(openPR) Risikoinventur im Fokus: Neue Messgrößen und Risikotreiber für das Gesamtrisikoprofil
Eine Risikoinventur kann formal vollständig erscheinen und dennoch entscheidende Schwächen enthalten. Besonders kritisch wird es, wenn neue Risikotreiber zu spät erkannt, Risikokonzentrationen nicht konsequent erfasst oder Wesentlichkeitsschwellen nicht nachvollziehbar hergeleitet werden. Hinzu kommen Nachhaltigkeitsrisiken, Zinsänderungs- und Kreditspread-Risiken, die stärker in den aufsichtsrechtlichen Fokus gerückt sind. Werden diese Risiken lediglich beschrieben, aber nicht mit Risikoindikatoren, Risikotoleranzen und dem Gesamtrisikoprofil verknüpft, fehlt eine belastbare Grundlage für Risikotragfähigkeit und Gesamtbanksteuerung.
Gerade die Wesentlichkeitsbeurteilung verlangt mehr als eine jährliche Bestandsaufnahme. Die MaRisk fordern eine regelmäßige beziehungsweise anlassbezogene Risikoinventur und ein Gesamtrisikoprofil. Institute müssen tatsächliche und potenzielle Risiken, Risikotreiber und Konzentrationen identifizieren und deren Wesentlichkeit auch aus ökonomischer und normativer Perspektive beurteilen. Institutsindividuelle Schlüsselindikatoren sind zu überwachen, während Risikoappetit und Risikotoleranzen in sinnvolle Limite für wesentliche Risiken und Konzentrationsrisiken übersetzt werden müssen. Schwächen an dieser Stelle wirken unmittelbar auf ICAAP und Risikostrategie weiter.
Eine zusätzliche Herausforderung entsteht durch ESG. Nachhaltigkeitsrisiken dürfen nicht als separate Risikoart neben der klassischen Risikoinventur stehen bleiben, sondern müssen als Risikotreiber in die bestehende Risikolandschaft einbezogen werden. Gleichzeitig sind Zinsänderungs- und Kreditspread-Risiken angemessen zu berücksichtigen. Entscheidend ist, dass das resultierende Gesamtrisikoprofil tatsächlich in Planung und Steuerung einfließt und bei wesentlichen Veränderungen Kapital- oder Liquiditätsmaßnahmen ausgelöst werden können.
Auch für die Interne Revision steigt der Prüfungsanspruch. Sie muss beurteilen, ob sämtliche Risikoarten und Risikotreiber ordnungsgemäß erfasst, Wesentlichkeitsentscheidungen kriterienbasiert getroffen und Risikokonzentrationen vollständig berücksichtigt werden. Prüfungsrelevant ist zudem, ob Ergebnisse der Risikoinventur mit anderen risikorelevanten Informationen verknüpft und nachvollziehbar in das RTF-Konzept überführt werden. Besondere Aufmerksamkeit verlangen dabei unzureichend quantifizierbare Risiken sowie die Einbeziehung von Nachhaltigkeits-, Zinsänderungs- und Kreditspread-Risiken.
Das Online-Seminar „Risikoinventur im Fokus – ESG-Risiken – Risikokonzentrationen – Wesentlichkeitseinstufung“ am 14. Oktober 2026 setzt genau an diesen Schwachstellen an. Teilnehmende erfahren, wie neue und wesentliche Risiken sowie Risikokonzentrationen identifiziert, Wesentlichkeitsschwellen belastbar bestimmt und Risikoindikatoren überwacht werden können. Zugleich wird gezeigt, wie Risikoinventur, Gesamtrisikoprofil, ICAAP, Risikotragfähigkeit und Risikostrategie konsistent miteinander verbunden und die Ergebnisse revisionssicher überprüft werden.
Daniel Schmidt, Prüfungsleiter, zeigt anhand der MaRisk-Anforderungen und typischer Problemfelder, wie Risikoindikatoren, Risikotreiber und Risikomessverfahren zu beurteilen, neue Risiken und Konzentrationen zu identifizieren und Wesentlichkeitsentscheidungen mit RTF, ICAAP, ILAAP und Risikoappetit zu verzahnen sind.
Björn Heil, Senior Risk Controller bei der KfW Bankengruppe, erläutert aus der Gesamtbanksteuerung, wie ESG-, Zinsänderungs- und Kreditspread-Risiken in die Risikoinventur integriert, Konzentrationen und Wesentlichkeit beurteilt und die Ergebnisse über Risikostrategie, Risikoappetit und Risikotoleranzen in die Steuerung überführt werden.
Falk Beyer, Diplom-Betriebswirt (FH) und Prüfungsleiter Interne Revision Banksteuerung bei der Sparkasse KölnBonn, zeigt, wie die Revision Risikoinventur, Frühwarnindikatoren und Risikotoleranzen prüft, die kriterienbasierte Wesentlichkeitsbeurteilung nachvollzieht und die Überführung der Ergebnisse einschließlich ESG- und Konzentrationsrisiken in das RTF-Konzept beurteilt.
Damit richtet sich das Seminar an Institute, die ihre Risikoinventur von einer periodischen Dokumentationsaufgabe zu einem belastbaren Steuerungsinstrument weiterentwickeln wollen. Im Mittelpunkt steht die praktische Verbindung zwischen Risikoidentifikation, Wesentlichkeitsbeurteilung, Konzentrationsanalyse, Risikoappetit und Risikotragfähigkeit.
Die zentrale Botschaft: Eine Risikoinventur ist nur so belastbar wie die Risiken, die sie tatsächlich erfasst und in die Gesamtbanksteuerung überführt. Wer neue Risikotreiber, ESG-Effekte oder Konzentrationen nicht rechtzeitig erkennt und nachvollziehbar bewertet, riskiert nicht nur aufsichtliche Feststellungen, sondern ein unvollständiges Bild der eigenen Risikolage.
Weitere Informationen und Anmeldung unter:
https://www.akademie-heidelberg.de/seminar/risikoinventur-im-fokus














