(openPR) Da war sie dann wieder! Die Hanseart in den Mediadocks. Es ist wirklich ein Phänomen: Es kamen viele Künstler und eine stattliche Anzahl von Besuchern und am Ende hat die Ausstellung wieder grosse Verwirrung gestiftet um die Frage, was denn Kunst sei. Positiv zu vermerken ist, dass der Veranstalter Thomas Roth die Anzahl der Künstler auf 50 reduziert hat. Die Menschen und die Kunstwerke hatten diesmal deutlich mehr Raum. Als Stellwände wurden aber leider wieder diese schrecklichen "Messe-Plastikdinger mit Alurahmen" verwendet.
Nun aber zurück zur Frage: Was ist Kunst? Und das muss hier ja geklärt werden, denn die Kunst steckt ja schon im Namen "HanseArt", oder ist hier vielmehr das Adjektiv "eigenartig" gemeint? Aber nun im Ernst. Kann eine Kunst-Messe ohne Kriterien auskommen, die maßgeblich dafür sind wer auf der Messe ausstellen darf und wer nicht? Mir scheint sich hier ein "anything goes" ausgebreitet zu haben. Ist das nicht das Ende des Kunstbegriffes, die totale Beliebigkeit? Die HanseArt lebt nicht von öffentlichen Geldern, sondern ist eine Privatinitiative. Die Einnahmen müssen selbst erwirtschaftet werden. Das ist legitim, aber das spricht nicht dagegen, dass über die Wirtschaftlichkeit hinaus die HanseArt auch eine professionelle Jury aufweist, die den Ehrgeiz und die Kompetenz hat, nur die beste Kunst zeigen zu wollen. Damit die HanseArt 2009 in Lübeck in der Zukunft von der Kunstwelt akzeptiert wird und vielleicht sogar eine Bereicherung für dieselbige darstellt ist es unumgänglich, dass die fähigsten Köpfe für die Jury gewonnen werden. Ich werde mich im folgenden selbst zu einer Art Jury aufschwingen und einige der Künstler erwähnen, die mir positiv auf der HanseArt 2008 aufgefallen sind:
Gefallen hat mir Jan-Steffen Glade mit seiner Bon-Art. Der Künstler überträgt herkömmliche Kassenbons mittels Siebdruck auf Leinwand. Seine Kunst leitet sich vom Readymade, der Popart und der Konzeptkunst her, es handelt sich also um "Gehirnkunst". Objekte der Alltagswelt werden ohne große Veränderungen in den Bereich der Kunst überführt. Die Bon-Art von Jan-Steffen Glades finde ich gelungen, macht Spaß und regt zum Denken an. (Abbildung siehe oben, "Abendmahl")
Desweiteren ist mir blueaquin und ihre Kunst aufgefallen. Sie lebt in einem verfallenen Schloss in der Nähe von Berlin und hat an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Malerei studiert. Ihr Künstlername erklärt sich aus ihrer Faszination für die Farbe Blau und für Thomas von Aquin. Ihr Interesse für die geistige und geistliche Dimension zeigt sich nicht nur in ihren Bildern mit religiösen Motiven. Ähnlich den Romantikern und Yves Klein legt sie dem Blau eine besondere Bedeutung bei. Blueaquin weist im Gespräch eine persönliche (blaue) Aura auf, die mich ergriffen und mein Interesse für Ihre Kunst geweckt hat. www.art-blueaquin.de
Als drittes möchte ich, (mir haben noch andere Künstler gefallen, aber das würde hier den Rahmen sprengen), Sara Horwath aus Berlin erwähnen. Sie kommt mir gleich hilfreich entgegen und erklärt, dass sie sich gar nicht als Künstlerin sieht und auch nur ungern den Begriff Kunst benutzt. Das meint sie jetzt bestimmt nicht so, denke ich. Sara ist diplomierte Illustrations- Designerin und malt moderne, deutsche Pin-Ups. Sie geht dabei von der Pin-Up-Kultur der 50er-Jahre aus und ist stark geprägt von den Illustrationen aus Japan und den USA, die sie persönlich für herausragend hält. Ihre Kunst ist weitgehend reproduzierbar, ob es Drucke, Buttons oder Schilder sind. Im Gegensatz dazu fertigt sie an ihrem Stand auf der HanseArt Portraits von Besuchern an. Diese spontanen Skizzen zeugen besonders von ihrem Talent und ihrer Ausbildung, wie ich meine. (u.a. Prof. Gottfried Bammes)
Sara Horwaths Kunst ist schon außergewöhnlich und ein echtes Highlight auf der Hanseart. Ihr besonderes Interesse gilt der Erotik. Wie sie dieses Thema in ihrer Kunst behandelt zeigt, dass es sich dabei nicht um ein vordergründiges, oberflächliches Interesse handelt. Sara behandelt das Thema "mit viel Herzblut", wie sie selber sagt. Nicht nur ihre Kunst hinterlässt Eindruck, auch sie selbst wirkt wie eine Live-Performance und interagiert mit den Besuchern sehr selbstbewußt. www.sara-h.com
Fazit: Diese HanseArt 2008 hat mir geradezu Spaß gemacht. Ich bin zwar entsetzt, dass die Jury zu beliebig die Teilnehmer ausgewählt hat. Aber die erfreulichen Aspekte haben dieses Jahr überwogen. Mit der HanseArt geht es voran und wer weiß, vielleicht wird sie ja auch bald von der Kunstwelt wahrgenommen und akzeptiert. Es hängt ganz davon ab, wie die Jury im nächsten Jahr besetzt sein wird.
![[Rückblick] Hanseart 2008 in Lübeck Bild: [Rückblick] Hanseart 2008 in Lübeck](https://cdn.open-pr.de/pressemitteilung/7/9/c/79c5fda3.760x475.webp)












