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High-Tech gegen Markenpiraterie

(openPR) Fälschungen sind ein ernstes Problem, auch wenn die Fachleute über die Höhe des Schadens streiten. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission entfallen zwischen fünf und neun Prozent des Welthandels auf Falsifikate, das entspricht einem Wert zwischen 340 und 600 Milliarden Euro. Nach einer neuen Studie geht die OECD „nur“ noch von 135 Milliarden Euro aus – schlimm genug, sollte man meinen, weil es nicht nur um den Warenwert geht, sondern auch um Arbeitsplätze und Verbrauchersicherheit. Denn kopiert wird alles, was Geld bringt, also auch Medikamente, Werkzeuge oder Flugzeug- und Maschinenteile, die dann nicht den eigentlichen Spezifikationen entsprechen und so zur Gefahr für den Anwender werden.



Vor diesem Hintergrund werden Lösungen zum Marken- und Produktschutz immer wichtiger. Das Unternehmen 3M (Hauptsitz St. Paul, Minnesota) zählt hier zu den weltweit führenden Anbietern und hat einen ganzen Baukasten innovativer Möglichkeiten entwickelt, die nicht zuletzt auf den besonderen Kenntnissen bei Folien und Klebstoffen aufbauen. „Wir haben in unserem Portfolio weit über 2.000 unterschiedliche Folien und mehr als 1.000 Klebstoffe, zudem können wir 30 Technologieplattformen von der Mikrostrukturierung bis zur Nanotechnologie nutzen“, betont Jörg Biermann, Manager 3M Security Market Center in Neuss, wo der Konzern sein europäisches Forschungszentrum betreibt.

Noch vor einiger Zeit galten Hologramme als Mittel der Wahl, um geistiges Eigentum wie Patente und Designrechte zu schützen, auf denen Markenprodukte beruhen. Doch inzwischen gibt es weltweit 1.600 Hersteller für die dreidimensionalen Abbilder, 250 allein in China. „Selbst ein gutes Hologramm hat heute eine Halbwertszeit von nur noch sieben Tagen“, weiß Experte Biermann. Ein Grund mehr für die Weiterentwicklung dieser Technologie. Zu den neuen Lösungen mit zusätzlichem Sicherheitsmerkmal zählen die auch DOVID (Diffractive Optically Variable Image Device) genannten Prägehologramme. Hier wird die Darstellung von Reliefstrukturen mit einem besonderen Algorithmus per Computer berechnet. Im Ergebnis wird eingestrahltes Licht in eine oder mehrere gewünschte Richtungen gebeugt.

Eine weitere Möglichkeit bieten Folien, die einen Farbkippeffekt zeigen. Je nach Blickwinkel wechseln entsprechende Etiketten, definiert die Farbe von grün zu gelb, von transparent zu blau oder von rot zu schwarz. Die ganze Palette verrät 3M nicht, um für künftige Kunden weitere Varianten im Ärmel zu haben. Nachmachen lassen sich diese besonderen Filme nicht, weil sie aus bis zu 400 Einzelschichten bestehen. Ihre Fertigung erfolgt unter starken Sicherheitsvorkehrungen im texanischen Brownwood – einem verschlafenen Nest im Nirgendwo, in dem jeder Fremde sofort auffällt.

Apropos auffällig oder unauffällig – gerade bei Schutzmerkmalen macht es häufig die Mischung. „Wir benötigen auf jeden Fall Kennzeichnungen, die sich einfach und dennoch eindeutig bestimmen lassen. Wir können ja schlecht an einem Karton oder Container mit einem Elektronenmikroskop arbeiten“, so Arne Petrick, Sprecher des Hamburger Zolls. Eine Möglichkeit in diesem Sinne ist das Confirm Label von 3M, das wie ein normaler Aufkleber aussieht und seine versteckte retroreflektierende Kennzeichnung erst unter dem gebündelten Licht einer Speziallampe offenbart. „Wir sind stolz darauf, dass dieses Material noch nie erfolgreich gefälscht worden ist, seitdem es auf dem Markt ist“, freut sich Dr. Robert Heinz, Entwickler im Bereich Produktsicherheit von 3M.

Das gilt auch für die neueste Entwicklung aus den 3M-Labors, das unter der Bezeichnung Floating Image vermarktet wird. Dabei handelt es sich um ein dreidimensionales Bild, das sich bei Veränderung des Blickwinkels hin- und herbewegt bzw. auftaucht und verschwindet. Der dynamische Blickfang kann individuell gestaltet werden und bietet Markenherstellern und Lizenznehmern eine wirkungsvolle Schutzmöglichkeit. Erstmals wurde diese innovative Lösung für den australischen Reisepass genutzt, der auf diese Weise über ein hüpfendes Känguru verfügt. Der Kunde kann sogar definieren, ob das Feature auf den Betrachter zuspringen oder von ihm fortweichen soll. Dabei lassen sich sogar Firmenlogos verwenden, die entsprechend stilisiert werden, wobei fließende Linien die Darstellung deutlich erleichtern. 3M verwendet für die Realisierung dieses Sicherheitsmerkmals ein spezielles Druckverfahren, das grundsätzlich mit der Confirm-Technik kombiniert wird.

Erst kürzlich hat das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK, Berlin) die Studie „Marken- und Produktpiraterie 2006“ vorgelegt, für die 7.000 Unternehmen im deutschsprachigen Raum befragt wurden. Erschreckendes Fazit: Zwei Drittel dieser Firmen waren von Schutzrechtsverletzungen bereits selbst betroffen. „Derzeitige Verteidigungsstrategien versuchen mit mäßigem Erfolg ihre Rechte juristisch zu sichern. Für die Zukunft wird technologischen Schutzinstrumenten das größte Lösungspotenzial bescheinigt“, resümiert Dr. Bertram Nickolay vom IPK. Bedenklich ist, dass enorme Defizite beim Einsatz von Abwehrtechnologien bestehen.
3M ist in jedem Fall für eine stärkere Nachfrage gerüstet. Das vorhandene Instrumentarium ist beliebig kombinier- und ausbaubar. „Gerade mit unseren zahlreichen Technologien haben wir die Chance, den Fälschern immer einen Zug voraus zu sein“, so Biermann. Besonders effektiv ist die gemeinsame Anwendung von verdeckten und sichtbaren Sicherheitsmerkmalen. Dabei bietet 3M für jeden Kunden eine individuelle, maßgeschneiderte Lösung mit Technologien, die nicht im Handel erhältlich sind. Für die Hamburger Zöllner wäre ein flächendeckender Einsatz von wirksamen Schutzeinrichtungen sicherlich von Vorteil. Denn dann könnten sie noch mehr der Waren überprüfen, die in rund 9,5 Millionen Containern dieses Jahr die Elbe herauf schwimmen.
Rolf Froböse

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