openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Laserlicht und die Quantennatur der Gravitation

16.12.202510:42 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Laserlicht und die Quantennatur der Gravitation

(openPR) „Gravitation wirkt auf alles, auch auf Licht“, sagt Schützhold. Und diese Wechselwirkung findet auch beim Auftreffen von Gravitations- auf Lichtwellen statt. Schützholds Idee: Von einer Lichtwelle lassen sich winzige Energiepakete auf eine Gravitationswelle übertragen. Dabei nimmt die Energie der Lichtwelle etwas ab und die Energie der Gravitationswelle um den gleichen Energiebetrag zu. Diese Energie entspricht der eines oder mehrerer Gravitonen, den in theoretischen Modellen angenommenen, aber bisher nicht nachgewiesenen Austauschteilchen der Schwerkraft. „Die Gravitationswelle wird dadurch etwas intensiver“, erklärt der Physiker. Die Lichtwelle dagegen verliert die exakt gleiche Energiemenge. Das führt zu einer winzigen Frequenzänderung der Lichtwelle.

„Der gleiche Prozess kann auch umgekehrt ablaufen“, fährt Schützhold fort. Dabei gibt die Gravitationswelle ein Energiepaket an die Lichtwelle ab. Beide Effekte, also die stimulierte Emission und die Absorption von Gravitonen, sollten sich – wenngleich mit großem experimentellem Aufwand – messen lassen. Die gewaltigen Dimensionen eines solchen Experiments hat Schützhold abgeschätzt: So könnten Laserpulse im sichtbaren oder auch nahen infraroten Spektralbereich bis zu eine Million Mal zwischen zwei Spiegeln hin und her reflektiert werden. Daraus ergibt sich bei einer etwa einen Kilometer langen Anlage eine optische Weglänge von etwa einer Million Kilometern. Diese Größenordnung genügt für die gewünschte Messung des durch Absorption und Emission von Gravitonen verursachten Energieaustauschs zwischen Licht und einer zeitgleich einfallenden Gravitationswelle.

Allerdings wäre die Frequenzänderung der Lichtwelle durch die Aufnahme oder Abgabe der Energie eines oder mehrerer Gravitonen in Wechselwirkung mit der Gravitationswelle extrem klein. Aber mit einem geschickt konstruierten Interferometer sollten sich diese Frequenzänderungen nachweisen lassen. Zwei Lichtwellen erfahren dabei unterschiedliche Frequenzänderungen – abhängig davon, ob sie Gravitonen absorbieren oder emittieren. Nach dieser Wechselwirkung und dem Durchlaufen der optischen Weglänge treffen sie wieder aufeinander und erzeugen ein Interferenzmuster. Aus diesem lässt sich auf die erfolgte Frequenzänderung und damit auf die Übertragung von Gravitonen schließen.

Experiment könnte auch Hinweise auf Quanteneigenschaften des Gravitationsfelds liefern

„Von der ersten Idee bis zum Experiment können schon einige Jahrzehnte vergehen“, sagt Schützhold. Aber vielleicht klappt das für sein Konzept etwas schneller. Denn das LIGO-Observatorium – Kurzform für Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory – zum reinen Nachweis von Gravitationswellen zeigt starke Ähnlichkeiten. LIGO besteht aus zwei, jeweils etwa vier Kilometer langen und im rechten Winkel zueinander angeordneten Vakuumröhren. Über einen Strahlteiler wird ein Laserstrahl auf beide Arme des Detektors aufgeteilt. Einfallende Gravitationswellen verzerren nun beim Durchlaufen die Raumzeit minimal. Dadurch verändert sich die zuvor gleiche Länge der beiden Arme um wenige Attometer (10-18 Meter). Diese winzige Längenänderung verändert das Interferenzmuster des Laserlichts und erzeugt so ein detektierbares Signal.

In einem an Schützholds Idee angepassten Interferometer könnten erstmals Gravitationswellen nicht nur nachgewiesen, sondern über die stimulierte Emission und Absorption von Gravitonen auch manipuliert werden. Mit Lichtpulsen, deren Photonen miteinander verschränkt, also quantenmechanisch gekoppelt sind, ließe sich laut Schützhold die Empfindlichkeit des Interferometers zudem deutlich steigern. „Dann wären auch Rückschlüsse auf den Quantenzustand des Gravitationsfeldes selbst möglich“, sagt Schützhold. Ein direkter Nachweis für das hypothetische und unter Physiker*innen intensiv diskutierte Graviton wäre das zwar noch nicht. Aber immerhin ein starkes Indiz für seine Existenz. Denn wenn die Lichtwellen in Wechselwirkung mit den Gravitationswellen nicht die vorhergesagten Interferenzeffekte zeigen würden, wäre die gängige auf Gravitonen aufbauende Theorie widerlegt. So verwundert es nicht, dass Schützholds Konzept zur Manipulation von Gravitationswellen unter Kolleg*innen auf großes Interesse stößt.

Publikation:
R. Schützhold: Stimulated Emission or Absorption of Gravitons by Light, in Physical Review Letters, 2025 (DOI: 10.1103/xd97-c6d7)

Weitere Informationen:
Prof. Ralf Schützhold | Direktor
Institut für Theoretische Physik am HZDR
Tel.: +49 351 260 3618 | E-Mail: E-Mail

Medienkontakt:
Simon Schmitt | Leitung und Pressesprecher
Abteilung Kommunikation und Medien am HZDR
Tel.: +49 351 260 3400 | Mobil: +49 175 874 2865 | E-Mail: E-Mail

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Energie, Gesundheit und Materie. Folgende Fragestellungen stehen hierbei im Fokus:
• Wie nutzt man Energie und Ressourcen effizient, sicher und nachhaltig?
• Wie können Krebserkrankungen besser visualisiert, charakterisiert und wirksam behandelt werden?
• Wie verhalten sich Materie und Materialien unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen?

Das HZDR entwickelt und betreibt große Infrastrukturen, die auch von externen Messgästen genutzt werden: Ionenstrahlzentrum, Hochfeld-Magnetlabor Dresden und ELBE-Zentrum für Hochleistungs-Strahlenquellen.
Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, hat sechs Standorte (Dresden, Freiberg, Görlitz, Grenoble, Leipzig, Schenefeld bei Hamburg) und beschäftigt fast 1.500 Mitarbeiter*innen – davon etwa 700 Wissenschaftler*innen inklusive 200 Doktorand*innen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Ralf Schützhold | Direktor
Institut für Theoretische Physik am HZDR
Tel.: +49 351 260 3618 | E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
R. Schützhold: Stimulated Emission or Absorption of Gravitons by Light, in Physical Review Letters, 2025 (DOI: 10.1103/xd97-c6d7)

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1299108
 307

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Laserlicht und die Quantennatur der Gravitation“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Frühjahrsprognose: Energiepreise nagen in Deutschland an mühsamer ErholungBild: Frühjahrsprognose: Energiepreise nagen in Deutschland an mühsamer Erholung
Frühjahrsprognose: Energiepreise nagen in Deutschland an mühsamer Erholung
Die Inflation zieht im Zuge steigernder Energiepreise im laufenden Jahr auf eine Rate von 2,5 Prozent an. Aber auch der Kerninflationsdruck bleibt im gesamten Prognosezeitraum deutlich über der 2-Prozentmarke. Die aktuelle geopolitische Lage schürt erhebliche Unsicherheit bei den Unternehmen. „Durch den militärischen Konflikt im Iran droht der deutschen Wirtschaft Gegenwind“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Es bleibe zu hoffen, dass die Rohstoffpreisanstiege – entsprechend den Markterwartungen seit Beginn des Konflikts …
Bild: Innovative Batteriematerialien für sichere und nachhaltige EnergiespeicherBild: Innovative Batteriematerialien für sichere und nachhaltige Energiespeicher
Innovative Batteriematerialien für sichere und nachhaltige Energiespeicher
Materialien entscheiden über Leistung und Sicherheit Ob Elektrofahrzeug, stationärer Energiespeicher oder tragbare Elektronik – Energiedichte, Schnellladefähigkeit, Lebensdauer und Sicherheit einer Batterie werden wesentlich durch ihre Materialien bestimmt. Forschende des Fraunhofer IAP im Potsdam Science Park entwickeln maßgeschneiderte neue Batteriematerialien und bündeln ihre Kompetenzen in der Polymerchemie, der Membran- und Separatorprozessierung, der Entwicklung von biobasierten und maßgeschneiderten Carbonmaterialien, der Katalysatorh…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Arbeit und Wärme in QuantensystemenBild: Arbeit und Wärme in Quantensystemen
Arbeit und Wärme in Quantensystemen
… gefunden, thermodynamische Grössen auch für bestimmte Quantensysteme konsistent zu definieren. Ihre Ergebnisse haben sie soeben im Fachjournal «Physical Review Letters» veröffentlicht.Laserlicht im Hohlraum«Bei der thermodynamischen Beschreibung von Quantensystemen haben wir das Problem, dass in solchen Systemen alles mikroskopisch ist. Dadurch funktioniert …
Mit Laserlicht gegen Prostatakrebs
Mit Laserlicht gegen Prostatakrebs
… Hamburg. Dort gab es eine Reihe von Neuigkeiten rund um das Tookad®-Verfahren, das Krebszellen durch die Reaktion des fotosensitiven Medikaments Padeliporfin mit Laserlicht zerstört. Im wissenschaftlichen Programm des 71. Urologen-Kongresses referierten mit Prof. Dr. Christian Thomas, Dr. Angelika Borkowetz und Dr. Stefan Propping erfahrene Anwender …
Bild: Keine direkte Wechelwirkung zwischen Gravitation und Elektromagnetismus nachweisbar!Bild: Keine direkte Wechelwirkung zwischen Gravitation und Elektromagnetismus nachweisbar!
Keine direkte Wechelwirkung zwischen Gravitation und Elektromagnetismus nachweisbar!
… 06. Februar 2008. Dr. Edward Dowdye vom NASA Raumforschungszentrum fand heraus: Es gibt einen überzeugenden Beweis dafür, dass keine direkte Wechselwirkung zwischen Gravitation und Elektromagnetismus stattfindet. Das Mikrolinsen der Gravitation ist nur ein gescheiterter Versuch das Makrolinsen der Gravitation zu beobachten. Die in vergangenen Jahrzehnte …
Bild: Die Entdeckung der Formel für die ZEIT – und ihre Nutzung in der Wirtschaft.Bild: Die Entdeckung der Formel für die ZEIT – und ihre Nutzung in der Wirtschaft.
Die Entdeckung der Formel für die ZEIT – und ihre Nutzung in der Wirtschaft.
… seinem ersten Buch Einstein relativiert. Hierzu extrapolierte er Newton auf das Gedankengut von Einstein. Einstein erzielte mit seiner Speziellen Relativität bei null Gravitation und bei Quadrat-Licht-Geschwindigkeit eine bestimmte Menge an Energie. Mit Newtons extrapolierter Gravitation und bei null Geschwindigkeit, erzielt Bright in seinem Modell …
Bild: Superkontinuum-Laser von LEUKOSBild: Superkontinuum-Laser von LEUKOS
Superkontinuum-Laser von LEUKOS
Gleißend weißes Laserlicht Superkontinuum-Laserquellen haben einen sehr breiten Spektralbereich und erzeugen damit optisch rein weißes Laserlicht. Der Hersteller innovativer Superkontinuum-Laser LEUKOS eröffnet mit seiner neuen Produktserie einer Vielzahl von Branchen ganz neue Möglichkeiten. Das französische Unternehmen stellt seine Innovationen vom …
Bild: Laserlicht bewährt sich als neue Behandlungsoption bei ProstatakrebsBild: Laserlicht bewährt sich als neue Behandlungsoption bei Prostatakrebs
Laserlicht bewährt sich als neue Behandlungsoption bei Prostatakrebs
… Deutschland an Bedeutung. Derzeit bieten bundesweit zehn urologische Zentren die minimalinvasive Behandlung an, bei der das Tumorgewebe in der Prostata mit gezieltem Laserlicht zerstört wird. Insgesamt 15 Kliniken können die Kostenübernahme durch die Krankenkassen bereits mittels sogenannter NUB-Entgelte für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) …
Bild: Allem Anschein nach findet eine direkte Wechselwirkung zwischen Gravitation und Licht im Vakuum nicht stattBild: Allem Anschein nach findet eine direkte Wechselwirkung zwischen Gravitation und Licht im Vakuum nicht statt
Allem Anschein nach findet eine direkte Wechselwirkung zwischen Gravitation und Licht im Vakuum nicht statt
Alle Beobachtungen der bekannten Gravitationslinsenereignisse stehen im guten Einklang mit einer indirekten Wechselwirkung zwischen Gravitation und Elektromagnetismus. Die inderekte Wechselwirkungen werden mittels einem Interferenzmedium verstanden. Die direkte Wechselwirkungen werden in einem interferenzenfreien Vakuumraum verstanden. Jedoch kann selbst …
Durchbruch auf dem Weg zu optischen Atomuhren: laserbasierte Anregung von Thorium-229 in nicht-transparentem Material
Durchbruch auf dem Weg zu optischen Atomuhren: laserbasierte Anregung von Thorium-229 in nicht-transparentem Material
… Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist es gelungen, den Atomkern des Isotops Thorium-229 mithilfe von Laserlicht in einem nicht-transparenten Trägermaterial anzuregen. Damit wird eine bislang unzugängliche Materialklasse für die Kern-Laserspektroskopie erschlossen – ein entscheidender Schritt …
Bild: Rein Klassische Physik Forschung der EmissionstheorieBild: Rein Klassische Physik Forschung der Emissionstheorie
Rein Klassische Physik Forschung der Emissionstheorie
Die Phänomene im Zentrum unserer Galaxie widersprechen offenbar der Gravitationsablenkungsvorstellung der Allgemeinen Relativitätstheorie. Die bedeutendste Erkenntnis besteht darin, dass keinerlei Hinweise auf die Existenz von lichtbrechenden Gravitationslinsen gefunden wurden. Die Grundlagen für das oft benutzte Gravitationslinsen-Modell basieren im …
Bild: Ursache für Entstehung der Gravitation und Raumzeitkrümmung entdeckt Bild: Ursache für Entstehung der Gravitation und Raumzeitkrümmung entdeckt
Ursache für Entstehung der Gravitation und Raumzeitkrümmung entdeckt
Ursache für Entstehung der Gravitation und RaumzeitkrümmungDie Allgemeine Relativitätstheorie beschreibt die Anziehung von Massen durch Raumzeitkrümmung. Doch wie können Massen eine Raumzeitkrümmung bewirken? Gibt es hierfür einen physikalisch greifbaren Hintergrund, einen Vorgang oder ein Phänomen, der in Massen abläuft und den diese selbst bewirken, …
Sie lesen gerade: Laserlicht und die Quantennatur der Gravitation