(openPR) Sessionplan ist ein kostenloses Online-Tool für klare Ablaufpläne, vom Workshop über die Unterrichtsstunde bis zur Hochzeit. Sein Gründer spricht über den Anspruch hinter dem Tool, den Umgang mit KI und darüber, warum gute Software nicht möglichst viele Funktionen braucht.
Redaktion: Du hast Sessionplan gegründet. Was kann ich mit Sessionplan in einem Satz machen?
Tim J. Peters, Gründer von Sessionplan: Du bringst alles, was einen zeitlichen Ablauf braucht, in eine klare visuelle Reihenfolge: einen Workshop, ein Meeting, eine Unterrichtseinheit, eine Podcast-Episode oder auch eine Hochzeit.
Redaktion: Das klingt bewusst breit. Für wen ist das Tool gedacht?
Peters: Ursprünglich lag der Fokus stark auf Workshops und Moderation. Inzwischen sehen wir, wie unterschiedlich Menschen planen: Lehrkräfte strukturieren ihren Unterricht, Podcast-Teams bauen ihre Episoden, Eventleute ihren Run of Show. Alle haben dieselbe Grundfrage: Was passiert wann, wer übernimmt was und wo muss Zeit eingeplant werden? Sessionplan macht diese Frage sichtbar, ohne dass man sich erst in ein System einarbeiten muss.
Redaktion: Sessionplan wird häufig mit anderen Workshop-Planungstools verglichen. Ist das am Ende ein Klon von SessionLab?
Peters: Nein. Wir haben SessionLab viel zu verdanken. Meines Wissens war das eines der ersten Tools, das spezialisierte Workshop-Planung wirklich groß gemacht hat – und das zunächst recht einfach. Wer heute in diesem Bereich arbeitet, kommt an dieser Pionierleistung kaum vorbei.
Wir setzen einen anderen Schwerpunkt. SessionLab versteht sich aus meiner Sicht stärker als Profi-Tool: mit Template-Datenbanken, einem großen Funktionsumfang und vielen Einstellungen. Das kann für erfahrene Facilitator:innen genau richtig sein. Sessionplan richtet sich an Menschen, die ohne Lernkurve loslegen wollen. Eine visuelle Timeline, Zeiten, Inhalte, fertig.
Redaktion: Ein schlankes Tool klingt sympathisch. Kritiker könnten sagen: Weniger Funktionen sind schlicht weniger Produkt.
Peters: Das wäre ein fairer Einwand, wenn Funktionsmenge das einzige Qualitätskriterium wäre. Sie ist es aber selten. Viele Menschen verlieren Zeit, bevor ihre eigentliche Arbeit überhaupt beginnt: Sie suchen Einstellungen, räumen Vorlagen weg oder fragen sich, ob sie gerade etwas kaputtmachen.
Wir wollen diese Reibung vermeiden. Sessionplan hat durchaus tiefe Funktionen, etwa parallele Breakout-Sessions, automatische Zeiten-Berechnung, einen Live-Modus oder geteilte Pläne. Entscheidend ist, dass diese Funktionen nicht im Weg stehen, wenn man sie nicht braucht. Ich baue kein Cockpit, sondern ein Werkzeug. Ein Planungstool sollte sich eher wie ein gutes Blatt Papier verhalten.
Redaktion: Warum hast Du Sessionplan überhaupt ins Leben gerufen?
Peters: Angefangen hat es als Ausprobierprojekt. Mich haben die hohen Gebühren vieler etablierter Anbieter für vergleichsweise einfache Tools schon länger gewundert. Also habe ich versucht, eine Alternative selbst zu bauen.
Richtig Fahrt aufgenommen hat das Projekt, als ich gemerkt habe, wie groß der Bedarf ist. Tausende Menschen nutzen Sessionplan inzwischen jeden Monat, ganz ohne Marketingbudget und ohne Gewinnabsicht. Diese Resonanz verändert den Blick auf ein Nebenprojekt. Dann geht es nicht mehr nur darum, ob etwas technisch funktioniert. Dann entsteht Verantwortung dafür, dass es verlässlich bleibt und den Leuten wirklich hilft.
Redaktion: Sessionplan wird kostenlos angeboten. Ist das ein idealistisches Versprechen, das spätestens mit steigenden Kosten endet?
Peters: Ich verstehe die Skepsis. Im Netz bedeutet „kostenlos“ oft: Die Rechnung kommt später, über Werbung, Daten oder einen Funktionsschnitt zwischen Gratis- und Bezahlversion.
Bei Sessionplan ist der Ausgangspunkt ein anderer. Ich bin mit Open Source groß geworden und habe viel davon profitiert. Davon möchte ich etwas an die Community zurückgeben. Ich bin in der privilegierten Lage, das in meiner Freizeit tun zu können.
Gleichzeitig kenne ich den Wert bezahlter Software sehr gut. Unser Designteam, in der Agentur in der ich hauptberuflich arbeite, gibt jeden Monat Hunderte Euro für gute Werkzeuge aus – und das ist sinnvoll, weil damit Arbeit entsteht, die ohne diese Software kaum möglich wäre. Aber ich hätte viele Fähigkeiten wahrscheinlich nie entwickeln können, wenn während des Designstudiums nicht halb legal Lizenzen großer Programme herumgereicht worden wären. Das war vermutlich nicht richtig, aber es zeigt ein echtes Problem: Wenn der Einstieg zu teuer ist, bleiben Menschen außen vor. Diese Hürde muss runter.
Redaktion: Wie lässt sich das finanziell dauerhaft tragen?
Peters: Die technische Architektur hilft uns. Vieles läuft direkt auf den Geräten der Nutzer:innen. Pläne werden standardmäßig lokal im Browser gespeichert, ein Konto ist nicht nötig. Dadurch sind die Serverkosten vergleichsweise niedrig.
Sessionplan soll deshalb kostenlos bleiben. Und falls sich das irgendwann ändern müsste, steht der Code öffentlich auf GitHub. Jede und jeder kann das Tool dann in wenigen Minuten selbst aufsetzen. Das ist kein Werbesatz, sondern Teil des Versprechens.
Für Unternehmen können später andere Anforderungen relevant werden: zentrale Verwaltung, Verschlüsselung, Backups, verbindliche Prozesse. Dort kann ich mir kostenpflichtige Angebote vorstellen, die den freien Teil querfinanzieren. Das wäre aber kein künstlich beschnittenes Freemium-Modell. Die persönliche Nutzung und das Kernwerkzeug sollen frei bleiben. Im Moment ist das ohnehin Zukunftsmusik.
Redaktion: Gerade bei Planungs- und Kollaborationstools ist Datenschutz ein großer Punkt. Was passiert mit den Daten?
Peters: Standardmäßig bleiben sie auf dem eigenen Gerät, im Browser. Das ist für viele Menschen einfacher und in jedem Fall privater als ein weiterer Account in einer weiteren Cloud. Wer einen Plan teilen möchte, kann einfach den Link mit den Daten direkt darin weitergeben. Nur optional können sich Nutzer:innen bewusst entscheiden, eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kopie auf die Sessionplan-Server zu legen – um auch gemeinsam an Sessions arbeiten zu können. Server-Synchronisation gibt es also optional, nicht als Voraussetzung. Accounts braucht es in keinem Fall.
Diese Entscheidung kann auch Nachteile haben. Wenn jemand sein Gerät verliert oder den Browser wechselt, braucht es einen geteilten Link oder eine lokale Sicherung per JSON-Export. Wir wollen das nicht wegreden. Dafür sind Daten nicht automatisch Teil eines zentralen Nutzerprofils. Für ein Tool, in dem oft sensible Workshop-Notizen, Unterrichtsinhalte oder interne Abläufe landen, ist das eine bewusste Priorität.
Redaktion: KI spielt bei Softwareentwicklung inzwischen überall mit. Wie viel KI steckt in Sessionplan?
Peters: KI spielt eine Rolle, selbstverständlich. Es wäre unklug, diesen technischen Sprung zu ignorieren. Aber ich habe kein Interesse an schlecht gemachtem Vibe-Coding oder an hübsch aussehendem Slop, das bei Belastung auseinanderfällt.
Ich komme aus der Entwicklung und arbeite als Head of UX in einer Designagentur. Das hilft beim Architekturdenken, bei Performance und bei der Frage, ob etwas für Menschen wirklich verständlich ist. KI kann Arbeit beschleunigen, Varianten liefern oder beim Denken helfen. Die Führung muss beim Menschen bleiben. Jemand muss beurteilen können, ob ein Vorschlag sicher, stimmig und brauchbar ist. Diese Bewertungskompetenz wird eher wichtiger als unwichtiger.
Redaktion: Was soll Sessionplan in drei Jahren sein?
Peters: Hoffentlich weiterhin ein Werkzeug, dem man sofort vertraut. Kein System, das seine Nutzer:innen festhält, keine Plattform, die künstlich kompliziert werden muss, um größer auszusehen.
Wenn eine Lehrerin in fünf Minuten ihre Stunde planen kann, ein Moderator seinen Workshop sicher durch den Tag bringt oder ein Podcast-Team eine Episode klarer vorbereitet, dann macht Sessionplan seinen Job. Die beste Rückmeldung ist für mich nicht, dass jemand von der Software beeindruckt ist. Sondern dass die Software nach kurzer Zeit in den Hintergrund tritt und die eigentliche Arbeit leichter wird.
Sessionplan ist kostenlos und ohne Account nutzbar unter sessionplan.de.









