(openPR) 180.000 Baugenehmigungen in 2003 – Niedrigstes Niveau seit Bestehen der BRD – LBS: Politik muss gegensteuern – Wohneigentumsnachfrage an sich da
12.12.2002
Berlin – Die Wohnungsbautätigkeit in Westdeutschland sinkt nach einer Prognose der Landesbausparkassen (LBS) im nächsten Jahr auf das niedrigste Niveau seit Bestehen der Bundesrepublik. Mit rund 180.000 Baugenehmigungen wird der tatsächliche Bedarf an Wohnraum so deutlich unterschritten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Knappheit auf den Wohnungsmärkten in Form von steigenden Mieten und Preisen zu spüren ist. Vor Journalisten in Berlin appellierte deshalb Verbandsdirektor Dr. Hartwig Hamm an die Politik, die Signale ernst zu nehmen und alles zu tun, um die Talfahrt des Wohnungsbaus zu stoppen.
Der tatsächliche Neubaubedarf in Deutschland liegt nach Meinung der meisten Experten in diesem Jahrzehnt immer noch in der Größenordnung von jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen. Denn die Zahl der Haushalte steigt nach offiziellen Schätzungen mindestens bis 2015 weiter an. Allein in den beiden letzten Jahren wurden in der Bundesrepublik 660.000 zusätzliche neue Haushalte gegründet. Gleichzeitig verschwinden jedes Jahr fast 100.000 Wohnungen vom Markt, und zwar durch Abriss, Zusammenlegung oder Umwidmung. In diesem Jahr dürften laut LBS-Prognose in ganz Deutschland nur noch 261.000 (West: 219.000; Ost: 42.000) Wohneinheiten neu genehmigt werden, 10 Prozent weniger als 2001. Für 2003 befürchten die Immobilien-Experten der Landesbausparkassen einen verstärkten Rückgang um 18 Prozent auf dann rund 215.000 (West: 180.000; Ost: 35.000) Baugenehmigungen. Dass derzeit nur in wenigen Großstädten und Ballungsräumen Wohnungsengpässe zu spüren sind, hat nach Hamms Worten nur einen Grund: Die wirtschaftliche Entwicklung bremst die Nachfrage nach Wohnraum. Sobald die Einkommen privater Haushalte wieder steigen, werde die Nachfrage nach Wohnraum aber wieder spürbar anziehen. Auch heute sei die Nachfrage insbesondere nach Wohneigentum im Prinzip vorhanden, was Marktuntersuchungen der Landesbausparkassen eindeutig bestätigten. Woran es noch fehlt, ist, dass die Menschen wieder mehr Zutrauen in ihre wirtschaftlichen Perspektiven bekommen. Der LBS-Verbandsdirektor warf der Regierung vor, mit den geplanten Kürzungen bei der Wohneigentumsförderung den inzwischen bedrohlichen Abschwung der Bautätigkeit prozyklisch zu verstärken. Die Politik mache damit zur Zeit den selben Fehler wie Mitte der 80er Jahre, als der Wohnungsbau in Westdeutschland viel zu stark einbrach, nachdem man auch damals in der Phase eines scheinbar entspannten Wohnungsmarktes das Thema Neubau für erledigt erklärt hatte. Die Folge war nicht nur eine jahrelange Wohnungsnotdebatte, sondern auch der Rücktritt des damaligen Bundesbauministers.Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sinkt nach LBS-Angaben inzwischen im siebten Jahr in Folge. Vom Rückgang der Bautätigkeit sind alle Bereiche betroffen. Überproportional schrumpft erneut der Geschosswohnungsbau; aber auch der Bau von Eigenheimen (Ein- und Zweifamilienhäuser) ist bereits seit drei Jahren vom Abwärtstrend erfasst. Insgesamt dürfte das Fertigstellungsergebnis im nächsten Jahr noch einmal um 10 Prozent auf dann 250.000 (West: 210.000; Ost: 40.000) Wohneinheiten absinken. Der weitaus überwiegende Teil der Bautätigkeit entfällt auf Ein- und Zweifamilienhäuser. In ganz Deutschland werden in diesem Jahr nach LBS-Schätzung rund 165.000 Objekte (West: 135.000; Ost: 30.000) fertiggestellt. Im nächsten Jahr dürfte die Zahl auf 156.000 (West: 128; Ost: 28.000 ) sinken.Der Bau von Wohnungen auf der Etage schwindet dagegen zu einer Restgröße. Alles in allem entstehen in diesem Jahr nur noch 78.000 Einheiten in Mehrfamilienhäusern (West: 70.000; Ost: 8.000). Für 2003 sagen die LBS-Experten einen weiteren Rückgang in diesem Segment auf dann 66.000 (West: 60.000; Ost: 6.000) Wohnungen voraus. Anders als bis Mitte der 90-er Jahre ist im Geschosswohnungsbau das Engagement der Kapitalanleger, die Wohnungen für Vermietungszwecke suchten, weitgehend verloren gegangen. Vielmehr dominieren inzwischen auch in diesem Segment die Selbstnutzer. Rund 70 Prozent des gesamten Wohnungsneubaus in Deutschland werden somit bereits von der Nachfrage nach selbstgenutztem Wohneigentum getragen. Und dieser Bereich ist nach Einschätzung der Immobilienexperten auch in Zukunft derjenige, der von jungen, wohnungssuchenden Familien benötigt wird. Eine stabile Neubautätigkeit bei Eigenheimen und Eigentumswohnungen ist damit nach Auffassung der LBS entscheidend für ein ausreichendes Angebot an Wohnraum in Deutschland.







