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Uraufführung der Opernskulptur "Dorle" im Grenzwachturm Schlesischer Busch

29.04.200810:33 UhrKunst & Kultur
Bild: Uraufführung der Opernskulptur "Dorle" im Grenzwachturm Schlesischer Busch
Opernskulptur
Opernskulptur "Dorle", Probenfoto, copyright: Christine Berndt

(openPR) Für den ehemaligen Grenzwachturm im Schlesischen Busch in Berlin Treptow-Köpenick hat die Künstlerin Christine Berndt die Opernskulptur „Dorle“ entwickelt. Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Helmut Oehring und der Sängerin Natalia Pschenitschnikowa entstand, inszeniert DDR-Geschichte als Verbindung von Dokumentation, zeitgenössischer Musik und architektonischer Intervention. Ausgangspunkt ist der Grenzwachturm als Relikt und architektonisches Zeugnis des DDR-Regimes; er bildet den Rahmen für die Biografie von „Dorle“, einer Frau, deren Familiengeschichte auf paradigmatische Weise deutsche Geschichte erzählt.



Die multimediale Ausstellung nimmt auf drei Ebenen Bezug auf „Dorles“ Leben und folgt damit der vorgegebenen vertikalen Architektur des Wachturms: Im ersten Geschoss verweist die Videoinstallation „Propaganda“ mit Ausschnitten aus der deutschen Wochenschau im Zeitraum 1942 bis 1945 auf den Zweiten Weltkrieg, den „Dorles“ Vater als Wehrmachtsgeneral vor Stalingrad erlebte und der die Folie von „Dorles“ Familiengeschichte bildet. Obwohl diese Jahre vom Krieg geprägt sind, beschränkt sich die Auswahl auf alltägliche und scheinbar periphere Ereignisse, die durch ihre propagandistische Inszenierung ebenso in das kollektive (Unter-)Bewusstsein eingegangen sind wie die repräsentativen Kriegsbilder jener Zeit. – Im zweiten, fensterlosen Geschoss des Wachturmes umfängt ein umlaufendes Textband den Besucher. Es handelt sich um Auszüge aus „Dorles“ Tagebuch, die von „Dorles“ gescheiterter Republikflucht, ihrer anschließenden Gefängnishaft und schließlich ihrer Tätigkeit als „Inoffzielle Mitarbeiterin“ der Staatssicherheit berichten. Der Besucher wird in die quälende Selbstbefragung einbezogen, die „Dorle“ nach dem Ende der DDR und bis zu ihrem Tod mit zunehmender Intensität beansprucht. – Die so genannte Freiwache im obersten Geschoss wird erfüllt vom Monogesang der „Dorle“. Das 20-minütige Libretto (Komposition: Helmut Oehring) variiert Sentenzen aus den Tagebüchern. Durch den Gesang (Natalia Pschenitschnikowa) wird „Dorles“ Konflikt aktualisiert und gegenwärtig; er ist das unmittelbarste Element der dreiteiligen Installation.

Die Komposition wird zur Eröffnung einmalig live aufgeführt. Am Abend des 6. Mai 2008 wird der Wachturm zum geschlossenen Gehäuse, das die Sängerin und Instrumentalistin, stellvertretend für „Dorle“, umschließt. Vier Überwachungskameras zeichnen das Geschehen im Inneren auf und übertragen die Aktion der Solistin auf die Außenhaut des Gebäudes, während Instrument und Stimme über Mikrofon und Verstärker in den Außenraum getragen werden. Unter dem Licht der Projektoren und der nach außen dringenden Instrumental- und Gesangsstimme „lösen“ sich die Außenwände des Wachturms auf; der wehrhafte Turm erlebt eine temporäre Wandlung in eine transparente Skulptur. Erst nach der Aufführung erhält der Besucher die Möglichkeit, in die Stille des Turmes mit seinen stummen Projektionen auf der ersten und zweiten Ebene einzutauchen. In der anschließenden vierwöchigen Ausstellung wird der Live-Mitschnitt der Uraufführung in Form einer Magnetbandaufzeichnung zu hören sein.

Schicksale und Biografien von Menschen stehen im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses von Christine Berndt. Ihre Arbeiten, die sich oft dokumentarischer Mittel bedienen, eröffnen einen Zugang zu den porträtierten Personen, der die Balance hält zwischen einfühlender Annäherung und kritischer Distanz. Auch der Geschichte von „Dorle“, die auf wahren Begebenheiten beruht und die von existentiellen Brüchen und Schicksalsschlägen, von der Zerrissenheit zwischen Mittun und Aushalten geprägt ist, nähert sich Christine Berndt mit künstlerischen Mitteln.

An der Schnittstelle zwischen Architektur, Musik, Performance und Dokumentation ist die Opernskulptur „Dorle“ eine experimentelle Annäherung an eine Biografie im Spannungsfeld zwischen individuellem Schicksal und kollektiver Geschichte. Die Fragen, die sie aufwirft, leisten einen Beitrag zur aktuellen Debatte um die DDR und deren Aufarbeitung. Auf Verlangen und zum Schutz der Angehörigen bleibt „Dorles“ wahrer Name ungenannt, der Kern der Inszenierung – die öffentliche Inszenierung eines inneren Konflikts – wird davon nicht tangiert. Als temporäre Intervention im öffentlichen Raum wendet sich die Opernskulptur „Dorle“ auch gegen die fortwährende Tabuisierung insbesondere persönlicher Verstrickungen in Unrecht während der jüngeren deutschen Vergangenheit.

Ein Projekt des Kunstfabrik am Flutgraben e.V. im Rahmen der Letzten Überprüfung im Grenzwachturm Schlesischer Busch, mit freundlicher Unterstützung durch Kunstfonds Bonn, Köstritzer Schwarzbierbrauerei, Hypo-Kulturstiftung München und Kulturamt Treptow-Köpenick.

www.kunstfabrik.org
www.christine-berndt.de
www.helmutoehring.de
www.natalia-pschenitschnikowa.de

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