(openPR) Lauterbach/Bregana, den 7. Mai 2008
Jasminka Mujanic an Wolfgang Bastian, Priester der orthodoxen katholischen Gemeinde Lauterbach/Deutschland und Bregana/Kroatien
Frage an Bastian:
Vor kurzem haben zwei Deutsche auf einem Parkplatz im Raum Zürich eine Selbsttötung vorgenommen. Geholfen hat ihnen dabei der Sterbehilfeverein „Dignitas“. Was halten Sie von dieser organisierten Selbsttötung? Ist das menschenwürdig?
Antwort von Wolfgang Bastian:
Wenn es um die Frage eines menschenwürdigen Sterbens geht, gibt es keine einfachen Lösungen und Patentrezepte. Im Interesse der schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen muss eine Diskussion geführt werden, die sich um eine ethische Grundorientierung und um Konsens bemüht. Dabei spielen die widersprüchlichen Erwartungshaltungen gegenüber der Medizin eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite werden auf die Entwicklung der Medizin geradezu messianische Hoffnungen gesetzt, wie sich anhand der Transplantationsmedizin oder der genetischen Medizin feststellen lässt. Auf der anderen Seite wird in der Sterbe-Debatte die Angst sichtbar, der todkranke Mensch sei der Medizin als Objekt völlig ausgeliefert. Zunehmend an Gewicht gewonnen hat – zu Recht – auch der Grundsatz der Autonomie: Der Selbstbestimmung, aber auch der Selbstverantwortung wird heute sozial und rechtlich eine grosse Bedeutung beigemessen.
Ich lehne eine Ideologie ab, die menschliches Leben nach seiner Leistungsfähigkeit und seiner (ökonomischen) Nützlichkeit beurteilt. Der Wert, die Würde und die Unantastbarkeit eines jeden Menschen, gerade auch des kranken, verletzten und behinderten Menschen, ist zu betonen. Lebensqualität kann der Mensch nicht bloss als aktives, sondern auch als leidendes Wesen erfahren. Dabei will ich nicht bestreiten, dass das Leiden von Menschen mitunter unerträgliche Ausmasse annehmen und kaum gelindert werden kann. Dennoch sind Krankheit, Sterben und Tod Teil des ganzen menschlichen Lebens. Dies ist eine Herausforderung und Verpflichtung, Leiden - dort, wo es möglich ist - zu verhindern oder zu lindern sowie den Betroffenen beizustehen und sie zu begleiten.
Die aktive Sterbehilfe aber lehne ich grundsätzlich ab, weil sie das Sterben in den Bereich der Machbarkeit rückt und dadurch der gesellschaftlichen Tendenz zur Unterscheidung von wertem und unwertem Leben Vorschub leistet. Eine solche Unterscheidung kann letztendlich in ihrer Konsequenz nur zur Entsolidarisierung führen, weil der gesellschaftliche Druck auf unheilbar Kranke, Behinderte und alte Menschen wächst. Aus denselben Gründen lehne ich auch die Beihilfe zur Selbsttöttung.
Der Verzicht auf lebensverlängernde Massnahmen, die passive Sterbehilfe, ist jedoch unter bestimmten Bedingungen sinnvoll und notwendig. Immer mehr Menschen bekunden mit einer Patientenverfügung ihren Willen, bei aussichtsloser Prognose oder im Endstadium einer Krankheit auf alle lebensverlängernden Massnahmen zu verzichten. Gleichzeitig halten sie darin den Wunsch fest, dass nach den Regeln der palliativen Medizin, Pflege und Begleitung alles unternommen werden soll, um belastende Symptome wie Schmerzen oder Atemnot zu lindern. Für die Förderung der palliativen Medizin setze auch ich mich sehr stark ein. Die palliative Medizin ist aus meiner Sicht die geeignetste Methode, um schwer- oder todkranken Menschen ihr Leben und Sterben auf eine menschenwürdige Weise erträglich zu machen. Leider zögern deutsche Ärzte immer noch, die Schmerzmittel einzusetzen, die notwendig sind, um ein würdevolles, schmerzfreies Sterben zu lassen. Die Mittel sind da!











