(openPR) Zu der Tatsache, dass die in Oppenheim geplante Hochwasserschutzmauer vom Verlauf her nun endgültig so erstellt werden soll, dass die Rettungsstation der DLRG Oppenheim – und auch der Kanuclub – nicht einbezogen werden, sondern „ins Hochwasser gemauert“ werden, veröffentlicht die DLRG Oppenheim, die folgende Presseerklärung.
Sachlage: Nach den Plänen der SGD Süd, die für die Planung der Hochwasserschutzmaßnahme in Oppenheim zuständig ist, und mit Billigung der Landesregierung Rheinland-Pfalz, soll die zukünftige Hochwasserschutzmauer in Oppenheim im Bereich der beiden Vereinsheime der DLRG Oppenheim und des Kanuclubs Oppenheim entlang der B9 verlaufen. Damit werden beide Anwesen als einzige Gebäude in Oppenheim nicht in den Hochwasserschutz einbezogen, sondern viel eher in ein schweres Hochwasser „hinein gemauert“. Begründet wird dies seitens der SGD und der Landesregierung mit Mehrkosten von rund 180.000 €. Wünschenswert und von der DLRG und dem Kanuclub intensiv angestrebt ist der Verlauf der Mauer hinter beiden Gebäuden. Bei einem Verlauf entlang der B9 würden im Hochwasserfall die entsprechenden Durchfahrten in der Mauer dicht geschlossen. Dann stehen die Häuser für die Dauer des Hochwassers voll im Wasser, sind für Fahrzeuge unerreichbar. Sollte die Schutzmauer den Wassereinstau erhöhen, als dies ohne die Mauer der Fall wäre, werden die Gebäude entsprechend schwere Schäden davon tragen.
Bewertung: Beide Vereine leisten mit zahlreichen ehrenamtlich engagierten Mitgliedern, intensiver Jugendarbeit, sportliche Betätigungsfeldern und zahlreichen anderen Angeboten einen umfassenden Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Oppenheim und tragen wie andere Vereine auch dazu bei, Oppenheim und die Region attraktiv zu machen.
Die DLRG Oppenheim ist als aktive und leistungsstarke Wasserrettungsorganisation zudem in lokale und regionale Rettungsaufgaben und den erweiterten Katastrophenschutz eingebunden. Durch die Lage am Hafen und die Nähe zum Rhein stellt die Rettungsstation eine optimale Ausgangsbasis für jegliche Wasserrettungseinsätze dar. Die DLRG ist gerade im Hochwasserfall durch das verfügbare Material und die zahlreichen hoch qualifizierten Mitarbeiter für den Einsatz und die Hilfeleistung für die betroffene Bevölkerung prädestiniert. In der Rettungsstation am Oppenheimer Hafen stehen drei Zugfahrzeuge, zwei Rettungsboote und unzähliges Material, von der Tauchausrüstung und weiterem technischen Gerät, über die persönliche Schutzausstattung der ehrenamtlich engagierten Rettungsdienstler bis hin zu Sanitätsmaterial. Das gesamte Material steht dort jederzeit voll einsatzbereit, die Fahrzeuge müssen nur mit Personal besetzt werden und können sofort ausrücken. Zudem ist in dem Gebäude auch die Funkzentrale und Leitstelle, von der aus die Koordination der eingesetzten Kräfte erfolgt, untergebracht.
Verläuft die Hochwasserschutzmauer jedoch wie geplant entlang der B9, dann wird die DLRG gerade im Hochwasserfall dieser wertvollen Basis beraubt! Denn im Hochwasserfall werden die Durchfahrten in der Schutzmauer wasserdicht verriegelt. Andreas Lerg, zweiter Vorsitzender der DLRG Oppenheim verdeutlicht die Konsequenzen: „Mit der geplanten Hochwassermauer müssten wir im Hochwasserfall alle Fahrzeuge, Boote und das gesamte Material schon vorzeitig ‚evakuieren’ und irgendwo kreuz und quer in Oppenheim verteilt unterbringen. Wir wären auf private oder öffentliche Stellplätze und Unterbringungsmöglichkeiten angewiesen. Das wir auf diese Weise nicht mehr schnell und effizient in den Einsatz ausrücken können – wenn überhaupt noch - liegt auf der Hand! Die Tatsache, dass wir eine Einsatzzentrale haben, von der man mit ausgerüsteten Fahrzeugen und Personen effizient operieren und ausrücken kann, ist damit vollständig ad absurdum geführt. Unsere Einsatzstärke, die wir ehrenamtlich und zum Wohle Oppenheims und der Region und Bürger gerade im Hochwasserfalle aufbieten können, wird dann wesentlich geschwächt!“
Die DLRG hat im Jahre 2006 mit weit über 27.000 € viel Geld und auch sehr viel Eigenleistung in die Sanierung des Daches des Gebäudes gesteckt. Im Verlauf der vergangenen Jahre sind durch Eigenleistung der Mitglieder viele Rennovierungsmaßnahmen und Ausbauarbeiten umgesetzt worden. Die Ludwig Schnecko-Station wird aktiv für das Vereinsleben genutzt, von der Ausbildungs- und Schulungstätigkeit, über die Treffen der sehr aktiven Jugendgruppe und Vorstandssitzungen bis hin zu Feierlichkeiten. Der Kanuclub könnte sicherlich ähnliches aufzählen. Ein Hochwasserschaden würde das Gebäude auch in dieser Hinsicht unbrauchbar machen. Wie sich die Entscheidung bezüglich der Hochwassermauer auf die Moral und Motivation der Mitglieder auswirkt, kann man sich sicherlich vorstellen. Würde die Mauer hinter den Vereinsheimen der DLRG und des Kanuclubs verlaufen und beide somit in den Genuss des Hochwasserschutzes kommen lassen, wäre das nicht nur eine echte Anerkennung des Ehrenamtes, sondern würde auch zur Zukunftssicherheit beider Vereine beitragen.
Eberhard Ehret, Vorsitzender der DLRG Oppenheim bewertet die Reaktionen seitens der Landesregierung, seitens des Ministerpräsidenten Kurt Beck und der politischen Landesvertreter wie folgt: „Für mich hat es den Anschein, dass die Politik vor allem dann hinter dem Ehrenamt und Vereinen wie der DLRG steht, wenn man dies mit Lippenbekenntnissen und schönen Worten schnell und bequem tun kann. Wenn es einmal wirklich gilt und die Unterstützung ehrenamtlichen sozialen Engagements und auch einer aktiven freiwillig-ehrenamtlichen Rettungsorganisation mehr als nur Worte benötigt, dann lassen ‚wirtschaftliche Abwägungen’ dieses Engagement sehr schnell ersterben! Dann spielt das Ehrenamt keine Rolle mehr und auch die Tatsache, dass man eine Rettungsorganisation, die gerade auch im Hochwasserfall wertvolle Hilfe leistet, nachhaltig schwächt, scheint irrelevant zu sein. Die Politik hätte hier die Chance, diesen schönen Worten konkrete Taten folgen zu lassen und die Förderung des Ehrenamtes und die Unterstützung einer von freiwilligem Engagement getragenen Rettungsorganisation nachhaltig unter Beweis zu stellen. Aber dafür scheint man nicht investieren zu wollen. Wir sind über diese Entwicklung sehr bestürzt und enttäuscht!“
Einige statistische Zahlen
Im Jahr 2006 leistete die DLRG insgesamt 9427 Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Geht man von einem normalen Arbeiter mit einem achtstündigen Arbeitstag und 5 Arbeitstagen pro Woche sowie einem Jahresurlaub von fünf Wochen aus, so müsste dieser Arbeiten rund 5 Jahre arbeiten, um dieselbe Stundenleistung zu erbringen. Rechnet man für diesen Arbeiter einen Stundenlohn von 12 Euro, dann hätte die DLRG mit diesen 9427 Stunden eine Geldwert von 113.124 € erwirtschaftet! Nachfolgend eine Aufstellung dieser Zahlen für die letzten vier Jahre, in denen die DLRG einen Geldwert von zusammen 411.036 € durch ehrenamtliches Engagement erwirtschaftet hätte, wenn man abermals das Beispiel des Arbeiters bemüht, der dafür knapp 18 Jahre hätte arbeiten müssen.
Jahr 2003 2004 2005 2006
Stunden 5176 10136 9514 9427
Geldwert 62.112 € 121.632 € 114.168 € 113.124 €











