(openPR) Die Meldungen zum steigenden Ölpreis und zu den Strom- und Gaspreiserhöhungen bestimmen die Wirtschaftsnachrichten der letzten Wochen. Und die Experten sind sich einig: Ein Ende der Preisspirale ist nicht absehbar, zu viele Gründe sprechen für eine weitere Erhöhung der Energiepreise. Erdöl, Erdgas und Kohle sind knappe Rohstoffe, zudem konzentrieren sich die Öl- und Gasvorkommen auf politisch sensible Länder, wie den Nahen Osten und die ehemalige Sowjetunion.
Durch den hohen Energieanteil an den Produktions- und Verarbeitungsprozessen in Industrie und Gewerbe wirken sich die steigenden Kosten auch zunehmend auf die Endpreise aus. Diese Entwicklung stellt Einkäufer und Beschaffungsmanager aller Branchen vor neue Fragen und Herausforderungen: In welchem Maße sind die Preiserhöhungen tatsächlich durch die Energiekosten begründet? Wie können die realen Energiekosten nachvollzogen werden? Und wie können durch professionelles Management die Kosten im Rahmen gehalten werden?
Preisanalyse schützt vor überzogenen Forderungen
Nicht selten begründen Lieferanten anstehende „Preisanpassungen“ pauschal mit höheren Beschaffungskosten für Strom und Gas. Doch diese Teuerungen sollten nicht ohne Prüfung hingenommen werden. Da Energiekosten nur ein Teil der Gesamtkosten sind, bedeutet eine Einkaufspreiserhöhung auf Seiten des Lieferanten nicht grundsätzlich, dass sich dadurch gleichermaßen seine Gesamtkosten erhöhen. Der Einkaufs-Experte Jens Holtmann von der Einkäufer-Akademie berät seit 1993 Fachkräfte aus dem Einkauf und verfolgt die Marktentwicklungen genau: „Gerade jetzt ist es wichtig bei jedem sogenannten Energiekostenzuschlag genau hinzusehen: Sind die Preissteigerungen von Zulieferseite wirklich begründet und wenn ja in welchem Umfang? Oder dient die aktuelle Rohstofflage lediglich als Vorwand?“
Energiekostenanteil berechnen
Meist wird auf Seiten der Einkäufer ein weitaus höherer Einfluss der Energiekosten auf die Verkaufspreise angenommen, als es in der Praxis der Fall ist. Eine genaue Kostenstrukturanalyse klärt die tatsächlichen Verhältnisse. Das Statistische Bundesamt liefert alle wichtigen Daten für die Überprüfung der Energieanteilkosten, unter anderem detaillierte Zahlen über die Wareneingangsstruktur der meisten Branchen in Deutschland. So können Einkäufer den Kostenanteil des Rohmaterials am Endprodukt nachrechnen und kontrollieren, ob und in welchem Maße eine Preiserhöhung gerechtfertigt ist.
Jens Holtmann verdeutlicht diesen Gedanken mit einem Beispiel aus der Glasindustrie, bei dem ein Energiekostenzuschlag von 30% gefordert wurde: „Laut Bundesstatistik haben die Hersteller von Flachglas folgende Einkaufsmaterial-Struktur:
• Rohstoffe = 76,8 %
• Betriebsstoffe (ohne Brenn- und Treibstoffe) = 4,4 %
• Energie sowie Brenn- und Treibstoffe = 18,8 % (Gas = 13,0 %, Strom = 3,7 %)
Bei einer Gegenrechnung können wir feststellen, dass eine 30 %ige Erhöhung auf die Energiekosten von 18,8 % lediglich eine Erhöhung der Gesamt-Energiekosten von 5,64 % (18,8 % mal 30 % = 5,64 %; 18,8 % + 5,64 % = 24,44 %) ergibt.“
In diesem konkreten Fall entbehrt die drastische Preiserhöhung von 30% also jeder Grundlage. Eine solche Preisanalyse kann jederzeit auch ohne Informationen der Lieferanten durchgeführt werden. Gegen die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes, die übrigens kostenlos im Internet bereit stehen, wird kaum jemand Einspruch erheben.
Lieferanten als Partner
Als langfristige Strategie empfiehlt der Einkaufsexperte Jens Holtmann: „Bauen Sie ein Frühwarnsystem für die Einkaufskosten Ihrer Hauptieferanten und den anderen Kostenblöcken auf. Vereinbaren Sie zusätzlich mit diesen Hauptlieferanten, dass er Sie informiert, sobald er wichtige Preis- und Marktinformationen erhält. Das Ziel: Gemeinsam Kosten reduzieren anstatt (steigende) Kosten einfach weiter zu reichen. Sie verschaffen sich nicht nur einen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern, sondern auch zusätzlichen Handlungsspielraum.“
Ziel solcher Vereinbarungen ist nicht nur, aus den Lieferanten möglichst gute Preise herauszuholen. Moderne Unternehmen verbinden ihre Stärken mit den Stärken und dem Know-how ihrer Lieferpartner. So entstehen dauerhafte Wettbewerbsvorteile. Bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Produktideen müssen die Zulieferer als Kompetenzpartner in die Prozesse einbezogen werden: Durch Teams aus Kaufleuten und Entwicklern beider Seiten profitieren Unternehmen und können gleichzeitig sicherstellen, dass der Zulieferer seine nächste Innovation nicht aus Frust der Konkurrenz anbietet.
Mehr Informationen im Internet
• www.einkaeufer-akademie.de
• www.einkaufsnews.de
• www-ec.destatis.de









