(openPR) Vor kurzem haben wir die vierhunderste lokale Lokalvermittlung von Aktivpatenschaften auf unserer Online-Datenbank aktivpatenschaften.de eingetragen. Das unterstreicht das rasante Wachstum dieses anspruchsvollen Ehrenamtes. Es war noch vor wenigen Jahren in Deutschland vollkommen unbekannt . Die populärsten Varianten sind Kinderpatenschaften (Leih- oder Patenomas, grosse(r) Freund(in) etc.) und die Jobpatenschaften (Unterstützung eines Jugendlichen beim Hauptschulabschluss und bei der Jobsuche). Die restlichen verteilen sich zu gleichen Teilen auf Familien- und Lernpatenschaften. Die Ehrenamtlichen engagieren sich längerfristig für einige Stunden pro Woche. Für sie ist es wichtig, eine genau definierte Aufgabe im Sozialsektor zu übernehmen, für die sie allein verantwortlich sind und deren Resultate sie glauben können.
Das wachsende Interesse an Aktivpatenschaften hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Medien immer häufiger über traurige Sozialfälle berichten und den berechtigten Eindruck erwecken, dass der Staat mit den sozialen Problemen allein nicht mehr fertig wird. Zuviele Eltern haben nicht die Zeit und/oder die Vorbildung sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern, zumal von ihnen heute mehr im Elternberuf verlangt wird als früher (deswegen gibt es auch Familienpatenschaften). Die von den Aktivpaten gespendete Zeit ist nur ein sehr kleiner Betrag zur Lösung des Problems, aber er ist besonders effizient und symbolträchtig für das Bürgerengagement der Zukunft. Ohne dieses Engagement läuft unsere Demokratie Gefahr, von Populisten und Angstmachern gekapert zu werden.
Laut Befragungen nach den letzten Landtagswahlen gehöhrt das fehlende Bildungsniveau der Kinder zu den wichtigsten Sorgen der Bundesbürger. Der Mangel an Bildung beschränkt sich nicht nur auf den von PISA untersuchten Bereich. Das Defizit reicht von der altmodischen Herzenbildung bis zu moderneren Varianten wie psychologische und politische Bildung. Es betrifft kurz all das, was man heute Lebenskompetenz nennt. Dabei geht es nicht um Belehrungen sondern um Vorleben und Zuhören. Die meisten Kinder und Jugendlichen, um die sich Aktivpaten kümmern, sind zu viel allein. Ihre engsten Freunde sind Komputerspiele oder weniger empfehlenswerte Freunde von der Strasse. Sie entwickeln nicht genug Vertrauen in sich selbst und in andere. Wenn sie etwas älter werden, wird daraus ein Mangel an Kommunikationsvermögen, Urteilsvermögen, Motivation und Entscheidungsfähigkeit. Und als Erwachsene fällt es ihnen schwer, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.
Die meisten Aktivpaten engagieren sich nicht, weil sie die Gesellschaft retten wollen. Sie möchten nur ganz bescheiden einem jungen Menschen im Hier und Heute helfen, sich auf ein paar schöne Stunden jede Woche freuen zu können und seine Neugierde und seine Zuversicht in die Zukunft zu stärken. Wir alle erinnern uns an Personen aus unserer Kinderheit, die wir besonders gern mochten obwohl wir sie gar nicht oft sahen. Sie haben für uns Referenzpunkte gesetzt, die uns noch heute gegenwärtig sind.
Dass sich die Aktivpaten und –patinnen mit ihrem Einsatz auch für die gesamte Gesellschaft nützlich machen, könnte man ihnen von gehobener Stelle aus ruhig auch mal sagen.









