(openPR) Ein ADC-Whitepaper bescheinigt jungen Kreativen solides Handwerk und Lücken im strategischen Denken. Der Ulmer Markenberater Rudolf Moser sieht darin einen zweiten Bauhaus-Moment.
Ulm, 4. September 2026 – Künstliche Intelligenz übernimmt einen wachsenden Teil der gestalterischen Ausführung. Für Rudolf Moser, Geschäftsführer und Senior Brand Consultant bei den zeroseven design studios in Ulm, wiederholt sich damit eine Verschiebung, die die Gestaltung schon einmal hatte: 1919, als die Industrialisierung das Handwerk entwertete und Walter Gropius mit dem Bauhaus darauf antwortete.
Anlass ist ein Whitepaper von Richard Jung, Vorstand für Forschung und Lehre beim Art Directors Club (ADC) und Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule Niederrhein. Jung hält darin fest, dass deutsche Hochschulen Kommunikationsdesign noch immer weitgehend wie Grafikdesign lehren, obwohl sich die Disziplin verändert hat. Für das Papier befragte er 239 der rund 800 ADC-Mitglieder. Deren Urteil über junge Kreative fällt zweigeteilt aus: Das Handwerk bewerten sie als solide, Problemanalyse und strategisches Denken als deutlich ausbaufähig (Jung, 2026).
Moser sieht darin dieselbe Bewegung wie vor gut hundert Jahren, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Gropius stellte 1919 einen Vorkurs an den Anfang der Ausbildung und wertete das Handwerk auf, weil die Maschine es entwertet hatte (Gropius, 1919). Jungs Reformmodell setzt 2026 ebenfalls eine gemeinsame Grundlage vor die Spezialisierung – diesmal, weil die KI die Ausführung übernimmt und die Konzeption aufwertet.
„Der Wert verschiebt sich von der Herstellung eines Ergebnisses zur Qualität der Entscheidungen, die zu diesem Ergebnis führen", sagt Moser. Prompting sei dabei eine neue Ausführungskompetenz innerhalb eines deutlich größeren Entscheidungsprozesses, der auf Strategie, Konzeption und Systemverständnis beruhe.
Was das praktisch bedeutet, zeigt eine Situation aus der Beratungsarbeit: Ein Auftraggeber hatte selbst ein Markenbild generiert und fragte, wozu er die Agentur dann noch brauche. Die Antwort bestand nicht in einer Verteidigung, sondern in einer Aufschlüsselung. In einem entwickelten Markenbild stecken sieben Kompetenzfelder – von der Zielhierarchie im Briefing über Strategie und Semantik, Komposition, Markenkonformität auf Systemebene, Reproduktionstechnik und Konsistenzabgleich bis zur Reproduzierbarkeit über hunderte Assets hinweg. Ein Prompt trifft eines davon, selten alle sieben gleichzeitig.
Für Moser ist das keine Werkzeugfrage. Sie entscheide darüber, wen Unternehmen einstellen, wie sie Reviews führen und wofür sie ein Honorar rechtfertigen. „Markenführung misst sich an ihrer Wirkung und nicht an der Menge der produzierten Medien."
Die Konsequenz benennt er als Entscheidung, die derzeit ansteht: ob Unternehmen durch generalisierte Ausführung Beliebigkeit erzeugen oder in Design investieren, das auf strategischer Einordnung, fachlicher Tiefe und zukunftsfähiger Ausbildung beruht.
Der vollständige Beitrag mit Literaturverzeichnis ist auf LinkedIn veröffentlicht: https://www.linkedin.com/pulse/ist-der-wandel-durch-ki-zweite-bauhaus-moment-rudolf-moser-0xgce/
Quellen:
Gropius, W. (1919). Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Staatliches Bauhaus Weimar.
Jung, R. (2026). Design ist das Mittel. Kommunikation ist der Zweck: Whitepaper zur Reform der Kommunikationsdesign-(Aus)Bildung. ADC Creative Campus.





