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Einkommensteuer: Mitte gezielt entlasten

29.06.202610:00 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) „Wer den Einkommensteuertarif im unteren oder mittleren Bereich senkt, entlastet automatisch auch hohe Einkommen, weil diese ebenfalls auf die ersten Einkommensbestandteile weniger Steuern zahlen. Genau dieser Streuverlust macht viele Reformvorschläge teuer. Unser Ansatz zeigt, wie sich Entlastung dort bündeln lässt, wo sie politisch gewünscht ist. Der entscheidende Kniff ist ein gezielter Sprung im Grenzsteuerverlauf“, ordnet Prof. Dr. Holger Stichnoth, Leiter der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“, ein.

Gezielter Sprung statt breiter Streuverluste

Der Vorschlag der ZEW-Ökonomen setzt beim Grenzsteuersatz an. Unterhalb eines festgelegten Zielpunkts – in der Hauptvariante 40.000 Euro zu versteuerndes Einkommen – wird der Grenzsteuersatz gesenkt. Am Zielpunkt springt er wieder auf den bisherigen Tarifverlauf zurück. Oberhalb dieses Punkts bleibt der geltende Tarif unverändert. So profitieren höhere Einkommen nur in dem Umfang, der technisch unvermeidbar ist. Zum Vergleich: Eine pauschale Entlastung von rund 500 Euro für alle etwa 45 Millionen Steuerpflichtigen würde mehr als 20 Milliarden Euro kosten. Die gezielte Variante erreicht bei 40.000 Euro Einkommen eine ähnliche Entlastung mit nur 10 Milliarden Euro.

Positive Arbeitsanreize und transparente Methodik

Die Analyse zeigt zudem, dass die Reform positive Arbeitsanreize setzen könnte. Schätzungen mit dem ZEW-Mikrosimulationsmodell EviSTA ergeben zusätzliche Arbeitsangebotseffekte von rund 50.000 bis 60.000 Vollzeitäquivalenten. Die fiskalischen Zweitrundeneffekte liegen demnach bei 1,5 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Berechnungen basieren auf der tariflichen Einkommensteuer nach § 32a EStG, Rechtsstand 2026, und auf Daten der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2022, die auf das Jahr 2026 fortgeschrieben wurden. Der Solidaritätszuschlag bleibt in den Simulationen unverändert; berücksichtigt wird jedoch, dass Änderungen bei der Einkommensteuer auch den Soli beeinflussen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Holger Stichnoth
Leiter der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“
E-Mail: E-Mail
Tel: +49 (0)621 1235-362

Originalpublikation:
https://www.zew.de/fileadmin/FTP/gutachten/Einkommensteuer_ZEW_2026.pdf

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