(openPR) SP: Herr Thiesen – würden Sie sagen Ihr Buch ist ein Erfolg?
ST: Da ist die Frage, wie man Erfolg misst. Finanziell ist es sicher kein großer Erfolg – es sind seit dem Erscheinen vielleicht 1000 Stück verkauft worden. Aber was die Wirkung angeht – da bin ich schon manchmal überrascht.
SP: Das Buch spannt einen recht weiten Bogen. Was wollen Sie aussagen?
ST: Also – ich halte nicht viel davon, mein eigenes Buch im Nachhinein zu interpretieren. Vieles würde ich heute anders schreiben. Das Buch entstand vor dem 11ten September. Seitdem hat sich doch einiges auf der Welt geändert.
SP: Auf der anderen Seite ist es doch sehr aktuell. Bedenkt man den Teil mit den Glastürmen – das hat doch etwas fast schon prophetisches an sich.
ST: Nun. Ja. Aber in Rabenwelt übernehmen die Glastürme ja quasi die Macht. Sie stürzen nicht ein.
SP: Das nicht – aber sie werden zu einem seelenlosem Selbstzweck, der die Existenz der Welt bedroht.
ST: Das Geld wird zum Selbstzweck.
SP: Und die Türme sind das Symbol dafür. Sehen sie das heute noch immer so?
ST: Absolut. Ja. Mehr als je zuvor. Das meiste was wir tun ist von vorne bis hinten vollkommen sinnlos. Unsere Zivilisation ist größtenteils mit der massenhaften Produktion von völligen Überflüssigkeiten beschäftigt.
SP: Und wie kann man das ändern?
ST: Gar nicht. Die Menschen müssten geändert werden, und jeder Versuch Menschen zu ändern hat bisher immer zu etwas noch Schlimmerem geführt. Es gibt wunderbare Arbeiten die entlarven, wie blind Menschen sind. Etwa das Buch „Die Blindheit der Gesellschaft“ oder auch das Buch „Lebenslügen“ – auf Englisch treffender Weise „Vital Lies“ . Ich habe für mich selber unsere Spezies in „Homo Sapiens Potentialis“ umgetauft. Potentiell vernunftbegabt. Weil vernünftig verhalten wir uns nur sehr selten. Sehen Sie – selbst wenn wir wissen, dass uns Rauchen und Trinken umbringt, tun wir es dennoch. Obwohl wir wissen, dass unsere Wirtschaftsform die Erde zerstören wird und die drohende Energiekrise ein Riesen Chaos auslösen wird – tun wir nichts. Wir haben Apparate geschaffen, die völlig ohne uns funktionieren würden – und möglicherweise werden. Sofern es genügend Brenn- und Schmierstoffe geben wird.
SP: Das war auch in Rabenwelt ein Thema – dass die Strukturen, die von den Menschen geschaffen wurden, auch ohne Menschen weiterfunktionieren könnten.
ST: Ja – und sie sogar abschaffen. Genau.
SP: Was sind die Auswege?
ST: Auswege? Das weiß ich nicht. Ich bin Schriftsteller und Naturwissenschaftler. Ich arbeite in einer selbstverwalteten Solartechnikfirma, weil ich dort das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun und einen Beitrag leisten zu können, der Mensch und Umwelt nicht noch mehr schädigt. Ich kann Dinge sehen und Menschen darauf hinweisen. Ich kann sie aber nicht unbedingt besser machen. Wenn ich ein schlechtes Bild erkenne, kann ich deshalb auch nicht ein besseres malen.
SP: Weshalb der Titel Rabenwelt?
ST: Der Rabe ist sehr Symbolträchtig. Das wirkt auf mehreren Ebenen. Der dunkel Unglücksbringer. Aber auch die mythischen Raben in den indianischen Mythologien die eher Wächter sind, aber auch Gaukler und Frechdachse. Oder der nordische Mythos von den Raben Hunin und Munin – Weisheit und Erinnerung. Raben sind in gewisser Weise auch Zwischenwesen – hochintelligent, aber dennoch natürlich. Auf Englisch bedeutet daneben „ravenous“ auch „gierig“. Ein Aspekt ist, dass wir eine Welt geschaffen haben, in der hemmungslose Gier der zentrale Motor ist. Wachstum, Zinswirtschaft etc. Das ist eine Giermaschine.
SP: Was soll man von dem mystischen oder esoterisch anmutenden Elementen halten?
ST: Das überlasse ich dem Leser selbst.
SP: Verliert das Buch nicht an Seriösität dadurch?
ST: Wer sagt denn, das das Buch seriös sein soll? Aber – nein. Einerseits ist vieles symbolisch. Andererseits – es ist ein Kontrast. Rasmus, der knallhart naturwissenschaftlich denkt, muss erkennen, dass es viel mehr gibt als das – dass vielleicht fast alles eigentlich außerhalb dieser logischen Denkweise liegt. Inklusive seiner eigenen Person.
SP: Jetzt haben Sie doch Ihr Buch analysiert…
ST: (lacht) Nicht wahr. Das wollte ich eigentlich vermeiden…
RABENWELT
Es handelt sich um ein Weisheitsbuch in der Tradition des kleinen Prinzen und Coelhos "Der Alchimist", allerdings in unserer Zeit angesiedelt und stärker Realitätsbezogen.
Was ist der Sinn des Lebens? Diese vielleicht älteste aller Fragen stellt sich Rasmus Deison, ein junger Internet Multimillionär, der sich gerade wegen seines unverhofften phänomenalen finanziellen Erfolges genau diese Frage stellt. Was ist Geld? Was soll die Verwandlung von Welt in Geld? Wozu ist eine Zivilisation gut, in der es nur ums Kaufen, Kaufen, Kaufen geht, und sonst gar nichts?
Im Traum begegnet Rasmus Rog dem Raben, der die Menschheit vor einer scheinbar außerirdischen Gefahr warnen möchte, die im Begriff ist, den Planeten zu zerstören. Rasmus begibt sich spontan auf eine Reise nach Hawaii, auf der er der Pilotin und Aktivistin Kipikoa Kalani begegnet. Sie fliegt ihn an einen Seltsamen Ort, an dem er auf einen unscheinbaren kleinen Mann namens Makani stößt - und unversehens über den Sinn des Lebens stolpert. Alles ist eins - und doch ganz anders, als er dachte.
Psychedelische Achterbahnfahrt postmodernen Irrsinns
Rog der Rabe schwingt sich auf, die Welt vor Rudeln irrer Hobbyjäger zu retten und entdeckt dabei, dass die Menschheit von einer scheinbar außerirdischen Macht beherrscht wird. Währenddessen widmet sich der frustrierte Internetmillionär Rasmus Deison der systematischen Vernichtung guten Rotweines und fliegt anschließend ziemlich unmotiviert nach Hawaii, wo er versehentlich über den Sinn des Lebens stolpert. Rasmus und Rog treffen sich im Traum und haben akute Verständigungsprobleme.
Und dann sind da noch die machtlosen Weingeister, leblose Glastürme, Meister Makani und eine seltsame hawaiianische Pilotin namens Kipikoa Kalani, genannt Kia. Sie beherrscht die nützliche Kunst, am Wind vorbeizureden und will auf keinen Fall Kipi genannt werden. Tun wir ihr halt den Gefallen...
Rabenwelt ist ein Roman über die Sinnsuche im Zeitalter der Globalisierung. Ein völlig verrücktes Buch über eine vollkommen wahnwitzige Zeit in einer aus der Bahn geratenen Welt. Die Erde torkelt wirr durch das All, aber was soll das alles?
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Lesermeinungen:
25.02.06 von Asterix100
Dieses Buch ist super geschrieben. Ich habe schon lange nichts vergleichbares gelesen, was unsere kranke Welt so treffend, eindrucksvoll und tiefsinnig beschreibt.











