(openPR) Wenn wir mit der KI chatten, anstatt uns mit dem Partner oder der Partnerin auszutauschen, verlernen wir unsere Beziehungskompetenz und werden zu Einzelgängern. Davor warnt die Paar- und Sexualtherapeutin Dr. Beatrice Wagner in ihrem Buch „Roboterliebe“ (2025). Denn die KI lobt uns in einem fort und redet uns nach dem Mund. Gerne gewöhnen wir uns daran und vermissen das Gegenüber gar nicht mehr, welches kompliziert ist oder eine andere Meinung vertritt. Menschlichen Stärken wie „sich in den anderen hineinversetzen“, „eine fremde Meinung verstehen“, „tolerant sein“, „Kompromisse eingehen“ oder „Unsicherheiten aushalten“ werden auf diese Weise immer weniger gebraucht. Alles beginnt sich irgendwann nur noch um einen selbst zu drehen. Immer mehr aber brauchen wir dann die KI für unser eigenes Selbstbewusstsein. Wollen wir das? Diese Frage sollte sich jeder selbst stellen.
Viele nutzen die KI, um sich freundschaftlich mit ihr auszutauschen. Das geht schneller, als den Partner zu fragen, die KI ist außerdem immer verfügbar und nie schlecht gelaunt. Seit Wissenschaftler ihr ein anthropomorphes Design verpasst haben, ähnelt sie mit ihrer Art zu antworten dem, wie echte Menschen reden. So fügt ChatGPT im Gespräch neuerdings Hesitationslaute wie „äh“, oder „ehm“ ein, ganz genau wie es Menschen tun. Die KI kann Gefühle simulieren, die Stimmung des menschlichen Users erkennen und sich mit ihrer Tonalität darauf einzustellen. „Das alleine würde schon ausreichen, um uns in der Illusion zu wiegen, dass die KI an unserem Schicksal Anteil nimmt“, erklärt Dr. Beatrice Wagner in ihrem Buch. Doch dann treffen diese ausgefuchsten Funktionen auch noch passgenau auf eine menschliche Hirnfunktion, nämlich die Mustererkennung, was die Illusion weiter verstärkt. „Wir schließen automatisch auf ein menschliches Gegenüber, wenn wir logische Antworten oder Gefühlsäußerungen wahrnehmen, also Dinge, die wir uns bislang eigentlich nur selbst zuschreiben konnten.“
Doch tatsächlich simuliert die KI nur, wenn sie sagt, dass sie „chattet“. In Wahrheit hat sie überhaupt kein Verständnis davon, wohin sie mit ihren Sätzen zielt. Die künstliche Intelligenz ist auch keine Intelligenz, sondern ein Geflecht von Algorithmen, welches innerhalb von riesigen Datenmengen Muster erkennt. Dies kann sie so gut und in unglaublicher Geschwindigkeit und Menge, dass sie andauernd Muster findet, die Menschen übersehen. Mit ihnen generiert sie Texte auf der Basis mathematischer Modelle, in denen die Wahrscheinlichkeitsrechnung eine wichtige Rolle spielt. Wenn die KI mit Texten aus dem Internet trainiert wird, zeigt die Wahrscheinlichkeitsrechnung an, was die meisten Menschen wohl antworten würden. Das fließt in die Antwort des Chatbots mit ein.
Die Autorin warnt davor, sich vertrauensvoll auf die Verlockungen durch die KI einzulassen. Denn vielleicht ist es irgendwann zu spät, sich von ihren abhängig machenden Annehmlichkeiten zu befreien, eigene Entscheidungen zu treffen und sich auf eine zwar unperfekte aber doch liebevolle menschliche Partnerschaft einzulassen.
Über die Autorin: Dr. Beatrice Wagner ist Paar- und Sexualtherapeutin in Icking bei München. Sie hat zum Thema bildhaftes Langzeitgedächtnis promoviert und aktuell das Buch „Roboterliebe“ geschrieben, in dem sie darauf eingeht, wie die KI unsere Beziehungen und unseren Sex beeinflusst und was wir dagegen tun können.




















