(openPR) In einigen Artikeln habe ich gelesen, dass das Ornament vor 100 Jahren abgeschafft wurde und nun wieder gefragt ist. Nun, es ist heute zweifelsohne wieder gefragt. Aber vor 100 Jahren abgeschafft?
Dann las ich, dass der Minimalismus der Neunziger vorbei ist und man jetzt wieder auf Tradition setzt. Ja, wir setzen heute wieder auf Tradition, aber was ist mit Minimalismus der Neunziger gemeint? So gab es 1991 in der Zeitschrift „Neue Mode“ Dekorationsvorschläge unter dem Titel „Schön üppig“ und zu sehen waren reich dekorierte ornamentale Stoffe. In der „Verena“ wurde 1993 eine Fotostrecke gezeigt unter dem Titel „Ornamente vielseitig und dekorativ“. Die Burda zeigte in ihrer Januar-Ausgabe 1998 Wohnambienten unter dem Thema „Farbrausch frisch & opulent“. Zeitschriften sind der Spiegel der Gesellschaft und bei diesen Storys ist von Minimalismus keine Spur.
Das Ornament war nie weg – zu keiner Zeit.
Interessanter Weise gab es immer eine traditionelle Ornamentik. Und auch in den 90er finden wir nicht nur Minimalismus. Jeder Trend hat seinen Gegentrend UND wir Menschen gehören verschiedenen Stilrichtungen an. Zur Tradition-orientierten Stilgruppe gehören heute noch fast 25% und das hat nicht nur etwas mit dem Alter zu tun. Auch da gibt es sozusagen Nachwuchs.
Wie steht es nun um das Ornament heute?
Im 21. Jahrhundert hat sich etwas verändert. Es ist zum einen der neue Umgang mit der Ornamentik. Das Ornament wird mit Lust und teils sogar Ironie verwendet und an unsere Moderne angepasst. So werden grafische Büffelköpfe zu einer neuen Ornamentik zusammengefügt. Das Ornament kommt heute oft in reduzierter Farbigkeit daher – Schwarz-Weiß, Silber-Weiß, Weiß in Weiß.
Zum anderen ist neu, dass der Design-orientierte Stilkunde, der bis dato ein sehr reduziertes cleanes Design bevorzugte, nun zu einem sinnlicheren Design greift und Ornamentik in Maßen akzeptiert. Einen Tisch darf, wenn er eine schlichte Grundform hat, jetzt auch eine ornamentale Kante zieren und sogar rot darf er sein. Solch ein Tisch steht dann aber als Solitär bei einem Design-orientierten Kunden im Raum. Er möchte bitte keine ornamentalen Übertreibungen.
Der Tradition-orientierte Kunde liebt noch immer seine gewohnte Ornamentik, aber nun möchte auch er sie in zurückgenommener Farbigkeit – viel Weiß, Beige und Brauntöne sowie Silber und Kupfer.
Die Zeiten für die althergebrachte Ornamentik sind vorbei. Von daher sollte es nicht heißen:
„Die neue Lust am Ornament“ sondern „Die Lust am neuen Ornament“.












