(openPR) Hausen, Oktober 2007 - Samtrot – samtig und rot – so soll sie heißen, die neue Rebsorte. Die Namenstaufe fand vor über einem halben Jahrhundert statt, als sich 1950 in Weinsberg führende Vertreter des Württembergischen Weinbaus mit Weingärtner Hermann Schneider, dem Entdecker der Rebsorte, trafen. Bereits drei Jahre später pflanzte Gerhard Reiner in Hausen an der Zaber die ersten Samtrot-Reben, deren Jungfernertrag er im Jahr 1957 in der Weingärtnergenossenschaft Hausen zum Rotwein ausbaute. Zum Jubiläum wird der Samtrot 2007 im JupiterWeinkeller Hausen an der Zaber e. G. wieder im Holzfass zum Wein ausgebaut.
Als glücklicher Zufall entpuppt sich der Ursprung des 50-jährigen Jubiläums des Samtrot-Ausbaus im JupiterWeinkeller. Damals, im Jahr 1953, waren die Weinberge noch nicht flurbereinigt, die Wege holprig und schlecht zu befahren. Und so kam es, dass der seinerzeit 25-jährige Gerhard Reiner, Weinbauer und Aufsichtsratsmitglied der Weingärtnergenossenschaft in Hausen an der Zaber, dem Wengerter Friedrich Link half, einige Reben in dessen Weinberg-Gewann „Im See“ in Hausen zu transportieren. Die langen, grünen Triebe, die aus den einjährigen Samtrot-Topfreben ragten, sahen anders aus als bei den bisher gepflanzten Reben. Sie weckten das Interesse von Gerhard Reiner. Bei Friedrich Link erkundigte er sich nach der ihm unbekannten Rebsorte Samtrot und beschloss, diese im gleichen Jahr ebenfalls zu pflanzen. Gerhard Reiner zeigte sich als Pionier mit großem Mut, denn als einer der ersten Anbauer der neuen Rebsorte wagte er parallel den Schritt zur neuen Reberziehung, einer Draht-Pfahlanlage. Aufgrund der kalten Winter legten die Winzer die Ruten ihrer Reben bisher jeden Herbst auf den Boden, um sie vor Frost zu schützen. Die damals noch unübliche Draht-Pfahlanlage lies dies nicht mehr zu, und so stieg das Risiko - angesichts erfrorener Reben - im Folgejahr keinen Ertrag ernten zu können. Die neu gepflanzten Weinstöcke von Gerhard Reiner überstanden trotz innovativer Draht-Pfahlanlage die harten, eiskalten Winter. Vier Jahre später erntete der Weingärtner seinen ersten Samtrot-Jahrgang, von dem laut Sitzungsprotokoll des 2. November 1957 in der Vorgängergenossenschaft des JupiterWeinkellers Hausen an der Zaber e. G. 1200 Liter im Holzfass ausgebaut wurden. Es entstand ein vollmundiger, samtiger, feingliedriger, burgunderähnlicher Rotwein. Als positiv werteten die Genossenschaftsmitglieder vor einem halben Jahrhundert dieses Ergebnis der Schwarzriesling-Mutation Samtrot und bepflanzten weitere Flächen mit dieser Rebsorte. Die Flurbereinigungen Ende der 60-er Jahre in der Region Hausen bedingten Neupflanzungen des Samtrot. Einige dieser alten Rebstöcke wachsen noch immer in den Hausener Weinbergen und bringen geeignetes Lesegut hervor. Ein Großteil der Samtrot-Stöcke der Genossenschaft stammt aus den Jahren 1980 bis 1990.
Insgesamt stehen heute beim JupiterWeinkeller Hausen an der Zaber e. G. mit Samtrot 25 Hektar im Ertrag, rund 18 Prozent des gesamten Ertragsflächenanteils der Genossenschaft.
Der JupiterWeinkeller Hausen an der Zaber e. G. baut den Samtrot in unterschiedlichen Weinstilen aus, als Qualitätswein (QbA), Kabinett, Spätlese, Auslese und Beerenauslese sowie als Weißherbst. Im Jubiläumsjahr 2007 reifen handgelesene Samtrot-Trauben wieder im großen Holzfass zu einem Wein heran. Die Qualität dieses Jubiläumsweins, der nach angemessenem Ausbau und längerer Reife voraussichtlich 2008 abgefüllt wird, liegt ohne Zweifel sicherlich deutlich über der vor 50 Jahren. Grund hierfür sind die inzwischen älteren Samtrot-Anlagen, die starke Ertragsreduzierung beim Anbau und eine modernere Kellertechnik beim Ausbau des Weines.
Informationen zur Rebsorte Samtrot und zu ihrem Wein:
Der Name Samtrot macht der Rebsorte alle Ehre, denn der aus ihr entstehende Wein ist im Gaumen samtig und geschmeidig, vollmundig, weich und zart. Von seiner Art her zeigt er sich elegant und fein, in der Farbe tief rubin- bis burgunderrot. In der Nase finden sich häufig Aromanoten von Brombeere, Schwarzkirsche, schwarzer Johannisbeere, Holunder, Rose, Wacholder, schwarzem Pfeffer, Leder, Holzrauch und dunkler Schokolade. In seiner Eleganz und mit einem hohen Lagerungspotenzial gleicht der Samtrot-Wein einem Spätburgunder. Dies erscheint nicht allzu verwunderlich, da die Rebsorte Samtrot als natürliche Mutation des Schwarzrieslings zur Burgunderfamilie zählt. Und doch weist der Samtrot andere Merkmale auf als seine Artgenossen Clevner und Schwarzriesling, die ebenfalls zur Burgunderfamilie gehören. Der Oechslegrad des Samtrot liegt bei der Lese im Vergleich zu den beiden anderen Rebsorten stets etwas höher, Säure und Ertrag fallen dagegen geringer aus.
Der Samtrot erzielt in allen Lagen, in denen Spätburgunder gepflanzt werden können, gute Ergebnisse. Die Trauben sind klein bis mittelgroß und schwarzblau. Die Widerstandskraft der Samtrot-Rebstöcke gegenüber Frühjahrsfrösten ist erheblich größer, selbst nach einem Frost treiben die Beiaugen noch aus und bringen zufriedenstellendes Lesegut hervor. Der Wurmbefall zeigt sich beim Samtrot bei normaler Bekämpfung geringer als beim Schwarzriesling oder Spätburgunder, so dass die durch Wurmbefall entstehende Fäulnis ebenfalls geringer ausfällt und die Trauben länger am Stock reifen können. Ältere Rebanlagen stehen gegenüber dem Schwarzriesling, der frühzeitig altert und im Ertrag und Wachstum zurückfällt, auch nach 13 Jahren noch im normalen Wachstum.
Speziell in der Region um Heilbronn in Württemberg hat sich der Samtrot dank seiner Eigenschaften bei Weingärtnern und Verbrauchern zu einer beliebten, typischen Rebsorte entwickelt. 2006 standen im Weinanbaugebiet Württemberg 372 Hektar mit Samtrot im Ertrag. Außerhalb Württembergs wird die Rebsorte so gut wie nicht angebaut, so dass der Samtrot fast schon zu den autochthonen Rebsorten Württembergs gezählt werden kann.
Speiseempfehlungen:
Schweinebauch, kross gebraten, gefüllt mit Dörrpflaumen;
Rindermedaillon, gebraten, mit schwarzer Johannisbeeressig-Sauce und mit überbackenen Kartoffeln;
Lammrücken, gebraten, mit Provencekräutern;
Hasenragout mit Lebkuchensauce;
Rehkeule, gebraten, mit Preiselbeer-Rotkohl und Rotweinbirne mit Brombeergelee;
Taubenbrust, gebraten, auf Artischocken mit grünem Spargel;
Kartoffelpuffer;
Kässpätzle mit mildem Käse;
Pizza;
Spaghetti Carbonara;
Käse: Gorgonzola, Stilton, Edelpilzkäse;
Pflaumenkompott mit Zimt
Informationen zur Entdeckung und Weiterentwicklung der Rebsorte Samtrot:
Hermann Schneider, Entdecker des Schwarzriesling-Klons Schneider 26/8, erkannte 1928 eine natürliche Mutation aus der Schwarzriesling-Rebe, die später auf den Namen Samtrot getauft wurde. Bis zur Registrierung der Rebsorte Samtrot im Jahr 1950 hatte Hermann Schneider einen langen Weg vor sich. Unzählige Schwarzriesling-Anlagen suchte er kontinuierlich nach veränderten Pflanzen ab, denn er fand heraus, dass diese Rebsorte dazu neigt, natürliche Mutationen hervorzubringen. Der unermüdlichen Arbeit von Hermann Schneider, seinen Beobachtungen und Versuchsanbauten und ist es zu verdanken, dass er den Vorläufer des ersten Samtrot auf einem Weinberg in Heilbronn entdeckte. Die damaligen Anerkennungskommissionen der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V.) waren sehr streng, und so musste der Weingärtner, auf dessen Grund der Rebstock entdeckt wurde, im Beisein der Kommission den Stock sofort abschneiden.
Einige Jahre später, 1928, fiel Hermann Schneider erneut bei einer Rebanerkennung in einem Heilbronner Weinberg ein Stock mit einem einzigen mutierenden Trieb ins Auge. Das Holz wurde diesmal abgeschnitten und vermehrt. Schon bald zeigte sich, dass eine natürliche Genmutation vorlag: Das gesamte Holz des Stockes brachte Mutanten-Nachkommen hervor, nicht nur das Holz des mutierten Triebes. Eine neue, selbständige Sorte – der spätere Samtrot - hatte sich entwickelt. Hermann Schneider erforschte ab diesem Tag in jahrelanger Arbeit die Eigenschaften der neuen Rebsorte sowohl im An- als auch im Ausbau.
1937 kam die Mutation mit 1.100 Stock in Gundelsheim auf Muschelkalkboden in die Hauptprüfung und bereits zwei Jahre später konnte der Wein in größeren Gebinden ausgebaut werden. Gegenüber dem Schwarzriesling 26/8 und dem besten Klon der Spätburgunder-Sorte (Klon 67) übertraf die Ertragsmenge der Mutation nach Frühjahrsfrösten die der beiden anderen Rebsorten. In der Qualität des Weins lag die neue Rebsorte über dem Schwarzriesling und kam dem Spätburgunder sehr nah. Durch den Krieg gingen die detaillierten Versuchsergebnisse bis einschließlich 1941 verloren, sie liegen erst wieder ab 1948 vor.
1950 taufte Ernst Klenk (1948 – 1970 Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg) im Beisein von führenden Vertretern des Württembergischen Weinbaus die Rebsorte, die bisher unter der Zuchtbezeichnung „Mutation“ erfasst war, auf den Namen „Samtrot“ und übergab sie der Praxis zum offiziellen Anbau.
Ende der 60-er Jahre stellte sich heraus, dass die Erträge des Samtrots aufgrund weiterer Eigenmutationen dramatisch zurückgingen. Im Auftrag des Weinbauverbands Heilbronn bildete sich eine Selektionsgruppe Samtrot, die eine intensive Auswahl noch vorhandener Rebstöcke vornahm und diese über drei Jahre hinweg beobachtete. Lediglich zwölf Stöcke Samtrot blieben anhand der Selektionskriterien übrig, aus ihnen wurden 60 Reben geschnitten, so dass im Frühjahr 1971 ca. 300 Pfropfreben zur Verfügung standen. Gut 30 Jahre später wurden aufgrund der gestiegenen Nachfrage an die 23.000 Pfropfreben innerhalb eines Jahres gezogen.
Der Samtrot wird seit dem Jahr 2004 im Deutschen Weinbaujahrbuch nicht mehr einzeln aufgeführt, sondern beim Spätburgunder mitgerechnet, da nach dem Bundessortenamt die Rebsorte Samtrot als Klon des Spätburgunders bewertet wird. In Württemberg hingegen gilt der Samtrot als eigene Sorte und wird weiterhin separat in Statistiken geführt.
Unternehmenskontakt:
JupiterWeinkeller Hausen an der Zaber e. G.
Daniel Schäufele, Kelterstr. 2, D-74336 Brackenheim-Hausen
Tel.: +49 7135 97421-0, Fax: +49 7135 97421-90,
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