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Unsere endlose Geschichte vom schnellen Internetzugang auf dem "flachen Land"

21.02.200815:09 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Unsere endlose Geschichte vom schnellen Internetzugang auf dem "flachen Land"
Nur drei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt und trotzdem keine Chance auf DSL
Nur drei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt und trotzdem keine Chance auf DSL

(openPR) Seit dem Zeitpunkt als bekannt war, dass in Deutschland DSL eingeführt wird, bemüht sich unser Büro um einen schnellen Internetzugang.


Obwohl sich unser Büro nur drei Kilometer von der Stadtgrenze der Kreisstadt Rathenow entfernt befindet, waren unsere Anstrengungen bisher leider vergebens. Hier einen Überblick was wir bei unseren Bemühungen bisher alles so erlebten.....




Ein Erfahrungsbericht
vom IBE Wodtke aus dem Land Brandenburg
Am letzten Wochenende erhielt ich von der Telekom mal wieder Angebote für verschiedene Dinge mit der Post zugesandt. Als ich den Brief öffnete, ging mir durch den Kopf, warum schicken die mir immer Angebote von Dingen, die ich doch gar nicht benötige. Mir würde schon ein DSL-Anschluss reichen. Doch darüber spricht keiner und ich erhalte dafür auch keine Angebote von der Telekom mehr.

Vor Jahren war das noch ganz anders! Als die Telekom die neue Datenübertragungstechnik DSL als neues Produkt einführte, warb sie mit 50 DM- Surfguthaben, wenn man sofort einen DSL-Anschluss bestellen würde. Ich habe damals sofort einen DSL-Anschluss für mein Büro bestellt. In den folgenden Jahren wurde DSL deutschlandweit eingeführt, nur nicht für mein Büro. Die Wege zwischen Telefonvermittlung in Rathenow und meinem Büro auf dem Wilhelminenhof seien für DSL zu lang. Da hatte ich nun den Gutschein für 50 DM aber kein DSL.

Alternativ bot die Telekom in der Folgezeit vorübergehend eine Flatrate für Internetsurfen über ISDN an. Das war zwar langsam, aber man hatte die Kosten wenigstens im Griff. Denn inzwischen nahm die Internetnutzung in meinem Büro stark zu und da war die Flatrate ein kleiner Fortschritt.

Doch wir wollten uns mit der Aussage des zu lagen Kabelweges noch nicht zufrieden geben. Dank guter Kontakte zu einigen Technikern der Telekom konnten wir diese für eine Probeschaltung motivieren. Trotz hohem Engagement der Telekomtechniker war das Testergebnis dann aber doch leider negativ.

Etwas später stellte die Telekom das Angebot der praktischen Flatrate, für das Surfen im Internet nicht mehr zur Verfügung. Alternativ gab es dafür die SurfTime 30, 60 usw. Es handelte sich dabei um eine zeitlich limitierte Flatrate. Diese Lösung war wesentlich teurer, besonders wenn man sein vorher vereinbartes Budget einmal überzog. Doch in meinem Büro wuchs die Nutzung des Internets und damit auch die Kosten. Als sich die monatlichen Kosten weit über 150 EUR hochgeschaukelt hatten, musste ich handeln.

Nur für gute Beziehungen
In der Fachliteratur hatten wir von neuen DSL- Übertragungssystemen gelesen. Diese sollten längere Wege zwischen Vermittlungsstelle und Nutzer überbrücken können. Das hörte sich verlockend an, zumal man uns immer sagte, dass wir im Kabel-Grenzbereich liegen würden. Also haben wir wieder einmal unsere vielen Kontakte mobilisiert und sind dann tatsächlich auch fündig geworden. Eines Tages meldete sich ein Vertriebsmensch der Telekom aus Neubrandenburg, der auch noch richtig gutes Technikwissen hatte. Er nahm sich unseres Problems mit Elan an. Wahrscheinlich waren wir ihm sympathisch.

Nach ca. 14 Tagen war klar, wie die Kabel zwischen der Vermittlungsstelle und unserem Büro laufen und welche Querschnitte verlegt wurden. Das Zwischenergebnis lautete wieder, Grenzbereich. Als nächstes leitete der freundliche Telekömmer aus Neubrandenburg die Vorortüberprüfung ein.
Doch dann kam der „Telekomcrash“. Hunderte Mitarbeiter der Telekom wussten nicht, was aus ihnen wird. Das betraf auch unseren freundlichen Telekommitarbeiter aus Neubrandenburg. Die Motivation war jetzt bei ihm, wie bei so vielen anderen auch, im Keller. Unsere späteren unzähligen Anrufe in Neubrandenburg blieben ungehört. Der freundliche Telekömmer schien sich in Luft aufgelöst zu haben und damit blieb unser Problem mit einem schnellen Internetzugang für unser Büro ungelöst.

UMTS sollte es richten
Vor etwa zwei Jahren hörten wir von Internet über UMTS. Nachdem in unserem Büro die ersten praktischen Tests erfolgreich verliefen, führten wir vor über einem Jahr dann auch Internet via UMTS ein. Wenn auch die Surfgeschwindigkeit erheblich hinter DSL zurückbleibt, so bietet die Flatrate wieder einen kalkulierbaren Kostenrahmen.
Internet via UMTS scheint also eine Alternative für leidgeprüfte Internetsurfer auf dem flachen Land zu sein. Doch leider. leider steht die UMTS- Versorgung noch nicht überall in unserer Region zur Verfügung.

Für uns ist die UMTS- Lösung ein Kompromiss. Nach wie vor würden wir gern auf DSL umstellen. Es erreichen uns auch immer wieder von verschiedenen Anbietern viel versprechende Angebote zur Umrüstung auf DSL. Immer wieder möchte man uns weismachen, ein DSL- Anschluss wäre für unser Büro kein Problem. Doch außer vollmundigen Versprechungen hat sich bis heute nichts getan.

Nur die Politik kann das Problem lösen
Mit Interesse verfolge ich jetzt die öffentlich gemachten Bemühungen anderer Menschen aus unserer Region zur Erlangung eines DSL-Anschlusses auf dem Lande.
Dabei gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf: Warum sollte uns die Telekom in unserer weitläufigen und bevölkerungsschwachen Region mit hohem, eigenem Kostenaufwand DSL-Anschlüsse bereitstellen?
Das kostet dem Konzern doch nur Geld und bringt danach nur geringe zusätzliche Umsätze ein. Weiterhin wechseln immer wieder Telekomkunden zu anderen Anbietern, wenn erst mal der DSL- Anschluss vorhanden ist. So ein Wechsel geht ja sehr einfach, denn die Telekom muss wechselbereite Kunden ziehen lassen. Dagegen ist eine eventuelle Rückkehr zur Telekom sehr zeitintensiv. Die Praxis kennt da unzählige Beispiele.

Steht kein DSL zur Verfügung kostet das Surfen über die Telefonleitung dem Nutzer richtig Geld. Das bringt der Telekom gute Umsätze und das alles ohne zusätzliche Investition. Warum sollte sich also die Telekom anders verhalten, als sie sich aktuell verhält?

Deshalb gehören, nach meiner Meinung, die aktuellen Unterschriften- Listen für neue DSL-Anschlüsse auch nicht bei der Telekomverwaltung auf den Tisch. Sondern sie gehören auf den Tisch der Landes- oder besser Bundesregierung. Denn die schnelle Internetnutzung ist heute für viele unserer regionalen Unternehmen von existentieller Bedeutung. Doch auch für die übrigen Menschen der Region wird der Daten- Highway immer wichtiger. Wer heute keine oder schlechte Bedingungen bei der Internetnutzung hat, ist in unserer Wissensgesellschaft schon jetzt arg gehandicapt und wird morgen bereits zweitklassig sein.
Da kann es nur Aufgabe der Politik sein, entsprechend gegenzusteuern. Das daraus in der nächsten Zeit etwas werden könnte, ist uns allen nur zu wünschen. Doch begründete Zweifel sind wohl berechtigt.

Autor: Hans- Jürgen Wodtke ; Stand: 12.02.2008

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