die ganz normale Öde in Rumänien

26.06.200818:27 UhrKunst & Kultur
Bild: Die Krankheit der Familie M - Die ganz normale Öde in Rumänien
Das Radu Afrim-Spektakel der „Krankheit der Familie M“ und das Nationaltheater von Timisoara, Rumänien, sind für den KulturPreis Europa nominiert worden.
Das Radu Afrim-Spektakel der „Krankheit der Familie M“ und das Nationaltheater von Timisoara, Rumänien, sind für den KulturPreis Europa nominiert worden.

(openPR) Radu Afrim gibt Fausto Paradino ein rumänisch-europäisches Gesicht

Der Italiener Autor Fausto Paravidino (geb. 1976 in Genua) schrieb “Die Krankheit der Familie M“, angesiedelt in einem Italien, dem er selbst entflohen ist, das der Tourist nicht kennt und wohl auch nicht mag:

Die Geschwister M, der demente Vater (ein hervorragender Ion Rizea), der sich nass macht und von Tochter Martha (Claudia Ieremia) gepflegt wird, die Tochter Maria (Malina Manovici), die zwischen Fulvio (Victor Manovici) und Fabrizio (Colin Buzoianu) und letztlich alleine hin und her pendelt, und der jüngere Bruder Giani (ein sehr sprechbegabter quirliger Theatereleve Eugen Jebeleanu), der sich irgendwie auf einen Unfall mit Todesfolge hinentwickelt, während sich alle aneinander vorbei bereden und das alles im deftigen Jargon der Straße, den jeder kennt und der die Theaterbesucher wohl nicht unbedingt zu ihrem akustischen Wohlbefinden inspirieren soll, wären da nicht Radu Afrim und das rumänische Staatstheater Timisoara.

Unter einer jungen, kreativen Leitung mit Maria-Adriana Hausvater als General-Direktorin, Ion Rizea ihrem Kooperator und Schauspieler, sowie einem soziokulturell emotional engagierten Regisseur Radu Afrim entstand hier ein neues Gesamtkunstwerk, ein Radu-Afrim-Spektakel:
Keine Landschaften endloser Weite, kein zielloser Highway mit altem Fiat am Rand, die ins italienische Nichts führen, einzig die Sprache der Straße ist erhalten geblieben. Das erwartet der Kenner von Afrim-Inszenierungen, und auch hier wird er nicht enttäuscht.
Es gibt keinen ausweglosen Tod, keinen nutzlosen Untergang , das Negative wird umgekehrt in eine neue theatralische zumindest positive Realität geformt.

Wie gut passt hierbei das Ambiente eines ehemaligen Militärgebäudes, „ausgebaut“ in ein „Set“ von Velica Panduru für das Spektakel, eine Hülle aus ruinösem Bau und leuchtend rotem Holzschliff-Boden, daraus karges Gestrüpp sprießt, aus dessen „Lichtungen“ weitere Spielorte erwachsen.
Hier lässt der Regisseur eine scheinbar typisch rumänische „Familienkrankheit“ ablaufen, begeistert aufgenommen von einem Kultur hungrigen und intellektuell jungen rumänischen Publikum, das die Sprache, in die Alice Georgescu übertragen, kennt, versteht und wohl auch um die Alltagsprobleme weiß, also nichts besonderes, oder doch?

Da faszinieren die dreidimensionalen Bilder, die Radu Afrim, der auch ein ausgezeichneter Fotograf ist, entwickelt. Öde, Langeweile, Dialoge, die ständig aneinander vorbeigehen, sind eingebettet in den farbigen Raum und das Gefühl, es entstehen ständig neue, lebende Bilder. Hier werden Alltag, Gosse und die darin Herumvegetieren zu einem wunderbaren Radu-Afrim-Gesamtkunstwerk aus Farbe, Form, Aktion und Geräuschen; der Schmutz hat eine Farbe, die Langeweile einen Namen, ein kunstvolles Puzzle direkter Hinwendung von Regisseur, Szenerie und Akteuren zur gesellschaftlichen Realität und zum Alltag, um daraus eine neue Schönheit zu erschaffen. Nicht umsonst endet die Afrim-Version nicht mit Tod und Chaos. Hier steigt die Action der Straße wie ein Phoenix aus der Asche auf zu einem farbenprächtigen, emotionalen Bild, das Afrim in vielen seiner Stücken in Szene setzt und anschließend eben auch wie immer fotografisch festhält.

Das weckt die Erinnerung an Pier Paolo Pasolini, der sich stets dem Milieu der römischen Vorstädte verbunden fühlte und für dessen kleine Diebe, Strichjungen und Mörder er Sympathie empfand. Das Ringen um Beziehungen zu möglichst ungeschlachten, unverbildeten Jungen wurde ihm bei der umgebenden allgemeinen Ächtung der Homosexualität gleichermaßen zu Lust und Qual.

Und auch hier liegt Jahre später in Rumänien die Wirklichkeit. Während Pasolino dem damaligen Italien in unerhört realistischer, radikaler Sprache die Verlogenheit der italienischen Nachkriegsgesellschaft entblößte und seinen Vorstadthelden ein Denkmal setzte, bleibt Afrim allgemeiner, multinationaler und erweist einer sich mehr und mehr ausweitenden sozial ausgegrenzten Schicht die Hommage. Wie Pasolini setzt sich Radu Afrim mit den unmöglichen Möglichkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen auseinander. Doch seine „wohlproportionierten“ Helden gehören ihm, gehören seinen Bildern. Er schenkt sie uns, wir dürfen sie anschauen. Damit kommt er im Westen (Frankreich, Luxemburg) bestens an.

Werden Pasolinis Sujets, die technische Ausführung, der Einsatz von Laiendarstellern aus dem dargestellten Milieu als bedeutender Beitrag zum italienischen Neorealismus beschrieben, so liefert Afrim farbige Szenen gesellschaftlicher Missstände, die so fast überall im Europa einer immer mehr globalisierten Welt existieren, mit dem der junge rumänische „Theatermacher“ höchst eigenständig aufwartet. Er erschafft mit seinen szenischen Bildern wundervoll süß-saure Märchen. Und damit entlarvt Afrim die verlogene, vom Klerus der orthodoxen Kirche dominierte rumänische Gesellschaft und legt seinen Finger auf gesellschaftliche Wunden restfaschistoider Strukturen.

Das Radu Afrim-Spektakel der „Krankheit der Familie M“ und das Nationaltheater von Timisoara, Rumänien, sind für den KulturPreis Europa nominiert worden.


Weitere Informationen: http://www.tntimisoara.com/video.html
Szenenfotos: Radu Afrim: boala familiei m

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