(openPR) Was bedeutet das eigentlich konkret: Ein systematisches Training im Kinder- und Jugendsport in den Bereichen Reiten, Fahren und Voltigieren?
Die Prinzipien der Pferdeausbildung werden seit langem in der so genannten Ausbildungsskala beschrieben. Dabei tritt in den Hintergrund, dass auch der Reiter über eine differenzierte Ausbildung verfügen muss - und welch ungeahnte Lern- Erfahrung ihn erwarten, wenn er sich auf das Wesen des Pferdes einlässt.
Es heißt, beim systematischen Training soll die Ausbildung für Reiter(in) und Pferd mit Geduld und Konsequenz nach Trainingseinheiten und der Skala der Ausbildung aufgebaut und aufeinander abgestimmt sein. Bezogen auf die Ausbildung des Pferdes bedeutet dies, dass dem Takt die Losgelassenheit folgen sollte. Bezogen auf die reiterliche Ausbildung ist es ebenso: Auch der Reiter muss den Takt finden - jedoch den des Pferdes, dem er sich anpassen muss. Reiten ist eine Kunst - die nicht zuletzt darin besteht, die Bewegungen von Pferd und Reiter optimal aufeinander abzustimmen. Ist dieser Zustand eingetreten, geht es auch für den Reiter und die Reiterin um (Los-)Gelassenheit. Übertragen auf das Reiten ist Gelassenheit ein Teilziel auf dem Weg zur Harmonie mit dem Pferd. Genauso wie der Takt ein maßgeblicher Schritt ist in Richtung (Los-) Gelassenheit.
Es folgt die Anlehnung. Das Pferd sollte sich im bestmöglichen Fall vertrauensvoll an die Reiterhand anlehnen und von hinten an sie herantreten. Die Anlehnung muss das Ergebnis der richtig entwickelten Schubkraft sein. Der Reiter und die Reiterin haben hierbei die Aufgabe, dem Pferd eine ruhige, Vertrauen erweckende Hand anzubieten. Das bedeutet für den Ausbilder und die Ausbilderin, dass ein nicht gelassener Schüler oder eine nicht gelassene Schülerin diese Voraussetzungen aus Gründen der Angst, des Drucks oder des Desinteresses nicht erfüllen kann und folglich beim Pferd keine Anlehnung erzielen kann. Diese kann und sollte ihm (oder ihr) dann auch ohne Erfüllung der vorherigen Kriterien nicht abverlangt werden.
Der nächste Punkt auf der Ausbildungsskala ist der Schwung. Wir wollen, dass sich unser Pferd „rund macht“ und locker über den Rücken schwingt. Man sagt: „Das Pferd nimmt den Reiter (die Reiterin) mit.“ Der Reiter oder die Reiterin muss sich aber auch mitnehmen lassen. Dass man aber unter Mitschwingen kein Hoch und Runter versteht oder etwa ein übertriebenes Mitgeschiebe ist für viele weder leicht zu verstehen noch umzusetzen. Die Aufgabe des Trainers/der Trainerin ist es in diesem Fall zu vermitteln, dass beide, Reiter(in) und Pferd, im Vorwärts ihr gemeinsames Gleichgewicht finden müssen und dass der Reiter zwar aktiv mit Kreuz und Schenkel reiten soll, jedoch in gewissen Sinne passiv die Bewegung des Pferdes zulassen muss.
Ist ein Verständnis der Schülerin oder des Schülers in diesem Sinne erreicht und wird es auch umgesetzt, so kommt es zur Geraderichtung: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!“ Viele kenne diesen Satz, doch für sehr viele ist der Unterschied von Geradeausreiten und das Pferd gerade richten nur schwer begreiflich. Bei einem gerade gerichteten Pferd wirkt die Schubkraft voll in Richtung seines Schwerpunktes. Das Pferd hat eine Vor- und eine Hinterhand. Der Schwerpunkt ist unter der „Mittelhand“ und darunter verstehen wir den Reiter. Das Pferd geht also „hufschlagdeckend“ und kommt „ unter den Reiter“ wenn die Reiterin oder der Reiter als „Mittelhand“ agiert und die natürliche Schiefe des Pferdes zu mindest z. T. ausgleicht. Reiter oder Reiterin müssen also notwenig zu einem Teil des Pferdes werden.
Die Ausbildungsskala für Mensch und Pferd endet in der Versammlung. Das Ziel der gesamten gymnastischen Ausbildungsarbeit ist es, ein leistungsbereites und „gebrauchsfähiges“ Pferd zu erhalten Vermehrtes Lastaufnehmen auf der Hinterhand und vermehrte Hankenbiegung sind elementar wichtige Bestandteile des Weges, der zum genannten Ziel führt. Durch genaues Abarbeiten oder Erreiten der gesamten Skala der Ausbildung gelangen die Schülerinnen und Schüler über die Versammlung zur angestrebten Durchlässigkeit des Pferdes.
Die Grobgliederung der Ausbildungsskala beginnt mit der Gewöhnungsphase, kommt dann zur Entwicklung der Schubkraft, aus der sich schließlich die Tragkraft entwickelt. Der Reitschüler oder die Reitschülerin hat anfangs schon mit seiner/ihrer eigenen Gewöhnungsphase weitaus genug zu tun. In den Takt einfinden, gelassen sein, Anlehnung „anbieten“ usw. Die weiteren Punkte stellen Reiterin und Reiter zunächst Denkfragen und können erst nach Eintreten eines Verständnisses erarbeitet werden. Dabei muss der Reiter lernen, nicht etwa das Pferd, sondern zuerst sich selbst auf dem Pferd „zu sammeln“, also Konzentration und Körperspannung zu vereinen. Die Durchlässigkeit des Pferdes ist unser aller Ziel, doch für systematisches Training, egal in welcher Disziplin, ist es unumgänglich, dem Schüler/der Schülerin zu vermitteln, nicht nur das Pferd irgendwie zu etwas zu bringen, sondern mit dem Pferd zusammen etwas zu erarbeiten und sich dafür viel Zeit zu nehmen.
Es heißt, der reiterliche Nachwuchs soll gefordert und gefördert werden, ohne ihn zu über- oder unterfordern. Soweit die Theorie. Doch wie kann das in der Praxis aussehen? Denn das schöne Ziel ist nicht leicht in die lebendige Alltagsrealität eines Reit- und Fahrvereins zu übersetzen. Die Gründe dafür können vielfältig sein und ich möchte hier nur einige, wenige nennen:
Optimale Lösungen können erschwert werden durch:
- Begrenzte finanzielle Mittel des Vereins oder zwischenmenschliche Unverträglichkeiten;
- Ehrgeizige Eltern, die ihre eigenen Ziele verfolgen und ganz andere Vorstellungen von einer optimalen Förderung ihrer Kinder haben als die jeweilige Trainerin oder der jeweilige Trainer;
- Disziplinprobleme;
- und Ängste.
- Auch die Anforderungen von Schule und Ausbildung, die Pubertät
können der Trainingsdisziplin entgegenstehen.
Die Wege zu einem systematischen Training im Kinder- und Jugendbereich sind also keine Trampelpfade. Und wie kann eine Systematik jetzt konkret aussehen, die flexibel genug ist, die genannten Unwägbarkeiten aufzufangen ohne den Anspruch an eine systematische Ausbildung aufzugeben?
Der Reit- und Fahrverein Heiligensee zeichnet sich besonders durch seine vielfältigen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten aus. Sechs verschiedene Reitlehrer ermöglichen für jeden maximalem Trainingserfolg.
Wodurch sich unser Verein aber besonders auszeichnet, ist die sorgfältige Hinführung von Kindern zum Reitsport. „Volti als Reitvorbereitung“ – ist ein bei uns erfolgreich praktiziertes Konzept. Es geht hierbei nicht nur um Turnübungen auf dem Pferd, sondern darum, den Kindern den Umgang mit dem Pferd näher zu bringen, reiterliches Gleichgewicht zu schulen und Spaß am Sport zu vermitteln.
Die Kinder erlernen zunächst einen ruhigen, ausbalancierten Sitz, sie lernen ohne einen Sattel leichtzutraben und selbstständige Hilfengebung - jedoch ohne Zügeleinwirkung. Auch die theoretische Ausbildung kommt nicht zu kurz. Während des Unterrichts - oder wenn ein Pferd einmal ausfällt - schulen wir theoretische Grundlagen. So wird es möglich, dass bereits Kinder von fünf Jahren an den Sport herangeführt werden können.
Dadurch, dass der Unterricht in kleinen Gruppen abgehalten wird und die Kinder während dieser Zeit mehrmals, jedoch jeweils nur für ein paar Minuten, aufs Pferd kommen, kann bereits eine gewisse Konzentration abverlangt werden. Würde man ein Kind in diesem Alter eine halbe Stunde durchgängig unterrichten, liefe man Gefahr, weder konzentriert mit dem Kind arbeiten, noch Freude am Reiten vermitteln zu können.
Wir führen „Volti zum Reiten“ schon seit Jahren durch - mit Erfolg. Haben die Kinder eine gewisse Größe, ein bestimmtes Können und Konzentrationsvermögen erreicht, können sie ohne vorherige Longenstunden in die Abteilung und haben zu diesem Zeitpunkt bereits in allen drei Gangarten einen ruhigen, ausbalancierten Sitz, sie können leichttraben und sind vor allem auch in der Lage, ihr Pferd selbständig zu putzen und zu satteln. Darüber hinaus verfügen sie bereits über ein gewisses theoretisches Grundlagenwissen - sei es in Bezug auf den Körperbau des Pferdes, das Sattel- bzw. Putzzeug, Bahnfiguren oder auch die Hilfengebung.
Angekommen im Schulunterricht wird das theoretisch Wissen der Bahnfiguren in praktisches verwandelt, die Hilfengebung wird nach und nach komplettiert und verfeinert und die klassische Skala der Ausbildung Schritt für Schritt, Tritt für Tritt und Sprung für Sprung „erritten“.
Im Schulunterricht wird anders als in vielen Vereinen angestrebt, selbständiges Reiten zu fördern. Das bedeutet, dass nicht in ständig in einer Abteilung hintereinander her geritten wird, sondern dass die Schüler lernen sollen, sich den Raum einzuteilen, also selbständig Bahnfiguren reiten und ihr Pferd durch viele Übergänge, Schenkelweichen etc. zu lösen. Dadurch kann der Einzelne oder die Einzelne effektiver beobachtet und korregiert werden und es stellen sich darüber hinaus schneller motivierende Erfolgserlebnisse ein.
Vom Schulunterricht ausgehend stehen den jüngeren oder älteren Reiterinnen und Reitern viele Möglichkeiten offen. So ist es möglich, auf Privat- oder Schulpferden an jeglichen Lehrgängen teilzunehmen, Privatunterricht zu nehmen und an der Springstunde teilzunehmen. Unsere Jugend wird besonders gefördert durch die Turniergruppe, die Anfang des Jahres erneut ins Leben gerufen wurde. Dies geschah durch einen internen Reitersichtungstag, an dem durch einen Richter eine E- und eine A- Mannschaft zusammengestellt wurde. Der Turniergruppenunterricht findet in der Saison wöchentlich, im Winter nur im Hinblick auf eventuell stattfindende Turniere statt und erfolgt durch Dr. Csaba Szilagyi und Anne Oppen.
In der Saison 2007 war unser Verein auf einigen umliegenden Turnieren wie z.B. im LRV Tegel oder in Lübars vertreten. Serien wie die Hippo Mini Master Trophy, der Galgenberghof Ferienpreis und der Nürnberger Junior Burg Pokal prägten außerdem wie immer alljährliche Saison.











