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Teils dramatisch höherer Meeresspiegel durch absinkendes Land

(openPR) Der weltweite Anstieg des Meeresspiegels gehört zu den größten Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt: Über eine halbe Milliarde Menschen leben in niedriggelegenen Küstenzonen. Ein Forschungsteam des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts an der TUM (DGFI-TUM) und der Tulane University in New Orleans belegt in einer Studie im Fachmagazin Nature Communications, dass Menschen in dicht besiedelten Küstenregionen einen relativen Meeresspiegelanstieg von durchschnittlich rund 6 mm pro Jahr erleben. Das ist etwa dreimal so viel wie der sogenannte küstenlängengewichtete globale Mittelwert von 2,1 mm pro Jahr. Dieser Wert beschreibt den durchschnittlichen relativen Anstieg, der weltweit entlang der Küsten gemessen wird. Wenn man den klimabedingten absoluten Meeresspiegelanstieg von rund 3,15 mm pro Jahr als Grundlage nimmt, dann liegt der Wert immer noch fast doppelt so hoch. Bedingt wird der erhöhte Anstieg durch das Absinken von Land – Subsidenz genannt.

Wichtige Gründe fürs Absinken: Entnahme von Grundwasser und Rohstoffen, Eisschmelze und Tektonik

Nicht alle Gründe für die Absenkungen lassen sich nach Angaben der Forschenden immer eindeutig festlegen. Aber zu den wichtigsten und folgenschwersten Ursachen gehören die intensive Entnahme von Grundwasser, die Öl- und Gasförderung sowie die Verdichtung junger Sedimente in Deltas oder auch bauliche Belastungen in schnell wachsenden Städten.

„Wer den Meeresspiegelanstieg an Küsten verstehen und wirksam darauf reagieren will, muss nicht nur den Ozean beobachten, sondern auch das Land selbst. Gerade in dicht besiedelten Küstenregionen sorgen wir Menschen dafür, dass sich das Land besonders stark absenkt – eine Hauptursache dafür ist oft die übermäßige Entnahme von Wasser und Rohstoffen, die den Untergrund zuvor stabilisiert haben. Das hohe Gewicht von Städten sowie langfristige geologische Prozesse können die Absenkung zusätzlich begünstigen. So verstärken wir deutlich die Effekte des klimabedingten Meeresspiegelanstiegs”, sagt Dr. Julius Oelsmann, Hauptautor der Studie und Forscher am DGFI-TUM.

Absenkungen von bis zu 42 Millimetern im Jahr

Zu den Ländern mit den größten Anstiegswerten gehören: Thailand, Bangladesch, Nigeria, Ägypten, China und Indonesien. Dort errechneten die Forschenden, gewichtet nach der Küstenbevölkerung, durchschnittliche Anstiegswerte von etwa 7 bis 10 mm pro Jahr. Die USA, die Niederlande und Italien weisen mit etwa 4 bis 5 mm pro Jahr ebenfalls erhöhte Werte auf.

Markante Subsidenz-Hotspots sind unter anderem Jakarta (-13,7 mm/Jahr), Tianjin (-13,5 mm/Jahr), Bangkok (-8,5 mm/Jahr), Lagos (-6,7 mm/Jahr) und Alexandria (-4 mm/Jahr). Dabei zeigt sich, dass sich die Absenkung innerhalb einzelner Städte stark unterscheiden kann: In Jakarta erreichen manche Gebiete sogar Werte von bis zu -42 mm/Jahr, während andere Teile der Stadt gleichzeitig eine Hebung zeigen.

Umgekehrt lässt in manchen Ländern die geologische Hebung den Meeresspiegel entlang der Küste sogar absinken, etwa in Schweden oder Finnland. Dort hebt sich das Land infolge der Eisschmelze nach der letzten Eiszeit nach wie vor – und zwar schneller, als der Meeresspiegel steigt.

Grundwassermanagement als Gegenmaßnahme

„In vielen großen Küstenstädten ist die Entnahme von Grundwasser ein Haupttreiber der Landsenkung. Das bedeutet, dass lokale politische und wasserwirtschaftliche Entscheidungen einen großen Unterschied machen können. Durch ein besseres Grundwassermanagement, strengere Regulierung der Entnahme oder gezielte Wiederauffüllung von Aquiferen lassen sich Subsidenzraten zumindest verlangsamen und in manchen Fällen sogar weitgehend stoppen“, sagt Florian Seitz, Professor für Geodätische Geodynamik und Leiter des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts der TUM (DGFI-TUM).

Zu den erfolgreichen Beispielen zählen Japans Hauptstadt Tokio und die Metropolregion Houston in Texas. In Tokio lagen die Absenkungen zeitweise bei über 10 cm pro Jahr und erreichten in besonders betroffenen Gebieten Spitzenwerte von rund 24 cm pro Jahr. Durch staatliche Eingriffe und alternative Wasserversorgung gingen sie später stark zurück.

Wie in Tokio war auch in der texanischen Region Harris-Galveston die intensive Grundwasserförderung der zentrale Treiber der Bodensenkung. Als Reaktion wurde 1975 der Harris-Galveston Subsidence District gegründet, der die Grundwasserentnahme reguliert, den Umstieg auf alternative Wasserquellen fördert und Wassersparmaßnahmen unterstützt.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Julius Oelsmann
Technische Universität München (TUM)
TUM School of Engineering and Design
Deutsches Geodätisches Forschungsinstitut (DGFI-TUM)
E-Mail

Originalpublikation:
Oelsmann, J., Nicholls, R.J., Lincke, D. et al. Subsidence more than doubles sea-level rise today along densely populated coasts. Nat Commun 17, 4382 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-72293-z

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