(openPR) Altendorf, 16.01.2008 - Lange Jahre war Dr. Gottfried Mühelich als Biochemiker in der Forschung einer Pharmafirma tätig gewesen. Diese Pharmafirma hat im Zuge einer Übernahme durch einen Pharmakonzern ihre Forschungsarbeiten eingestellt und das Beschäftigungsverhältnis mit allen in der Forschung tätigen Mitarbeitern aufgelöst.
Die Hintergründe und Folgen dieser Entscheidung wurden in dem Roman “Die Macht des Schwach-sinns“ mit dessen Hauptfigur, dem Mediziner und Pharmaforscher Dr. Gregor Retzlich, bereits in großer Tiefe dargestellt. Während mit der Auflösung des Forschungsbereiches dieser Pharmafirma das Forscherleben für Gregor Retzlich endete, findet Gottfried die Kraft, sich eigenständig eine neue Existenz aufzubauen.
Hier genau beginnt die vorliegende Erzählung. Gottfried gründet zur Weiterführung seiner Forschungsarbeiten eine eigene Firma, und schließt für deren Finanzierung Verträge mit einem Investor ab. Jedoch zeigen sich schon bald der Unverstand und die Habgier dieses Investors. Er verweigert die vertragsgemäße Auszahlung von Darlehen, um günstigere Bedingungen zu erpressen. Gottfried versucht, seine Firma, die in ihrer wissenschaftlichen Arbeit bereits erfolgreich ist, durch einen neuen Finanzpartner zu retten. Doch dieser wird vom Investor mit überzogenen Forderungen abgeschreckt. Forderungen des Investors, stattdessen das Privatvermögen von Gottfried zur Finanzierung der Firma heranzuziehen, werden von ihm abgelehnt. Schlussendlich sieht sich Gottfried wegen drohender Insolvenz gezwungen, von der Geschäftsführung seiner Firma zurückzutreten. Nachdem Anstrengungen des Investors scheitern, die Erfindung der Firma zu einem hohen Preis zu verkaufen, versucht er, Gottfried durch fadenscheinige Schadensersatzforderungen zur kostenlosen Mitarbeit in der Firma zu zwingen und als das misslingt, zeigt er Gottfried wegen Untreue und Betruges bei der Staatsanwaltschaft an.
Noch bevor auf Gottfried all diese Enttäuschungen mit seiner Firma einstürmen, überrascht ihn seine von ihm getrennt lebende Frau, eine angesehene Ärztin, mit einem Kinderwunsch. Gottfried hat aus erster Ehe bereits drei Kinder. Gottfried will kein weiteres Kind haben. Er sieht sich selber wie auch seine Frau als zu alt an fürs Kinderkriegen. Des Weiteren befürchtet er, dass ein Kind ihn nur bei seiner Forschungsarbeit behindern würde. Da er jedoch die Aussichten einer Schwangerschaft wegen des fortgeschrittenen Alters seiner Frau als sehr gering einschätzt, geht er trotz der Ablehnung eines Kindes auf ihre Liebkosungen ein.
Entgegen seiner Erwartung wird seine Frau schwanger. Eine Abtreibung lehnt sie ab. Als hätte Gottfried es geahnt, gebärt sie ein erbkrankes Kind, welches nur wenige Monate zu leben vermag. Während seine Frau sich von ihren beruflichen Pflichten freistellen lässt, um sich voll der Pflege ihres Kindes widmen zu können, verweigert Gottfried jeglichen Kontakt zu diesem Kind. Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse lässt sich seine Frau von Gottfried scheiden. Erst nach der Beerdigung des Kindes kann er sich überwinden, die Nähe zu seinem Kind zumindest an dessen Grabstätte zu suchen.
Weder das Schicksal seines Kindes noch die Scheidung von seiner Frau sind in der Lage, Gottfried aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dagegen verfällt er in tiefe Zukunftsängste angesichts der Entscheidung des Staatsanwaltes, auf Grund der Anzeige des Investors bei Gericht Klage zu erheben. Kopflos vor Angst unternimmt Gottfried einen langen Kraftmarsch. In der Abenddämmerung stürzt er, liegt hilflos im Morast eines Waldweges, wird dort von einem zufällig vorbeifahrenden Fahrradfahrer aufgegriffen und zu einem nahe gelegenen Gasthaus gebracht, welches sich als Edelbordell entpuppt. Zur Überra-schung von Gottfried ist der Fahrradfahrer in diesem Bordell als Seelsorger tätig.
Als Gottfried wider Erwarten vom Gericht in der ersten Instanz für schuldig gesprochen wird, nehmen seine Ängste überhand. In dieser Lage sucht Gottfried um Hilfe und erinnert sich an den Fahrradfahrer als einzigem Menschen, dem er in dieser Lage Vertrauen schenken könnte. Gottfried lässt sich zum Bordell fahren und muss dort auf den Fahrradfahrer warten. In dieser Wartezeit wird Gottfried von einer Hure in ihr Zimmer gelockt, kann dort aber ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen, weil seine Angst ihn lähmt. Anschließend trifft Gottfried an der Bar den Fahrradfahrer. Beide kommen in ein immer wieder stocken-des Gespräch, in welchem der Fahrradfahrer von seinem Priesterberuf erzählt, von den Gründen seiner Entlassung aus den Diensten der Amtskirche und von seiner Leidenschaft, trotz seiner Entlassung und trotz seiner Kritik an der Amtskirche weiterhin als Seelsorger tätig zu sein. Obwohl die Erfahrungen, Ansichten und Ratschläge des Fahrradfahrers eine Hilfe für Gottfried bei der Bewältigung seiner Ängste sein könnten, findet er nicht die Kraft, aus seinem selbst gestrickten Käfig herauszutreten, seine Ein-samkeit zu durchbrechen und zumindest zu seinen Kindern aus erster Ehe oder zu seinen Frauen Ver-bindungen aufnehmen zu wollen.
Als im Berufungsverfahren der Schuldspruch vom Gericht aufgehoben und die Klage des Investors abgelehnt wurde, kann diese glückliche Nachricht Gottfried nicht mehr aufrütteln und zu einem Neuan-fang bewegen. Er fühlt sich wie ausgebrannt. Seine Forschungsleidenschaft ist einer tief sitzenden Ent-täuschung und Unzufriedenheit über sein Leben und seine Arbeit gewichen.
In ihm ist eine lähmende Leere entstanden, ohne Ziel und Hoffnung und ohne eine Beziehung zu sei-nen Frauen, seinen Kindern oder zu irgendeinem anderen, ihm lieb gesonnenen Menschen. Als altem Mann verbleiben ihm nur noch die Einsamkeit und das Selbstmitleid.
Wieder einmal überzeugt Jens Kleinbäuerle durch die meisterhafte Darstellung der Charaktere, die Zwangsläufigkeit der Handlungen, durch deren Dramatik, durch den fantastischen Bezug zur Wirklich-keit, durch die Tiefgründigkeit und die Logik der Gedanken und Zwiegespräche und durch eine enorme, von der ersten bis zur letzten Seite dauernde, den Leser fesselnde, ja sogar Gänsehaut verursachende Spannung.











