(openPR) Zu schnell gefahren, ein Glas Wein zuviel getrunken – und schon ist der Führerschein weg. Das geht schneller, als viele glauben. Mit einer Sperrfrist und der MPU-Prüfung (medizinisch-psychologische Untersuchung) kann es dann zwischen sechs Monaten und fünf Jahren dauern, bis man sich wieder hinters Steuer setzen darf – für Menschen, die aus beruflichen oder familiären Gründen auf ein Auto angewiesen sind, eine Katastrophe.
Aus diesem Grund kursiert seit Jahren immer wieder der Begriff EU-Führerschein als „die Wunderwaffe“ durch die Medien. Und über kaum ein anderes Thema wird so kontrovers berichtet. So schießen mehr oder weniger seriöse Anbieter wie Pilze aus dem Boden und bieten einen wahren Führerscheintourismus an. Andere behaupten, dass ausländische Fahrgenehmigungen in Deutschland das Papier nicht wert seien, auf dem sie gedruckt sind. Doch was ist wirklich dran an der ausländischen Lizenz zum Fahren? Wir fragten nach bei Christian Bieri, Inhaber von www.neuerfuehrerschein.de.
Häufig wird dem EU-Führerschein vorgeworfen, ein Freibrief für Verkehrssünder zu sein. Stimmt das?
Christian Bieri: „Das mag zunächst so klingen: Ich verliere in Deutschland wegen einer Verkehrswidrigkeit meine Fahrerlaubnis, mache im Ausland meinen Führerschein neu und darf wieder auf deutschen Strassen rasen. Doch so einfach ist das nicht, denn auch der EU-Führerschein hat seine Auflagen. Entscheidend ist vor allem, dass die Sperrfrist in Deutschland abgelaufen ist. So lange ist der EU-Führerschein nicht gültig. Wer die Nerven und das Geld aufbringt, die Behördengänge und die Führerscheinprüfung erfolgreich im Ausland zu absolvieren, darf dann aber tatsächlich wieder ganz legal in Deutschland fahren. Begeht er aber wieder ein Verkehrsdelikt, was auch in Deutschland den Führerscheinentzug zur Folge hätte, ist auch der EU-Führerschein weg. Einsicht und Verhaltensänderung sind also trotzdem unabdingbar und Voraussetzung.“
Ist es denn sinnvoll die MPU zu umgehen?
Christian Bieri: „Natürlich gibt es immer einen triftigen Grund, warum jemand seinen Führerschein verliert. Doch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die MPU-Prüfung nicht die Lösung sein kann: Sie dauert viel zu lange und ihr Ergebnis hängt häufig auch noch von der Persönlichkeit des Prüfers ab. Die Durchfallquote von knapp 90 Prozent spricht da für sich. Für viele Menschen kann die Zeit ohne Führerschein den Ruin bedeuten. Ich sehe die Sperrfrist als entscheidend an. Während dieser Auszeit muss sich der Kandidat mit seinem Fehlverhalten und mit seiner Zukunft als Autofahrer auseinandersetzen. Wer seine Fehler nicht einsieht, dem nützt der EU-Führerschein langfristig auch nichts. Und: Er wird niemandem geschenkt. Er kostet Zeit, Kraft und natürlich auch Geld. Da überlege ich beim nächsten Glas Wein dann doch lieber zweimal.“
Es gibt unzählige Anbieter für EU-Führerscheine im Internet. Wie findet man den richtigen?
Christian Bieri: „Statt auf angebliche Erfolgsquoten zu schauen, sollte der Kandidat auf das Preis-Leistungsverhältnis achten. Zu günstige Angebote und Geld-zurück-Garantien sind immer unseriös. Ein sehr gutes Zeichen ist ein Rund-um-Service. Dabei werden die Kandidaten zunächst individuell beraten. Die Reiseorganisation ins Ausland wird übernommen, die Kandidaten werden zu allen Behörden und Ämtern begleitet – schließlich müssen sie ihren Wohnsitz vorübergehend im Ausland anmelden. Und sie sollten während der Prüfungszeit intensiv betreut werden, im besten Fall durch einen Dolmetscher. Nach 3 - 4 Monaten hält der Kandidat dann seinen neuen und registrierten EU-Führerschein in der Hand.“
Es wird bereits über Gesetzesänderungen diskutiert. Was würde sich für den EU-Führerschein ändern?
Christian Bieri: „Die Regierung plant langfristig Gesetze zu erlassen, die den Missbrauch des EU-Führerscheins unmöglich machen. Und das ist auch gut so. Wir wollen schließlich alle, dass Deutschlands Strassen sicherer werden. Geplant sind bis 2009 bei Besitzern des EU-Führerscheins zunächst verstärkt mögliche Fahrverbote oder bestehende Sperrfristen in Deutschland zu prüfen. Dafür wird jede Neuerteilung eines EU-Führerscheins dem Kraftfahrzeugamt in Flensburg gemeldet. Den EU-Führerschein selbst wird es aber auch weiterhin geben. Er ist ja schließlich nicht das Problem.“







