(openPR) Junge Ordensleute besuchen Annecy und Umgebung
Wenn die Salesianer Don Boscos von ihrem Gründer sprechen, meinen sie damit den italienischen Priester Johannes Bosco (1815–1888), der im 19. Jahrhundert unter der armen und benachteiligten Jugend Turins wirkte. Dieser stellte seine Kongregation, die »Salesianische Gesellschaft – Societas Salesiana«, unter das Patronat des berühmten Genfer Bischofs Franz von Sales (1567–1622), der knapp 200 Jahre vorher gewirkt hatte. Warum wählte Don Bosco diesen Bischof aus dem französisch-savoyischen Adel als Patron? Wie kommt die salesianische Spiritualität im Wirken Don Boscos zum Tragen? Was hat Franz von Sales heute zu sagen?
Diesen Fragen nachzugehen war das Anliegen einer 21-köpfigen Gruppe von Salesianern Don Boscos aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich vom 21. bis zum 27. September 2007 auf den Weg machte, um Franz von Sales an seinen Wirkungsstätten zu begegnen. Den Kern der Gruppe bildeten die in Benediktbeuern studierenden Salesianer, denen sich weitere interessierte Mitbrüder anschlossen, darunter der Provinzial der österreichischen Provinz, Pater Franz Wöß, der auf dieser Fahrt auch seinem Namenspatron auf der Spur war. Angeführt wurde die Mitbrüdergemeinschaft durch das kompetente Leitungsteam mit Pater Reinhard Gesing, der fachkundig und tiefgründig durch Leben, Wirken, Werk und Spiritualität des Hl. Franz von Sales führte, sowie Pater Norbert Wolff, welcher durch seine historischen Darstellungen die Lebenswelt des 16. Jahrhunderts lebendig werden ließ.
Die Gruppe war in Annecy untergebracht. Das am See liegende, von einer wunderbaren Landschaft umsäumte Annecy war der Sitz des Bischofs Franz von Sales, der seine eigentliche, calvinistisch gewordene Bischofsstadt Genf nicht betreten durfte. Der Aufenthalt in Annecy ließ den Teilnehmern den Hauptwirkungsort des Bischofs bewusst werden: bei der Feier der Eucharistie in der Franz-von-Sales-Kirche, in seiner »Bischofskirche«, beim Besuch der »Galerie«, dem ersten Kloster der 1610 von Franz von Sales zusammen mit Johanna Franziska von Chantal gegründeten Heimsuchungsschwestern und in der Basilika hoch über der Stadt, in denen die beiden Heiligen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Nach einer Eucharistiefeier in der Basilika, gemeinsam mit den Heimsuchungsschwestern und der Gemeinde, beantwortete eine Schwester bereitwillig die Fragen der Salesianer und gab so einen Einblick in das Leben des beschaulichen Ordens. Im Geburtsort Thorens besuchte die Gruppe die Stelle, an der das ehemalige Schloss Sales gestanden hatte, sowie die Pfarrkirche, in der Franz getauft und am 8. Dezember 1602 zum Bischof geweiht wurde. Weiter ging es nach La Roche sur Foron, wo Franz seine erste Schulausbildung absolvierte.
Eine Exkursion führte ins Chablais, die Region am Genfer See, in der Franz von Sales als junger Neupriester von 1594 bis 1598 erfolgreich wirkte. Nach seinen Predigten kehrte er seinerzeit zum Schutz der eigenen Person abends in die Burg Allinges zurück. Zu dieser Zeit entstanden auch seine Kontroversschriften: Flugblätter für all jene, die seinen Predigten nicht lauschen konnten oder wollten. Außerdem besuchte die Gruppe Thonon, die Stadt, in der Franz von Sales seinen missionarischen Schwerpunkt hatte. Hier durfte er zwar nicht die Hl. Messe feiern, dafür aber predigen.
Oberhalb des Ortes Talloires am See von Annecy befindet sich die Klause des Hl. Germanus. Franz von Sales wollte sich an seinem Lebensabend in das dortige Kloster, für dessen Erneuerung er sich als Bischof stark gemacht hatte, zurückziehen, um von nun an Gott »mit der Schreibfeder und dem Rosenkranz« zu dienen. Es kam anders. Nach einem stillen Aufenthalt in der Eremitage ging es für die Gruppe weiter nach Genf, um eine thematische Führung durch das »calvinistische Genf« zu genießen. Eine amerikanische Führerin ließ durch ihre lebendige Art das Leben des »Gottesstaates« unter der Führung von Jean Calvin bewusst werden. Besonders beeindruckt zeigten sich die Mitbrüder von der Art und Weise, wie eine Konfession die ganze Gesellschaft und sogar das äußere Erscheinungsbild der Stadt prägen konnte.
Der vorletzte Tag der Reise hatte einen aktuellen Bezug. In Lyon wurde das »Centre Jean Bosco« besucht, ein Bildungszentrum für Laienmitarbeiter in salesianischen Einrichtungen. Hier erfuhr die Gruppe etwas über die Herausforderungen, vor denen die französischen Mitbrüder stehen. Eine Konsequenz des Nachwuchsmangels ist beispielsweise, dass große Verantwortung in die Hände von Laien gelegt wird. In der Krypta der berühmten Wallfahrtskirche und Basilika Notre Dame de Fourvière feierte die Gruppe gemeinsam Eucharistie.
Zu einem Höhepunkt sollte der Tag der Abreise aus Frankreich werden. Bevor es wieder in Richtung Heimat ging, erneuerten die Fahrtteilnehmer am Sarkophag des Franz von Sales ihre Ordensgelübde und versprachen, sich weiterhin für das Wohl der bedürftigen Jugend einzusetzen. Das Fazit eines jungen Salesianers: »Was bleibt, ist sicherlich der Impuls, sich mit Franz von Sales auseinanderzusetzen, weil er auch uns noch vieles zu sagen hat. Dazu gilt der große Dank jenen, welche diese Reise möglich gemacht haben.«
(Text: Stefan Geiger SDB)













