(openPR) Lüneburg, 17.07.2007 - Die Aufwärtstrends der Rohölpreise stehen stabil. Bei den Produkten liegt ein uneinheitliches Bild vor. Während Benzin in den USA erdrutschartig nachgibt und Heizöl der Vorgabe mit etwas Abstand zu folgen scheint, zeigt Gasöl in Europa nur mäßigen Abwärtsdrang. Die Entspannung der Produktenpreise wird einer geläuterten Sichtweise der Raffinerieproblematik zugeschrieben. Den Rohölpreisen bleibt der Auftrieb wegen einer Warnung der IEA (Internationale Energieagentur) vor Engpässen erhalten. Der Dollar dümpelt nahe des Allzeittiefs gegenüber dem Euro. Der Handel verläuft aktuell ohne Inspiration.
Zu den genannten Preisbewegungen gibt es Hintergründiges zu berichten. Die insbesondere im Frühjahr in heftige Kritik geratene US-Raffinerieschwäche wird kaum noch als solche empfunden. Die miserable Verfügbarkeit, sie ist ein Zeichen für den teilweise heruntergekommenen Zustand der Anlagen, hat sich nach diverseren Revisionen verbessert. Dieser Umstand nimmt den Marktteilnehmern, deren Blick auf die USA fokussiert ist, bullischen Wind aus den Segeln. Weitreichender als die Sicht auf die USA ist aber ein Schwenk nach Japan. Dort leidet die Raffineriebranche bereits an deutlichem Margenverlust als Folge eines Überangebots. Hierfür sind die sinkende Benzinnachfrage und Überkapazitäten der Raffinerien verantwortlich. Es wurden bereits über zehn Prozent der Kapazitäten stillgelegt. Dennoch gibt es bezogen auf den japanischen Markt weiterhin zuviel Verarbeitungskapazität. Die Nachfrage nach Öl ist in Japan seit 2000 tendenziell rückläufig. In 2006 wurden 3,7 Prozent weniger Ölprodukte nachgefragt als ein Jahr zuvor. Ein Szenario im Stile Japans wird von der Führung der ExxonMobil auch für die USA befürchtet. Nicht zuletzt aus diesem Grund, so wird verkündet, sei es zu der Zurückhaltung beim Bau neuer Raffineriekapazitäten in den USA gekommen.
Nach 2015 soll die Benzinnachfrage in den USA erheblich sinken. Bis dahin werden sparsame Autos den Markt erobert haben. Somit wäre ein wirtschaftlicher Betrieb einer Raffinerie nicht mehr möglich. Die Investition in eine Raffinerie wird über zehn bis zwanzig Jahre abgeschrieben. Weltweit werden Verarbeitungskapazitäten aufgebaut. Letzteres gilt besonders für den Nahen Osten. Dort verbindet man mit dem Verkauf von Produkten offensichtlich bessere wirtschaftliche Chancen.
Die IEA warnt vor einer Angebotsverknappung ab dem Jahr 2012. Zwar liegt der Zeitpunkt in einiger Ferne. Somit erscheint es nicht eben logisch, dass die Warnung an der Börse höher bewertet wird als die Tatsache, dass augenblicklich eine gute Versorgungslage vorliegt. Aber die Warnung trifft auf eine latente Sensibilität in Fachkreisen. Diese wird mit dem Begriff Peak Oil umschrieben und meint den Moment, an dem die maximal mögliche Förderung erreicht ist. Über diesen Moment wird spekuliert. Fachleute sehen ihn irgendwann zwischen 2006 und 2025, wobei die Mehrheit den Zeitraum 2010 bis 2012 nennt. Die Äußerungen der IEA können als ein Hinweis auf eine eigene Schätzung des Peak Oil Moments verstanden werden. Begründet wird der Ausblick mit einem gewichtigen Mehrbedarf Chinas und einem mangelhaften Vermögen zur Produktionssteigerung durch die starken OPEC-Länder. Mineralölgesellschaften wie BP, ExxonMobil und Shell teilen die genannte Einschätzung nicht. Sie sehen Peak Oil deutlich später, Shell beispielsweise nach 2025.
Es wird spekuliert, dass die IEA die Industrieländer mit ihrer Äußerung zu einem Umdenken der Energiepolitik bewegen will. Dabei sollen sowohl alternative Energien als auch Effizienzsteigerungen eine erhebliche Rolle spielen. Kritisch steht man allerdings den Biokraftstoffen gegenüber. Diesen wird keine nennenswerte Verbesserung der Umweltbilanz gegenüber mineralischem Kraftstoff zugestanden. Außerdem führen sie bereits heute zur Verteuerung von Lebensmitteln. Die größten Effekte für Kosten und Umwelt werden der Effizienzsteigerung zugeschrieben.
Die großen Spekulanten setzen ihren bullisch motivierten Drang in den Öl- und Energiemarkt fort. Das Engagement bei Rohöl hat erneut ein historisches Hoch erreicht. Gleiches gilt für den Überhang auf Kontrakte für steigende Preise. Bullisches Treiben schließt fallende Preise nicht aus, wie gestern deutlich wurde. Heute Morgen hat sich der heftige Preisrückgang beruhigt. Die Tonne Gasöl kostet 642 $.
Unsere Heizölpreise geben nach. Das deckt sich mit dem Weltmarktgeschehen und passt zu der nach wie vor dürftigen Nachfrage in Binnenmarkt. Immerhin gelang es den Mineralölgesellschaften ihre zumindest auf Heizöl bezogen schlechte Margenlage zu verbessern, indem man den Brennstoff sogar aus den südlichen Landesteilen exportierte. Dadurch stiegen die Preise insbesondere in Bayern spürbar an. Solche Möglichkeit hat der Mineralölhandeln kaum, so dass er weiter hart um Kunden ringt. In Deutschland betrug der Absatzrückgang von leichtem Heizöl im ersten Halbjahr übrigens über 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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