openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Künstliche Intelligenz macht Quantenfeldtheorien berechenbar

26.01.202611:13 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Künstliche Intelligenz macht Quantenfeldtheorien berechenbar

(openPR) Quantenfeldtheorien sind das Fundament der modernen Physik. Sie sagen uns, wie sich Teilchen verhalten und wie man ihre Wechselwirkungen beschreiben kann. Viele komplizierte Fragen der Teilchenphysik kann man aber nicht einfach mit Papier und Bleistift beantworten, sondern nur durch extrem aufwändige quantenfeldtheoretische Computersimulationen.

Dabei ist man aber mit außergewöhnlich komplexen Problemen konfrontiert: Man kann die Quantenfeldtheorien nämlich am Computer auf unterschiedliche Arten formulieren. Alle liefern prinzipiell dieselben physikalischen Vorhersagen – aber auf radikal unterschiedliche Weise. Manche Varianten sind rechentechnisch gesehen völlig unbrauchbar, ungenau oder ineffizient, andere verblüffend praktikabel. Seit Jahrzehnten sucht man nach der optimalen Einbettung von Quantentheorien in Computersimulationen. Nun zeigt ein Team der TU Wien zusammen mit Teams aus den USA und der Schweiz: Künstliche Intelligenz kann dabei gewaltige Fortschritte bringen.

Im Computer ist die ganze Welt ein Gitter

„Wenn wir mit Quantenfeldtheorien am Computer arbeiten wollen, müssen wir sie diskretisieren. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches“, sagt David Müller vom Institut für Theoretische Physik der TU Wien. Jedes Bild auf dem Computerbildschirm besteht aus kleinen, diskreten Bildpunkten. Wenn man die Bahn einer Mondrakete berechnet, dann berechnet man sie in kleinen, diskreten Zeitschritten.

In der Teilchenphysik ist das genauso: Man erzeugt ein vierdimensionales Gitter, mit drei Raumdimensionen und einer Zeitdimension, jeder Gitterpunkt wird am Computer abgespeichert, und die Quantenfeldtheorie gibt vor, wie sich die Gitterpunkte gegenseitig beeinflussen. Auf diese Weise kann man etwa simulieren, was bei gewaltigen Teilchenkollisionen am CERN passiert, oder wie sich Materie knapp nach dem Urknall verhalten hat.

Eigentlich sind Raum und Zeit in der Quantenfeldtheorie kontinuierlich. Wenn man die Theorien auf ein diskretes Gitter abbildet, dann hat man gewisse Freiheiten: Unterschiedliche Gitter-Theorien passen zur selben kontinuierlichen Theorie. Man muss eine Variante auswählen, die rechentechnisch den größten Erfolg verspricht. Tut man das nicht, kann es passieren, dass die Computersimulation in eine Sackgasse gerät und in realistischer Zeit nicht die richtige Lösung findet.

Andere Skala, gleiches Ergebnis

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg sind sogenannte Fixpunkt-Gleichungen. „Es gibt bestimmte Formulierungen der Quantenfeldtheorie auf einem Gitter, die eine ganz besonders schöne Eigenschaft haben“, erklärt Urs Wenger von der Universität Bern. „Sie sorgen dafür, dass gewisse Eigenschaften gleichbleiben, auch wenn wir das Gitter gröber oder feiner machen. Ist das der Fall, wissen wir: Diese Eigenschaft ist zuverlässig, sie stimmt auch bei grober Auflösung – also auf einem weitmaschigen Gitter – mit dem Kontinuum überein, das einem unendlich feinen Gitter entsprechen würde.“

Es ist ein bisschen so wie bei einer Landkarte, die es in unterschiedlichen Größenskalen gibt: Nicht alle Details werden auf jeder Variante der Karte gleich sein. Aber manche Dinge ändern sich bei einem Wechsel der Größenskala nicht – etwa, welches Land an welches andere Land grenzt. Das bedeutet: Man kann sich ziemlich sicher sein, dass diese Eigenschaft, wenn sie vom Landkarten-Maßstab unabhängig ist, auch eine Eigenschaft der echten Wirklichkeit ist.

Der Erfolg der AI

Schon vor 30 Jahren hat man damit experimentiert, die Gitter-Formeln auf diese Weise anzupassen. Doch dabei gibt es hunderttausende von Parametern – viel zu viel für einen Menschen. „Viele haben bereits vor drei Jahrzehnten begonnen, diese Konzepte zu untersuchen, aber damals fehlten uns schlicht die technischen Möglichkeiten“, sagt Kieran Holland von der University of the Pacific. „Erst durch die Zusammenarbeit mit dem Team der TU Wien konnten wir diese alten Ideen wieder aufgreifen.“

Um diese Vision umzusetzen, entwickelte das Team nun ein ganz spezielles neuronales Netz genau für diesen Zweck. Fertig vorprogrammierte AI-Lösungen führen nicht zum Ziel, man musste eine künstliche Intelligenz entwickeln, die von vornherein garantiert die physikalischen Gesetze einhält, die man ihr vorgibt.

Das ist dem Team nun gelungen. Das Resultat der Arbeit: Die Wirkung – die entscheidende physikalische Größe solcher Quantenfeldtheorien, die man etwa auch vom „Planck’schen Wirkungsquantum“ kennt – konnte mit Hilfe der AI auf einem Gitter so parametrisiert werden, dass selbst grobe Gitter bemerkenswert kleine Fehler liefern. „Wir konnten zeigen, dass dieser Ansatz einen völlig neuen Weg eröffnet, komplizierte Quantenfeldtheorien mit überschaubarem numerischem Aufwand zu simulieren“, sagt Andreas Ipp von der TU Wien.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Andreas Ipp
Institut für Theoretische Physik
Technische Universität Wien
+43 1 58801 13635
E-Mail

Originalpublikation:
K. Holland, A. Ipp, D.J. Müller, U. Wenger, Machine-Learned Renormalization-Group-Improved Gauge Actions and Classically Perfect Gradient Flows, Phys. Rev. Lett. 136, 031901 (2026). https://doi.org/10.1103/k41k-2pnc

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1302072
 484

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Künstliche Intelligenz macht Quantenfeldtheorien berechenbar“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommenBild: Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommen
Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommen
Invasive gebietsfremde Arten sind einer der weltweit größten Treiber des Artensterbens. Bisherige globale Einschätzungen zur geografischen Verteilung dieser Schäden litten jedoch unter einer systematischen Verzerrung in der Forschung („Research Bias“): Da in den Ländern des Globalen Nordens wie Nordamerika und Europa wesentlich mehr Forschung betrieben und dokumentiert wird, erschienen dort auch die höchsten Zahlen an invasiven Arten und damit auch die meisten Schadensberichte. Eine neue Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Hanno Seebens, P…
Bild: 25 Jahre Geothermieforschung am GFZ-Standort Groß Schönebeck: Vielfältige Projekte mit Industrie-Impact im Reallabor Bild: 25 Jahre Geothermieforschung am GFZ-Standort Groß Schönebeck: Vielfältige Projekte mit Industrie-Impact im Reallabor
25 Jahre Geothermieforschung am GFZ-Standort Groß Schönebeck: Vielfältige Projekte mit Industrie-Impact im Reallabor
Der Geothermie-Forschungsstandort des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Groß Schönebeck in der Brandenburgischen Schorfheide feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. 2001 wurde eine ehemalige Erdgas-Explorationsbohrung aus den 1990er Jahren wieder nutzbar gemacht und zu einer Forschungsplattform für die Entwicklung geothermischer Technologien ausgebaut. Die Geologie im Norddeutschen Becken ist für viele Regionen Mitteleuropas typisch. Das macht den Standort Groß Schönebeck für Untersuchungen repräsentativ und attraktiv. Hier …

Das könnte Sie auch interessieren:

Neuer Kurs Machine Learning – Data Science und künstliche Intelligenz bei ExperTeach
Neuer Kurs Machine Learning – Data Science und künstliche Intelligenz bei ExperTeach
Dietzenbach, 03.11.17 – Der ITK-Spezialist ExperTeach hat sein Portfolio um das Seminar „Machine Learning – Data Science und künstliche Intelligenz“ erweitert. Die Themen Data Science, künstliche Intelligenz und Machine Learning bilden heute das Rückgrat jeder IoT- oder Digitalisierungslösung, versteckt sich dahinter doch die eigentliche Wertschöpfung. Das …
Bild: Investments in Künstliche Intelligenz: Immer für alles offen bleiben!Bild: Investments in Künstliche Intelligenz: Immer für alles offen bleiben!
Investments in Künstliche Intelligenz: Immer für alles offen bleiben!
Viele Geschäftsmodelle und ganze Branchen werden sich durch die Künstliche Intelligenz verändern. Für langfristig orientierte Investoren ist die Künstliche Intelligenz also ein Giga-Thema. Bis 2030 erwarten Experten für die Künstliche Intelligenz einen zusätzlichen Wertschöpfungsbeitrag zum Bruttosozialprodukt in Höhe von 1,2 Prozent pro Jahr. Kumuliert …
Security Forum: Künstliche Intelligenz und Security
Security Forum: Künstliche Intelligenz und Security
Systeme mit künstlicher Intelligenz (KI) verbreiten sich zunehmend in allen Lebensbereichen. Doch was genau versteht man darunter und wie steht es mit der Sicherheit von KI-Systemen? Welche gesellschaftlichen, ethischen, technischen, organisatorischen Security-Maßnahmen überwachen eigentlich die KI? Was kann KI zur Security beitragen? Das Security Forum …
Bild: Innovatives Netzwerk: EVACO ist Mitglied im KI-BundesverbandBild: Innovatives Netzwerk: EVACO ist Mitglied im KI-Bundesverband
Innovatives Netzwerk: EVACO ist Mitglied im KI-Bundesverband
… verbindet mehr als 350 der innovativsten KI und Deep Tech Unternehmen mit Wirtschaft und Politik. EVACO als Full-Service-Provider im Bereich Data Science und Künstliche Intelligenz zählt nun ebenfalls zu der zukunftsweisenden Community.    Duisburg, 05. Mai 2022 – In der vierten industriellen Revolution spielen Technologien rund um Künstliche Intelligenz …
Bild: Fraunhofer IAO wird Mitglied bei »Partnership on AI«Bild: Fraunhofer IAO wird Mitglied bei »Partnership on AI«
Fraunhofer IAO wird Mitglied bei »Partnership on AI«
Gemeinsam den Nutzen künstlicher Intelligenz für Menschen und Arbeitswelt erhöhen --- Die Organisation »Partnership on AI«, gegründet von großen IT-Unternehmen wie Apple, IBM und Microsoft, fördert den Austausch zum wichtigen Thema künstliche Intelligenz. Durch seine Mitgliedschaft wirkt das Fraunhofer IAO aktiv an der Entwicklung von Best Practices …
Weltmarktbericht über künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft 2025
Weltmarktbericht über künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft 2025
Ricerca Alfa bietet einen kürzlich veröffentlichten Forschungsbericht über den Markt für künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft an, der eine eingehende Analyse der Schlüsselfaktoren enthält, die den Markt beeinflussen. Es bietet auch wichtige quantitative und qualitative Marktinformationen, die Kunden dabei helfen, Faktoren zu finden, die zum weltweiten …
Künstliche Intelligenz: Sind die Unternehmen schon fit?
Künstliche Intelligenz: Sind die Unternehmen schon fit?
Künstliche Intelligenz: Die vierte industrielle Revolution – kurz Industrie 4.0 – wird mit einer steigenden Nutzung von Informationstechnologien in der Industrie begleitet. Dabei spielt vor allem die Künstliche Intelligenz eine große Rolle, wird sie vor allem die Arbeit im produzierenden Gewerbe verändern. Aber KI birgt aber auch großes Potential, neue …
Bild: Anwendungsbeispiele: Wie künstliche Intelligenz Ihre Geschäftsprozesse optimiertBild: Anwendungsbeispiele: Wie künstliche Intelligenz Ihre Geschäftsprozesse optimiert
Anwendungsbeispiele: Wie künstliche Intelligenz Ihre Geschäftsprozesse optimiert
Was anfangs, wie Science-Fiction klingt, wird immer mehr zur Realität. Unser alltägliches Leben ist von einfacher künstlicher Intelligenz umgeben, teilweise kaum auffällig. ------------------------------ Sie können einer einfachen Form der künstlichen Intelligenz begegnen, wenn Sie sich beim Verfassen einer Textnachricht vertippen. Damit ist die Autokorrektur …
Bild: Fraunhofer IAO wird Mitglied bei »Partnership on AI«Bild: Fraunhofer IAO wird Mitglied bei »Partnership on AI«
Fraunhofer IAO wird Mitglied bei »Partnership on AI«
Gemeinsam den Nutzen künstlicher Intelligenz für Menschen und Arbeitswelt erhöhen Die Organisation »Partnership on AI«, gegründet von großen IT-Unternehmen wie Apple, IBM und Microsoft, fördert den Austausch zum wichtigen Thema künstliche Intelligenz. Durch seine Mitgliedschaft wirkt das Fraunhofer IAO aktiv an der Entwicklung von Best Practices und …
Tech-Start-up Keeeb verstärkt KI-Team mit promoviertem Informatiker
Tech-Start-up Keeeb verstärkt KI-Team mit promoviertem Informatiker
Das Hamburger Technologie-Start-up Keeeb baut seine personellen Ressourcen im Bereich Künstliche Intelligenz weiter aus. Als neues Teammitglied wird Zijad Kurtanovic ab sofort die Entwicklung der Keeeb-KI „Cortex“ weiter vorantreiben. Aus Projekten mit zahlreichen namhaften Unternehmen und Institutionen wie Volkswagen, Telefónica, GfK und der Hansestadt …
Sie lesen gerade: Künstliche Intelligenz macht Quantenfeldtheorien berechenbar