(openPR) Der Verlag Edition Viktoria legt nach seinem Programmstart mit dem Inka-Schauspiel "Ollanta" nun mit der neuen deutschen Bearbeitung eines weiteren historisch relevanten Werkes nach: Der aufklärerische Roman "Hayy Ibn Yaqdhan" (Der Lebende, Sohn des Erwachten) des muslimischen Philosophen Ibn Tufail aus der Zeit des ausgehenden 12. Jahrhunderts uZ.
Hintergrund
In der frühen muslimischen Theologie, dem Kalam, kam es schon in den ersten Jahrhunderten der islamischen Zeitrechnung zu einer intensiven Beschäftigung mit der vernunftgemäßen Begründung von Glaubensinhalten. Die Auseinandersetzung mit der Autorität des Argumentes sowie mit aristotelischer und neuplatonischer Philosophie und ihrer Methoden führten zur "Falsafa", der islamischen Philosophie. Für ihre wissenschaftlichen Beiträge in jener Zeit der muslimischen Scholastik sind bis heute unter anderem al-Farabi, Ibn Sina (Avicenna), al-Ghazali oder Ibn Ruschd (Averroes) bekannt.
In dieser Tradition steht auch Ibn Tufail, von dessen Lehre allerdings nicht mehr als der Roman "Hayy Ibn Yaqdhan" erhalten geblieben ist. Dieser fasst dafür umso eindrücklicher den Stand der Wissenschaften jener Zeit und die verschiedenen Positionen in der Diskussion um die Auslegung der religiösen Inhalte des Koran zusammen. Er enthält die philosophische Lehre Ibn Tufails als erzählende Allegorie, die der Autorität der menschlichen Vernunft das Wort redet.
Inhalt
Der Roman beschreibt den stufenweisen Prozess der Erkenntnis des Protagonisten Hayy Ibn Yaqdhan, eines Mannes, der als Säugling auf einer einsamen Insel von einer Gazelle gefunden und aufgezogen wird. Es gibt keine Bücher, keine Eltern, keine Religion, die ihn tradiertes Wissen lehren. Hayy Ibn Yaqdhan kommt durch eigene unbeeinflusste Gedankengänge zum Wissen über die Welt, die richtigen Verhaltensweisen und die Überzeugung der Existenz einer schöpfenden Kraft außerhalb der sinnlich erkennbaren Dinge. Von da an widmet er sich der Gottesschau bis er eines Tages auf Asal trifft, der sich zum Zweck der religiösen Einkehr auf der unbewohnt geglaubten Insel aussetzen ließ ...
"Ibn Tufail hat eine populäre Überlieferung benutzt und sie mit Meisterhand transformiert, um sie seinen spekulativen Absichten zu Diensten zu machen ..." (Gauthier: Hayy Ben Yaqdhan, Beirut, 1936)
Kommentar
Der Kommentar umfasst den historischen Zusammenhang der Ausbreitung des Islam, seine frühen Diskussionen und Schwierigkeiten, seine Denker und deren Positionen. Ebenso findet sich im Anschluss an den Text eine kurze Biografie Ibn Tufails, die Rezeptionsgeschichte des Romans, der in Europa zur Zeit der Aufklärung viel diskutiert wurde, sowie ein Nachwort mit Blick auf den Inhalt als Ansatz für den modernen Diskurs:
"Eine neue Auffassung der Vernunft, die die Paradoxien und Hindernisse der neuzeitlichen Aufklärungsvernunft überwindet [...] könnte für die weitere Begründung einer Säkularisierung, die zur Religiosität weder im Gegensatz noch im Widerspruch stehen muss, auch für den arabisch-islamischen Kontext nützlich sein." (Ben Abdeljelil)
Der Text ist mit kalligrafierten Koranzitaten aus dem Kontext der Erzählung illustriert.
Buchinfo:
Hayy Ibn Yaqdhan. Ein muslimischer Inselroman
von Ibn Tufail (ca. 1175)
J. Ben Abdeljelil, V. Frysak (Hg.)
152 Seiten, Hardcover, 8 Abbildungen (s/w)
Edition Viktoria
ISBN 978-3-902591-01-2
Preis € 20 (A); 19,50 (D)
Ab sofort im Buchhandel oder beim Verlag erhältlich
http://editionviktoria.at/titel/hayyibnyaqdhan.htm
Jameleddine Ben Abdeljelil (Hg.)
ist 1968 in Sousse (Tunesien) geboren und lebt heute mit seiner Frau in Wien. Nach dem Studium der islamischen Theologie an der Universität Zeitouna in Tunis studierte er Philosophie an der Universität Wien. Er promovierte mit einer Arbeit über den Jüdischen Averroismus und arbeitet derzeit als Assistent für Islamwissenschaft und islamische Philosophie am Institut für Orientalistik der Universität Wien. Er ist darüber hinaus Redaktionsmitglied von „Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren“ und Vorstandsmitglied der Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie (WiGiP). Die Bereiche seiner Forschungs- und Publikationstätigkeit umfassen unter anderem: Geschichte der Philosophie, Interkulturelle Philosophie, Postmoderne Philosophie, islamische Philosophie im Mittelalter und rationalistische Ansätze im modernen arabisch-islamischen Denken.
Viktoria Frysak (Hg.)
wurde 1972 in Wien geboren und studierte Philosophie an der Universität Wien. Sie ist Vorstandsmitglied der Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie (WiGiP) und seit 2003 als Verlagsleiterin für einen kleinen österreichischen Belletristikverlag tätig. 2004 erhielt sie den Würdigungspreis des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Mit der Gründung der Edition Viktoria im Jahr 2007 kamen ihre Interessen, ihr wissenschaftliches Engagement und ihr berufliches Können zur Übereinstimmung.







