(openPR) Stehen sich die Erzeugung von Bioenergie und die Produktion von Lebensmitteln angesichts der aktuellen Diskussion als gleichberechtigte Partner und/oder als widerstreitende Positionen gegenüber? Dieser Frage versuchte die SGS Germany GmbH, der weltweit größte Warenprüfkonzern, in einer Kundenveranstaltung auf dem Hof Seggewisch im Landkreis Vechta, im Zentrum der deutschen Veredlungswirtschaft, für 170 SGS- und SGS-Institut Fresenius Kunden so-wie Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung nachzugehen.
In seinem Eingangsreferat beleuchtete Professor Dr. Hans-Wilhelm Windhorst (ISPA der Hochschule Vechta) die strategischen, ökologischen, ökonomischen und psychologischen Ar-gumente für die Bioenergieerzeugung. Politische Forderungen, der Bedarf an Energie liefernden Pflanzen und die hierfür benötigten Ackerflächen wurden einander gegenüber gestellt. Drastische Wachstumsraten beim Bedarf an Ackerflächen für die verschiedenen Bioenergien konnten sehr anschaulich für die USA und die EU hergeleitet werden, insbesondere wurde deutlich, dass im internationalen Vergleich Deutschland eine Topposition in Produktion und Einsatz alternativer Energien einnimmt.
Unter Zugrundelegung der von Bundesumweltminister Gabriel genannten Zielgrößen für die Erzeugung von Biokraftstoffen konnte Herr Prof. Windhorst einen Fehlbedarf in Deutschland von 4,2 Mio. ha Ackerfläche oder 35 % herleiten und machte damit auf die unrealistischen For-derungen der Politik aufmerksam. Dabei wurden die Flächenansprüche für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion noch nicht einmal berücksichtigt.
Nach Abwägung der verschiedenen Faktoren sind für Prof. Windhorst durch die sich abzeich-nende Ausweitung der Bioenergieproduktion folgende positive Auswirkungen zu erwarten:
• Die Importabhängigkeit der Industriestaaten von den Öl exportierenden Staaten wird verringert.
• Eine Minderung der Bedrohung der globalen Erwärmung ist zu erwarten.
• Neue Technologien werden initiiert, z. B. BtL oder FFV (flexible fuel vehicles).
• Neue Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie für Bioenergieanlagen werden geschaffen.
• Eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Einkommen, zumindest bei den Getreidebauern ist wahrscheinlich.
Aber auch die negativen Auswirkungen der Ausweitung wurden von Prof. Windhorst angemahnt:
• Reduzierte Anbauflächen für Brot und Futtergetreide.
• Erhöhung der Produktionskosten in der tierischen Produktion.
• Kosten für Nahrungsmittel werden insgesamt steigen, was insbesondere zu Lasten der Entwicklungsländer gehen dürfte.
• In den Zentren der tierischen Veredelungswirtschaft kommt es zu einem “Kampf um die Fläche”, d. h. höhere Boden- und Pachtpreise sind die Folge.
• Rodungen der tropischen Regenwälder, Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten, Bodenverdichtung und Grundwassergefährdung führen zu ökologischen Problemen.
In seinem abschließenden Statement zitierte er die Redaktion der Financial Times (Christian Schütte) mit den Worten: „….Lediglich eine nüchterne Diskussion über den Umfang des Ressourceneinsatzes zur Risikovorsorge, eine effizient organisierte Emissionsminderung und die sinnreiche Verbindung mit anderen politischen Zielen kann die Energieversorgung sichern, um von den Launen einiger Öl- und Gaspotentaten möglichst unabhängig zu sein“.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde kaleidoskopartig die Vielschichtigkeit und Be-troffenheit durch die Bioenergieerzeugung deutlich, wie die folgenden Statements der Teilneh-mer zeigten:
Franz-Josef Möllers (Präsident WLV/Vizepräsident DBV): Die Nahrungsmittelproduktion wird auch in Zukunft absolute Priorität haben, die Bioenergieerzeugung bringt zusätzlich mehr unter-nehmerische Entscheidungsfreiheit. Kurzzeitige politische Marktbeeinflussung ist gefährlich
Dr. Matthias Nachtmann (BASF Pflanzenbiotechnologie): Die Pflanzenbiotechnologie bietet einen schnellen und spezifischen Weg zu neuen Sorten. Die dadurch möglichen Ertragssteige-rungen helfen, Flächennutzungskonflikte zu entschärfen.
Dr. Klaus-Dieter Schumacher (Töpfer International): Die Nachfrage nach Getreide und Ölsaa-ten nimmt weltweit kräftig zu – sowohl für Lebens- und Futtermittel als auch für Bioenergie. Eine Flächenkonkurrenz zwischen den Verwendungsrichtungen muss und kann vermieden werden.
Dr. Heinz Schweer (VION Zeven AG): Bei Einhaltung der EU-Zielgrößen werden soviel Produk-tionsflächen für NAWARO benötigt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Veredlung einschließ-lich der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe in Frage gestellt ist. Ein bisschen Unabhängigkeit der Energie geht auf Kosten einer größeren Abhängigkeit bei Nahrungsmitteln.
Paul-Heinz Wesjohann (Lohmann & Co. AG – Wiesenhof): Der Nahrungsmittelwirtschaft wird nicht die Grundlage entzogen, sondern die Konkurrenz um Flächen nimmt zu und führt auf den Nahrungsmittelmärkten zu Verknappungen und Preiserhöhungen. Den Energiemärkten bringt der Bioenergieboom aber nur wenig Entlastung: Um weitere 10 % des Energiebedarfs durch Biomasse zu decken, bräuchte man 20 % der weltweiten Ackerfläche.
Dr. Dorit Böckmann (SGS-Germany GmbH): Die Biomasseproduktion wird für die Primärpro-duktion zur größten Herausforderung der nächsten Jahre, damit der bestehende Konflikt zwischen Nahrung und Bioenergie gelöst werden kann. Unabhängige qualitätssichernde Maßnah-men sind eine Option, politische und gesellschaftliche Akzeptanz für Ertragssteigerungen durch Biotechnologie zu erlangen.
Während SGS- Institut Fresenius an den Standorten Emstek, Hamburg und Taunusstein in den vergangenen 3 Jahren überwiegend Dienstleistungen und Kunden „from stable to table“ bediente, machte sie mit dieser Veranstaltung deutlich, dass sie sich für die Herausforderungen des Marktes entlang der Wertschöpfungskette „from field to fuel“ gut gerüstet sieht. Dies machten GF Matthias Oppermann und Agri-Direktorin Dr. Dorit Böckmann 170 Gästen aus den Bran-chen Lebensmittelproduktion, Zulieferer und Vermarkter der lebensmittelproduzierenden Unter-nehmen, Betreiber und Zulieferer der Bioenergiebranche und den großen nationalen und inter-nationalen Agrar- und Futtermittelhandelsunternehmen mit der gelungenen Veranstaltung deutlich.
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Seit 1920 existiert SGS in Deutschland. Hauptsitz ist in Taunusstein (Frankfurt/M) - von Nord bis Süd, von Ost bis West ist SGS bundesweit präsent: in knapp 30 Niederlassungen und Laboren sind rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt.
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Inspektionsservice: SGS inspiziert und überprüft die Qualität und Quantität von Handelswaren.











