(openPR) Steigende Insolvenzen und einbrechende Stimmung zeigen strukturelles Problem – „Bauturbo“ greift zu kurz
Saarbrücken/Berlin, 31. März 2026 – Die wirtschaftliche Lage in der Projektentwicklung spitzt sich weiter zu. Allein im ersten Quartal 2026 wurden 24 Insolvenzen von Projektentwicklern bei deutschen Gerichten angemeldet. Gleichzeitig zeigt der aktuelle ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) erneut eine deutliche Eintrübung der Stimmung in der Branche.
Besonders betroffen ist die Projektentwicklung: Die Geschäftslage fällt um 25,5 Punkte auf -23,5, die Erwartungen sinken um 12,3 Punkte auf 8,8. Damit trifft es ausgerechnet jene Marktteilnehmer am stärksten, die für die zukünftige Bautätigkeit entscheidend sind.
Markt unter Druck – doch das eigentliche Problem liegt tiefer
Trotz steigender Baugenehmigungen und verbesserter Förderbedingungen bleibt die wirtschaftliche Umsetzbarkeit vieler Projekte eingeschränkt.
„Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Immer mehr Bauprojekte sind wirtschaftlich nicht mehr tragfähig“, sagt Tobias Walter, Experte für wirtschaftliche Projektführung und Projektintelligenz im Bauwesen: „Die Diskussion konzentriert sich stark auf Marktbedingungen wie Zinsen, Nachfrage und Baukosten. Das greift jedoch zu kurz. Das eigentliche Risiko liegt nicht im Markt – sondern im Projekt.“
Aus Sicht von Walter liegt die Ursache vieler gescheiterter Projekte nicht primär in externen Faktoren, sondern in der Struktur der Projekte selbst: Viele Bauvorhaben würden auf Basis von Annahmen gestartet, die sich im weiteren Verlauf als nicht tragfähig erweisen. Die Baukosten erscheinen zunächst plausibel, halten aber der realen Umsetzung nicht stand.
Die Folge:
- Projekte müssen nachkalkuliert werden.
- Planungen werden angepasst.
- Bauvorhaben werden verschoben oder gestoppt.
Entscheidungen mit großer Wirkung – zu wenig Transparenz
Ein wesentlicher Teil der Baukosten wird in einer frühen Phase festgelegt, in der die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht vollständig sichtbar sind.
Dazu zählen insbesondere:
- Gebäudegeometrie.
- Technische Ausstattung.
- Konstruktionsprinzipien.
- Vergabestrategien.
Werden diese Faktoren nicht systematisch hinterfragt, entstehen Projekte, die zwar genehmigungsfähig sind, aber wirtschaftlich nicht funktionieren.
„Bauturbo“ beschleunigt auch unwirtschaftliche Projekte
Vor diesem Hintergrund wird aktuell verstärkt über Maßnahmen zur Beschleunigung von Bauprojekten diskutiert. Unter dem Schlagwort „Bauturbo“ sollen Genehmigungsverfahren vereinfacht und Prozesse beschleunigt werden.
Für Walter greift dieser Ansatz zu kurz: „Ein Bauturbo beschleunigt auch unwirtschaftliche Projekte.“
Schnellere Genehmigungen könnten zwar Prozesse verkürzen, lösen aber nicht die grundlegende Frage der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.
Im Gegenteil bestehe die Gefahr, dass Projekte schneller vorangetrieben werden, ohne dass ihre Struktur ausreichend geprüft sei.
Wirtschaftlichkeit entsteht nicht durch Geschwindigkeit
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass ein funktionierendes Bauprojekt mehr erfordert als günstige Rahmenbedingungen oder schnelle Verfahren.
„Wirtschaftlichkeit entsteht nicht durch Tempo“, so Walter. „Sie entsteht durch eine bewusste Steuerung der Baukosten und der Projektstruktur.“
Fazit
Die steigende Zahl von Insolvenzen und die einbrechende Stimmung in der Projektentwicklung sind weniger ein reines Marktphänomen als vielmehr Ausdruck eines strukturellen Problems.
Die zentrale Frage lautet daher nicht: Wie schnell können Bauprojekte umgesetzt werden?
Sondern: Sind sie überhaupt wirtschaftlich tragfähig?









