(openPR) von Susanne Birck
Die Nordischen Filmtage Lübeck (NFL) feiern in diesem Jahr ein Jubelfest: Das Filmfestival, das sich auf die Filme aus dem Norden spezialisiert hat, begeht vom 29. Oktober bis 2. November 2008 seinen 50. Geburtstag.
Kein Wunder also, dass die Führungsriege der Filmtage sechs Monate vor dem Fest zu einer Pressekonferenz einlädt, um Großes anzukündigen - gerade noch rechtzeitig vor der ersten Veranstaltung in einer Reihe von Sonderveranstaltungen anlässlich des goldenen Jubiläums.
Nach kurzen formellen Einführungsworten von Senatorin Annette Borns präsentierte die neue Intendantin der Filmtage Christine Berg die teilweise schon umgesetzten Besonderheiten der 50. Filmtage: Zunächst erläutert sie das neue Erscheinungsbild der Nordischen Filmtage, d. h. ein neues Logo und eine andere farbliche Gestaltung, die sich in Zukunft auf allen Publikationen der NFL finden sollen. Nähere Erläuterungen dazu blieben jedoch aus. Frau Bergs Dank an die Agentur Grafix für die gute Gestaltung „im Schnelldurchgang“ legt allerdings die Vermutung nahe, dass dahinter eher ein Schnellschuss denn ein durchdachtes Konzept steht. Mag man über den Entwurf je nach Geschmack urteilen – das bisherige Design erfreute sich einer breiten Anerkennung mit hohem Wiedererkennungswert, das sich das neue Design nun erst einmal erarbeiten muss.
Doch was das Publikum über ein gutes Filmprogramm hinaus wirklich interessiert, ist in diesem Jahr das Sonderprogramm zum Jubiläum. Frau Berg kündigte vier Highlights an, die bereits im Sommer dieses Jahres auf das Fest einstimmen sollen, zwei davon sind immerhin auch was fürs feierwillige Lübecker Publikum: Erstens die Skandinavische Filmreihe im Filmhaus Königstraße. Einmal im Monat wird ein skandinavischer Film gezeigt, unterstützt und ausgewählt von Lübecker Unternehmen. Der Start dieser Reihe ist bereits am 29. April mit MIFUNE (DK 1999). Als zweites Highlight wird es am 12. Juli am Krähenteich eine Open-Air-Filmnacht (Überraschungsfilm) mit Volksfest-Charakter geben. Alle LübeckerInnen sind eingeladen, der Eintritt ist frei. Man wolle sich mit dieser Veranstaltung bei den treuen Lübecker Kinobesuchern bedanken – eine wirklich sehr schöne Idee, es mit solch einem großen Fest in der und für die Stadt zu begehen.
Neben diesen beiden Sommeraktionen erläuterte die Intendantin noch zwei weitere Aktionen der NFL. Passend zum Schwerpunktland des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals werde es in den Media Docks eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Filmbranche zum Thema „Deutsch-Russische Koproduktionen“ geben. Das vierte Sommer-Highlight betrifft ausschließlich das Team der NFL, das im September zu den Nordischen Botschaften nach Berlin reisen wird, um zum einen die Filmtage dort zu präsentieren, zum anderen den Austausch mit den Schirmherren der Filmtage zu intensivieren. Frau Bergs Aussage „wenn sie nicht zu uns kommen, fahren wir eben zu ihnen“ erscheint allerdings ein wenig merkwürdig angesichts der Tatsache, dass in jedem Jahr Vertreter der Nordischen Botschaften die Filmtage besuchen. Ein enthusiastischer Hinweis auf die besondere Schönheit des Gebäudes der Nordischen Botschaften wirkte in dem Zusammenhang zudem reichlich deplatziert, wollte man doch auf die Bedeutsamkeit des Dialogs hinweisen und nicht auf die Reize einer Reise nach Berlin.
Die Künstlerische Leiterin Linde Fröhlich versprach wie in jedem Jahr ein aktuelles Festival mit Spielfilmen, Dokumentationen und Kinderfilmen. Die von ihr genannten Schwerpunkte der Filmauswahl sind nichts Neues, aber aufgrund des Jubiläums kann man gespannt auf die Bestückung der bewährten Kategorien sein. In diesem Jahr soll es eine ausgeweitete, persönlich geprägte Retrospektive geben. Aus Film-Vorschlägen von Rolf Hiller (der als Vorsitzender des Lübecker Filmclubs 1956 dieses Festival begründete – und den zu ehren es höchste Zeit wird!), Liv Ullman, Søren Kragh-Jacobsen und anderen werde „eine bunte Schau zusammenkommen“. Selma Lagerlöf hätte in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag gefeiert, was einen weiteren Schwerpunkt der Filmtage ausmachen werde.
Namentlich wurde nur ein Film angekündigt: „Arn“ (Regie: Peter Flinth), die größte schwedische Super-Produktion mit sensationellen Zuschauerrekorden in Schweden und Norwegen. Ein kleine Ausführung dazu wäre für die Liebhaber des skandinavischen Kinos, die sehnsüchtig auf das deutsche Screening warten, nicht uninteressant gewesen. Für den außer-skandinavischen Markt ist eine kombinierte gekürzte Fassung aus zwei abendfüllenden Kinofilmen vorgesehen. Welche Version wird das Lübecker Publikum zu sehen bekommen? Die gekürzte Version oder beide vollständigen Teile? Wünschenswert wäre doch Letzteres. Darüber hinaus kündigte Frau Fröhlich leider keine Besonderheiten des Programms an. Zumindest hinsichtlich der filmischen Highlights, die hoffentlich das Herzstück des Jubeljahres ausmachen werden, wurde diese Pressekonferenz daher zu früh anberaumt.
Die PressevertreterInnen zeigten sich insgesamt offensichtlich nur mäßig beeindruckt und hinterfragten ausgesprochen wenig. Fragen etwa nach einer eventuellen Erhöhung des Gesamtbudgets oder der Planung für die Eröffnungsveranstaltung wurden allerdings auch nur spärlich beantwortet. Frau Bergs selbstlobende Schlussworte „Sind keine Fragen mehr? Haben wir alles so ausführlich erzählt? Das ist ja großartig.“ verhallten unerwidert im vollen Saal. Aber genießen wir erst einmal die Film-Appetithäppchen dieses Sommers. Das cineastische Festmahl kommt dann ja im November. Hoffentlich.













