(openPR) Evanston: 2. April 2007. Vergraben in Feldern, Straßen und Wegen sind Landminen in über 70 Ländern dieser Welt zu einer "Massenvernichtungswaffe in Zeitlupe" geworden. Nach Angaben der Vereinten Nationen werden jährlich 15.000 bis 20.000 Menschen durch Minen getötet oder verstümmelt. Mehr als ein Fünftel der Opfer sind Kinder.
“Allein in Kambodscha gibt es 36.000 amputierte Minenopfer und jeden Monat 50 bis 100 Minenunfälle. Das heisst rund 800 neue Opfer pro Jahr,” sagt Prof. Dr. Hans Stirnemann aus Burgdorf, der vor einem Jahrzehnt die von Schweizer Rotary Clubs getragene Mine-Ex Stiftung ins Leben gerufen hat, nachdem er als Chirurg für das Internationale Rote Kreuz in Asien im Einsatz war. “Bilder von zerfetzten Menschen mit abgerissenen Gliedern, durchlöcherten Augen, geschundenen Körpern standen vor meinen Augen, Menschen, die mich als Arzt stumm und verzweifelt anschauten, auf Hilfe und Rettung hoffend, die ich ihnen nicht bringen konnte. Dort entstand meine Abscheu vor diesen Waffen.“
Antipersonenminen, so Stirnemann, sollen nicht töten, sondern ihren Opfern schwere Verletzungen zufügen, die dauernde Invalidität als Folge haben. Aus der Überzeugung, dass die Bekämpfung des weltweiten Minenproblems nicht nur Worte, sondern Taten braucht, entwickelte Stirnemann mit rotarischen Freunden das Mine-Ex Projekt zur Hilfe von Landminenopfern in Kambodscha. Nach 35 Jahren Krieg und Schreckensherrschaft der Roten Khmer zählt Kambodscha (neben Afghanistan, Angola und dem Irak) zu einem der am stärksten minen-verseuchten Länder der Erde.
Seit 1997 hat Mine-Ex in enger Partnerschaft mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Tausende von Minenopfern mit Prothesen versorgt sowie nahezu 20 einheimische Prothesenmacher, darunter Amputierte, ausgebildet. Mit einem jährlichen Betrag von 500.000 Franken unterstützen Rotarier eine vom IKRK betriebene Prothesenfabrik in Phnom Pneh und zwei Rehabilitationszentren in Battambang und Kompong Speu, wo die Bauteile für die Prothesen und Orthesen (Stützapparate) zusammengebaut und den Patienten angepasst werden.
“Die Bauteile für die Prothese, Anpassung und 10-tägige Gehschule kosten ca. 150 Franken,” sagt Mine-Ex Präsident Peter Eichenberger vom Rotary Club Bern-Münchenbuchsee, der im Dezember an einer (von ihm selbst finanzierten) “Inspektionsreise” vor Ort teilgenommen hat. Die Prothesen sind für die Patienten kostenlos, aber sie haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Erwachsene benötigen alle drei bis fünf Jahre eine neue und Kinder alle 6 bis 12 Monate, weil sie wachsen, so Eichenberger. Um auch entlegenen Dörfer zu erreichen, wurden mit Unterstützung von Mine-Ex Landcruiser gekauft, die zu mobilen Prothesenwerkstätten umfunktioniert werden.
Trotz eines intensiven Entminungsprogramms hat die Zahl der Unfälle mit Minen und Blindgängern in den letzten Jahren zugenommen, weshalb verstärkte Aufklärungsarbeit nötig ist. Gründe seien die Urbarmachung von Buschland und die hohen Altmettallpreise. “Vor allem Kinder sammeln Altmetall und verunfallen dabei,” sagt Eichenberger. Zudem hielten viele Kinder die runden, bunten Hinterlassenschaften des Krieges für Spielzeug.
Die Minenräumung ist kostspielig, gefährlich und geht nur langsam voran. Eine der drei in Kambodscha tätigen Entminungs-Organisationen ist die Mines Advisory Group (MAG), bei der 480 Einheimische, darunter ein Drittel Frauen, angestellt sind. “MAG hat im Jahr 2005 insgesamt 3.149.018 Quadratmeter entmint –das sind 3 km²– und dabei 4037 Antipersonenminen, 66 Antitankminen und 17336 Blindgänger entschärft,” sagt Eichenberger.
Es werden noch Jahrzehnte vergehen, bis die Böden der minenverseuchten Länder gesäubert sind. Auch im aktuellen Krieg im Irak kommen erneut Personenminen zum Einsatz.
Über MINE-EX
Die Stiftung MINE-EX (www.mine-ex.ch) ist eine von Rotary Schweiz-Liechtenstein getragene private Hilfsorganisation, die sich für ein weltweites Verbot von Antipersonenminen einsetzt und humanitäre Hilfe für Minenopfer leistet. Die 1996 gegründete Stiftung finanziert sich mit freiwilligen Beiträgen. Seit 2000 ist MINE-EX eine vom Bund offiziell anerkannte gemeinnützige Stiftung, die sich mit ihrem humanitären Engagement auf das von Minen besonders versehrte Kombodscha konzentriert. Die Stiftung verfolgt drei hauptsächliche Ziele:
1) Hilfeleistung für Minenopfer (Herstellung und Anpassung von Prothesen),
2) Ausbildung von lokalen Prothesenmachern
3) Mithilfe im Kampf für ein weltweites, allgemeines Minenverbot
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