(openPR) Lüneburg, 16. November 2007 - Die vor zwei Tagen aufgestoßene Tür zu einem Preisrückgang ist wieder zugeklappt. An den Märkten hat sich ein Patt zwischen Bullen und Bären etabliert. Bei kurzfristiger Betrachtung lässt sich die Situation mit fundamentalen Einflüssen begründen. Die reine Versorgungslage ohne tagesaktuelle Einflüsse gibt das Preisniveau nicht her. Es stützt sich auf eine starke charttechnische Säule. Verbraucher müssen weiter auf ihr Einknicken warten. Der Abwärtstrend des Dollars wird in Frage gestellt, weil eine hohe Inflationsrate in den USA weitere Zinssenkungen zu blockieren droht.
Das Timing für den erhofften Preisverfall war in dieser Woche schlecht. Dem starken Einstieg in den Abstieg am Dienstag hätten umgehend bärische Bestandsdaten folgen müssen. Dann wäre der Fluchtreflex, der den Preisrutsch verursachte, vermutlich erhalten geblieben. Durch die um einen Tag verzögerte Meldung der Daten konnte sich die Panik aber beruhigen mit der Folge, dass die Bullen bereits glattgestellte Positionen wieder öffneten. Als die Bestandszahlen gestern gemeldet wurden, war die Psyche der Marktteilnehmer gefestigt. Und so wurden die Zahlen im Kontext mit bullischen Einflüssen des Tages beurteilt. Im Einzelnen waren das die Prognose unterdurchschnittlich tiefer Temperaturen im Nordosten der USA, eine teilweise Lieferunterbrechung in Nigeria wegen einer zerstörten Pipeline und die Meldung, dass der Aufbau des Atomprogramms im Iran Fortschritte macht.
Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) abgelieferten Daten zu den US-Beständen zeichnen ein konsistentes Bild. Es gibt den Aussagen einen bärischen Wert, der aber durch die genannten bullischen Einflüsse neutralisiert wird. Die Daten lauten wie folgt:
Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,5 (DOE) bzw. 3,9 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 88 Prozent gestiegen. Der Wert ist nach wie vor schwach. Allein die Tatsache eines Anstiegs könnte einen bärischen Einfluss liefern.
Die Vorräte befinden sich auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau. Die kritischen Anmerkungen, die immer wieder kolportiert werden, nennen lediglich den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Das ist ein Vergleich mit einem besonders hohen Bestandsvolumen.
Bärische Impulse werden auch von den jüngsten Reports der IEA (Internationale Energie Agentur) und der OPEC geliefert. Beide Berichte senken die ursprünglichen Verbrauchsprognosen für dieses und für das nächste Jahr. Schließlich spricht die Verfassung der US-Konjunktur ebenfalls für sinkenden Bedarf und damit für sinkende Preise.
Diesen Einflüssen zum Trotz hält sich die spekulative Hoffnung von Investoren, im Ölmarkt bei steigenden Preisen Geld zu verdienen. Die 100-Dollar-Phantasie für das Barrel Rohöl lebt noch. Der hohe Preis bleibt im wesentlichen ein Produkt einer selbst erfüllten Prophezeiung.
Heute Morgen hält sich der Gasölpreis in der Mitte der gestrigen Preisbewegung. Die Tonne kostet 818 $. Zwischen Dienstag und Mittwoch war Gasöl bereits unter die 800-Dollar-Marke gerutscht.
Unsere Heizölpreise ziehen leicht an. Sie befinden sich nahe den Höchstpreisen. Der erhoffte Abgang findet nicht statt. Verbraucher müssen weiter auf den Winterverlauf hoffen, wenn sie günstiger Heizöl kaufen wollen. Diese Hoffnung ist spekulativ. Ein Gesetz für sinkende Preise gibt es nicht. Wir teilen die Idee von einem Preisrückgang während des Winters.
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