openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Unbekannte Schnecken und digitale Daten

30.09.202511:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) In den tropischen Wäldern Vietnams gibt es noch viel zu entdecken. Der Nationalpark Cuc Phuong liegt im Norden des Landes, südwestlich der Hauptstadt Hanoi. In dem Nationalpark, der von dicht bewaldeten Erhebungen aus Kalkstein geprägt ist, führte ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Wissenschaftler:innen des Museums für Naturkunde Berlin im Jahr 2019 eine Erfassung der Biodiversität verschiedener Organismengruppen durch. Die im Rahmen des deutsch-vietnamesischen Forschungs- und Ausbildungsprojekts VIETBIO vorgenommene Bestandsaufnahme umfasste auch die Untersuchung der landlebenden Schnecken des Nationalparks. Nun wurde in der Fachzeitschrift Biodiversity Data Journal eine detaillierte Auswertung dieser Schnecken-Erfassung veröffentlicht. Die Publikation legt dar, dass bei der Untersuchung im Nationalpark insgesamt 116 Schneckenarten aus 23 Familien nachgewiesen wurden. Darunter sind millimetergroße bis faustgroße Arten, solche mit flachen, runden oder lang gestreckten Gehäusen ebenso wie Nackt- und Halbnacktschnecken. „Von den gefundenen Arten konnten wir 47 keiner bekannten Spezies zuordnen; bei den meisten davon dürfte es sich um bislang unbeschriebene Arten handeln“, erklärt der Erstautor der Studie, Schneckenforscher Parm von Oheimb vom Berliner Naturkundemuseum.

In ihrer Veröffentlichung fassen die Autor:innen der Studie zudem bisherige Untersuchungen über die Landschnecken des Nationalparks zusammen. Auf dieser Grundlage konnten sie die Gesamtzahl der für den Park nachgewiesenen Arten nun mit insgesamt 159 beziffern. „Viele der in dem Schutzgebiet lebenden Schnecken kommen nur in diesem Teil Nordvietnams und nirgendwo sonst vor“, ergänzt Katharina von Oheimb, ebenfalls Schneckenforscherin am Berliner Naturkundemuseum. „Der Vergleich mit anderen Regionen zeigt, dass der Nationalpark Cuc Phuong für Landschnecken weltweit zu den artenreichsten bislang untersuchten tropischen Wäldern zählt.“

Während der knapp zweiwöchigen Feldforschung ist eine umfangreiche Sammlung von Leergehäusen und in Alkohol konservierten Tieren zustande gekommen, die in Zukunft weiterführende wissenschaftliche Untersuchungen erlaubt. Die Sammlung wurde aufgeteilt und befindet sich am Museum für Naturkunde Berlin und dem Institute of Ecology and Biological Resources in Hanoi. Für eine langfristige Konservierung von Gewebeproben, etwa für molekulargenetische Untersuchungen, wurde zudem entsprechendes Material in der Gewebesammlung des Museums für Naturkunde Berlin eingelagert. Detaillierte Daten zur Sammlung, beispielsweise zu Konservierung, Bestimmung, Fundort und Lebensraum, wurden im Rahmen der Veröffentlichung in digitaler und maschinenlesbarer Form zugänglich gemacht und sollen die zukünftige Forschung mit dem Material erleichtern. Darunter sind auch Fotos lebender Tiere, die vor Ort aufgenommen wurden. Darüber hinaus beinhaltet die Publikation auch zahlreiche Fotos des neuen Sammlungsmaterials, darunter auch erstmals solche, die mit der in den letzten Jahren zur Digitalisierung der Weichtiersammlung des Museums für Naturkunde Berlin neu entwickelten DORA-Station erstellt wurden.

Die nun veröffentlichten Daten lassen für die Schnecken unterschiedliche Verbreitungsmuster innerhalb des Nationalparks erkennen, die gemeinsam zur hohen Gesamtartenzahl beitragen. Dazu erläutert Parm von Oheimb: „Längst nicht alle Arten sind an den gleichen Standorten im Park anzutreffen. Manche kommen nur in einigen Bereichen vor und treten nicht gemeinsam mit bestimmten anderen Arten auf. Und auch Arten mit überlappenden Verbreitungsgebieten bewohnen vielfach unterschiedliche Teillebensräume, sind beispielsweise Felsspezialisten oder Bodenbewohner.“

Die Schnecken wurden im Nationalpark teils in großer Individuenzahl gefunden. Der Kalkstein liefert den Tieren das für ihre Gehäusebildung nötige Calcium. Allerdings waren keineswegs alle Schneckenarten häufig. Von einem erheblichen Teil konnten nur wenige Individuen gefunden werden und von rund 15% der Arten sogar jeweils nur ein einziges Exemplar. Da viele Schneckenarten im Nationalpark offenbar selten oder ungleichmäßig verbreitet sind, gehen die Forschenden davon aus, dass ein Teil der Artenvielfalt bei bisherigen Erhebungen noch gar nicht dokumentiert wurde. Unter Berücksichtigung der Resultate einer früheren Erfassung der Schneckenfauna und der von ihnen erhobenen Daten konnten sie eine statistische Abschätzung der Gesamtartenzahl der Schnecken im Nationalpark vornehmen. Demnach sind im Park nicht weniger als rund 184 Arten von Landschnecken zu erwarten. Diese Schätzung übertrifft die momentan bekannte Gesamtartenzahl deutlich und unterstreicht einmal mehr die hohe Biodiversität der Region. Schutzgebiete wie der Nationalpark Cuc Phuong sind für ihren Erhalt von großer Bedeutung.

Originalpublikation:
Oheimb, P.V. von; Sulikowska-Drozd, A.; Dinh, T.D.; Lentge-Maaß, N.; Do, T.V. & Oheimb, K.C.M. von (2025): Terrestrial Mollusca of Cuc Phuong National Park, Vietnam – Results from the 2019 VIETBIO inventory work. Biodiversity Data Journal, 13, e163277. https://doi.org/10.3897/BDJ.13.e163277

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1292988
 246

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Unbekannte Schnecken und digitale Daten “ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommenBild: Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommen
Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommen
Invasive gebietsfremde Arten sind einer der weltweit größten Treiber des Artensterbens. Bisherige globale Einschätzungen zur geografischen Verteilung dieser Schäden litten jedoch unter einer systematischen Verzerrung in der Forschung („Research Bias“): Da in den Ländern des Globalen Nordens wie Nordamerika und Europa wesentlich mehr Forschung betrieben und dokumentiert wird, erschienen dort auch die höchsten Zahlen an invasiven Arten und damit auch die meisten Schadensberichte. Eine neue Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Hanno Seebens, P…
Bild: 25 Jahre Geothermieforschung am GFZ-Standort Groß Schönebeck: Vielfältige Projekte mit Industrie-Impact im Reallabor Bild: 25 Jahre Geothermieforschung am GFZ-Standort Groß Schönebeck: Vielfältige Projekte mit Industrie-Impact im Reallabor
25 Jahre Geothermieforschung am GFZ-Standort Groß Schönebeck: Vielfältige Projekte mit Industrie-Impact im Reallabor
Der Geothermie-Forschungsstandort des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Groß Schönebeck in der Brandenburgischen Schorfheide feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. 2001 wurde eine ehemalige Erdgas-Explorationsbohrung aus den 1990er Jahren wieder nutzbar gemacht und zu einer Forschungsplattform für die Entwicklung geothermischer Technologien ausgebaut. Die Geologie im Norddeutschen Becken ist für viele Regionen Mitteleuropas typisch. Das macht den Standort Groß Schönebeck für Untersuchungen repräsentativ und attraktiv. Hier …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Rottaler Weinbergschnecken kommen auf die Wellness-SpeisekarteBild: Rottaler Weinbergschnecken kommen auf die Wellness-Speisekarte
Rottaler Weinbergschnecken kommen auf die Wellness-Speisekarte
BAD FÜSSING - Weinbergschnecken aus dem niederbayerischen Rottal kommen im 4-Sterne-Hotel Mürz in Bad Füssing (Kreis Passau) auf die Wellness-Speisekarte. "Frisch vom Feld" einer heimischen Schneckenfarm werden die lukullischen Leckerbissen als "Schnecken-Serviettenknödel in Weißbiersoße" serviert. "Die eiweißreichen und fettarmen Weinbergschnecken …
Bild: Breitet sich der Hundelungenwurm in Deutschland aus?Bild: Breitet sich der Hundelungenwurm in Deutschland aus?
Breitet sich der Hundelungenwurm in Deutschland aus?
… Studie scheint sich der Hundelungenwurm Angiostrongylus vasorum im Südwesten Deutschlands auszubreiten . Hunde können sich etwa beim Trinken aus Pfützen, wenn diese durch Schnecken kontaminiert sind, oder über infizierte Schnecken, die sie versehentlich beim Grasfressen mit verschlucken, mit den gefährlichen Parasiten anstecken. Wer seinen Hund davor …
Bild: Natürliche Schneckenbekämpfung: die besten TippsBild: Natürliche Schneckenbekämpfung: die besten Tipps
Natürliche Schneckenbekämpfung: die besten Tipps
Schnecken zählen im Garten zu den schlimmsten Plagen. Über Nacht fressen sie, was tags zuvor liebevoll angepflanzt wurde. Wie man dem Schneckenschreck mit natürlichen Mitteln ein Ende setzten kann, erklärt das Immobilienportal immowelt.de. Nürnberg, 19. Mai 2011. Wohl jeder Gartenbesitzer kennt den Ärger, wenn die Schnecken über Nacht die Salat- und …
Bild: Schneckenalarm im Hochsommer: 9 TippsBild: Schneckenalarm im Hochsommer: 9 Tipps
Schneckenalarm im Hochsommer: 9 Tipps
… reifen, Kräuter wachsen üppig und die ersten Salate sind erntereif. Doch während sich Hobbygärtner über ihre Pflanzen freuen, haben auch andere Gartenbewohner Hochsaison: Schnecken. Besonders nach warmen Regentagen können die gefräßigen Weichtiere innerhalb weniger Nächte erhebliche Schäden anrichten.Wer morgens voller Vorfreude ins Gemüsebeet geht und nur …
Bild: Der Schnecken-Kalender 2011 ist daBild: Der Schnecken-Kalender 2011 ist da
Der Schnecken-Kalender 2011 ist da
Nachdem im letzten Jahr Schnecken-Models aus Sparta selbst passionierte Kleingärtner von ihrem Kriecher-Charme überzeugen konnten, präsentiert die Schneckenschaukel im Kalender 2011 nun eidgenössische Häuschenträger. Die Schweizer Schnecken sind nicht nur für Garten- und Naturfreunde eine tolle Geschenkidee. Solch außergewöhnlichen Aufnahmen von Ballet …
Bild: Ziegel formen mit ChromBild: Ziegel formen mit Chrom
Ziegel formen mit Chrom
Chromierte Schnecken: Langzeitstudie in Ziegelwerk offenbart Potenziale für Energieeinsparung in Produktion Sechs Monate Erhebung, 17.000 Messungen täglich, zwei Test-me¬thoden: Im Rahmen einer Langzeitstudie im eigenen Haus haben die Ziegelwerke Leipfinger-Bader (Puttenhausen) neue Lösungen für eine energiesparende Mauerziegel-Produktion untersucht. …
Bild: Weinbergschnecken brechen das Fasten nichtBild: Weinbergschnecken brechen das Fasten nicht
Weinbergschnecken brechen das Fasten nicht
… Schon die Mönche im Mittelalter schwörten auf eine besondere Fastenspeise. Weder Fleisch noch Fisch, galten die 10 Zentimeter langen und 30 Gramm schweren Weinbergschnecken (helix pomatia) als begehrte Delikatesse. „Als wahre Fitness-Nahrung enthalten 100 Gramm der Weichtiere nur 80,5 Kalorien“, erklärt Züchter Heinz Hohenthaner (50) von der „Rottaler …
Ein Anti-Schnecken-Experiment
Ein Anti-Schnecken-Experiment
Die Eisheiligen sind vorbei und viele Gartenfreunde haben ausgesät bzw. Setzlinge gesetzt bzw. sind gerade dabei.Schnecken sind bei vielen Gartenbesitzern ein großes Problem (auch bei mir). Viele greifen dann doch in der Not und mit schlechtem Gewissen zum „Schneckenkorn“, andere sammeln die Schnecken und wieder andere nehmen die zum Teil schmerzhaften …
Sie lesen gerade: Unbekannte Schnecken und digitale Daten