openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Der älteste Eiskern der Erde am Alfred-Wegener-Institut

08.07.202515:07 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Der älteste Eiskern der Erde am Alfred-Wegener-Institut

(openPR) Erste Analysen bestätigen, dass das im Projekt Beyond EPICA – Oldest Ice (BEOI) erbohrte Eis mehr als 1,2 Millionen Jahre alt ist. Damit haben die Forschenden das Ziel erreicht, den sogenannten Mittel-Pleistozän-Übergang zu beproben. Dieser fand vor etwa 900.000 bis 1,2 Millionen Jahren vor heute statt. In dieser Zeit änderte sich die Periodizität im Wechsel von Kalt- und Warmzeiten von ehemals 41.000 auf heute 100.000 Jahre. Erdbahnparameter wie der Neigungswinkel, Sonneneinstrahlung und Eis-Albedo bestimmen diese Zyklen. Aber warum sich die Reaktion des Erdsystem sich plötzlich so verschoben hat, ist nach wie vor eines der größten Rätsel der Klimawissenschaften, das mit diesem Projekt gelüftet werden soll. Insbesondere die Zyklen der Erdbahnparameter haben sich über diesen Zeit nicht grundlegend gegenüber zuvor geändert, so dass ein interner Verstärkungsfaktor (wie z.B. die Treibhausgaskonzentrationen) sich über diesen Übergang grundlegend geändert haben müssen.

Die Frequenz von Eiszeitzyklen zu verstehen ist nicht nur wichtig für die bisherige Geschichte des Planeten Erde und der Menschheit, sondern auch für unsere Zukunft. Die Analyse des BEOI-Kerns soll helfen, die Prozesse besser zu verstehen, die hinter dem Mittel-Pleistozän-Übergang stecken. Dass dieser Übergang stattgefunden hat, ist aus Sedimentkernen bekannt. Im Gegensatz zu Sedimentkernen beinhaltet ein Eiskern jedoch auch Gaseinschlüsse und erlaubt es somit beispielsweise, den Gehalt an Treibhausgasen direkt zu messen. Den Zusammenhang zwischen dem Kohlenstoffkreislauf und der Temperatur unseres Planeten aufzuzeigen und in zukünftigen Klimamodellen abzubilden, ist ein weiteres Ziel der Wissenschaftler:innen.

Um dem Eis all diese Geheimnisse zu entlocken, stehen unterschiedlichste Analysen an. Damit alle Projektbeteiligten das dafür benötigte Material erhalten, gibt es einen ausgeklügelten Schnittplan, den verschiedene Teams jetzt im Eislabor des Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) abarbeiten. Aus der Antarktis kommt das Eis in jeweils einen Meter langen Stücken, die sorgfältig beschriftet sind: Aus welcher Tiefe stammt es, wo ist oben und wo unten. Zwei Horizontalschnitte teilen jeden Kern der Länge nach in drei große Unterproben. Und Zettel mit den Informationen zu Ausrichtung und Tiefe wandern mit jedem Stück die verschiedenen Stationen ab: Ein Teil wird direkt wieder eingelagert und dient als Archivmaterial, um später mit möglicherweise neuen Methoden daran zu forschen. Ein anderer Teil wird poliert und dann gescannt, um die Schichtung des Kerns und seine Struktur festzuhalten. Dabei zeigt beispielsweise viel Staub an, dass der Abschnitt aus einer Kaltzeit stammt, wenig Staub weist auf eine Warmzeit hin. Staub und weitere Verunreinigungen verändern auch die Leitfähigkeit des Eises, die in einem weiteren Schritt bestimmt wird. Dann wird der Kern weiter zersägt: Vertikale Schnitte zerteilen ihn in unterschiedlich lange Stücke, die für spätere Untersuchungen zu den Laboren der beteiligten Institutionen transportiert werden. Sowohl aus den eingeschlossenen Luftblasen als auch aus dem Wasser der Teilstücke werden die Isotope verschiedener Elemente analysiert die sehr genaue Altersdatierungen sowie Rückschlüsse auf die Zusammensetzung von Treibhausgasen erlauben.

Historischer Abriss: (Beyond) EPICA

• Von 1996 bis 2004 wurde im Projekt EPICA (European project for ice coring in Antarctica) ein etwa 3.500 Meter langer Eiskern erbohrt, der rund 800.000 Jahre altes Eis enthielt. Der Aufbau des antarktischen Eispanzers unterscheidet sich regional, so dass dieser Kern trotz größerer Länge jünger war, als der jetzt erbohrte. In einer weiteren Förderphase (2004-2008) fanden Analysen und Auswertungen statt.
• 2016-2019 koordinierte das Alfred-Wegener-Institut die Auswahl der Bohrlokation, Technologieentwicklung und logistische Vorbereitungen von Beyond EPICA – Oldest Ice (BEOI). Gesucht wurde ein Ort mit Eis, das mindestens 1,2 Millionen Jahre alt ist und somit die Lücke des Mittel-Pleistozän-Übergangs schließen soll.
• 2019-2026 ist die aktuelle Bohrphase BEOIC unter der Leitung des Institute of Polar Sciences of the National Research Council of Italy, ISP-CNR. Nach dem erfolgreichen Erbohren von mehr als 1,2 Millionen Jahre altem Eis ist in der kommenden Saison geplant, zusätzliches Material vom ältesten Teil des Eiskerns zu gewinnen, indem der untere Teil des Eiskerns nochmals parallel erbohrt wird.
• Eine Projektförderung für die weitere Analyse und Auswertung ist geplant.

Über das Projekt Beyond EPICA – Oldest Ice:

Dieses Projekt wurde durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 815384 gefördert. Das Projekt wurde auch von nationalen Partnern und Förderorganisationen in Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Norwegen, Schweden, der Schweiz, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich unterstützt. Projektwebseite: https://www.beyondepica.eu/en/

Konsortium:
• Institute of Polar Sciences of the National Research Council of Italy, ISP-CNR, Italien (Leitung)
• Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, AWI, Deutschland
• British Antarctic Survey, BAS (Vereinigtes Königreich)
• French Polar Institute, IPEV (Frankreich)
• National Agency for New Technologies, Energy and Sustainable Economic Development, ENEA (Italien)
• National Scientific Research Centre, CNRS (Frankreich)
• Utrecht University (Niederlande)
• Norwegian Polar Institute, NPI (Norwegen)
• University of Stockholm (Schweden)
• University of Bern (Schweiz)
• University of Copenhagen (Dänemark)
• Brussels University (Belgien)

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Maria Hörhold
E-Mail
+49(0)4714831-2135

Prof. Frank Wilhelms
E-Mail
+49(0)4714831-1551

Prof. Pascal Bohleber
E-Mail
+49(0)4714831-1213

Dr. Daniela Jansen
E-Mail
+49(0)4714831-1347

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1287280
 455

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Der älteste Eiskern der Erde am Alfred-Wegener-Institut“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Biotenside: Eine nachhaltige Alternative für Reinigungs- und KörperpflegemittelBild: Biotenside: Eine nachhaltige Alternative für Reinigungs- und Körperpflegemittel
Biotenside: Eine nachhaltige Alternative für Reinigungs- und Körperpflegemittel
Tenside sind als vielseitige Helfer aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Die oberflächenaktiven Substanzen sorgen dafür, dass Fett und Schmutz sich lösen, Haarwaschmittel schäumen und Öl-Wasser-Gemische in Cremes stabile Emulsionen bilden. Weltweit werden pro Jahr mehr als 18 Millionen Tonnen Tenside synthetisiert, die meisten aus fossilen Rohstoffen. Hersteller setzen durchaus vermehrt auf abbaubare pflanzliche Rohstoffe, doch kommen bei der Herstellung von biobasierten Tensiden vor allem tropische Öle wie Kokosnussöl und Palm(kern)öl zum E…
Erste internationale Leitlinie zu Demenzerkrankung beim Hund veröffentlicht
Erste internationale Leitlinie zu Demenzerkrankung beim Hund veröffentlicht
Ein internationales Gremium hat im Journal of the American Veterinary Medical Association (JAVMA) die ersten internationalen Leitlinien zur Diagnose und zum Monitoring des Canine Cognitive Dysfunction Syndrome (CCDS) veröffentlicht. Das Canine Cognitive Dysfunction Syndrome ist eine fortschreitende, altersbedingte Hirnerkrankung bei älteren Hunden, die über normale altersbedingte Veränderungen hinausgeht. Ähnlich wie Alzheimer beim Menschen. „Die Leitlinien sind ein Startpunkt, um kognitive Veränderungen bei Hunden früh zu erkennen und klinis…
07.01.2026
14:56

Das könnte Sie auch interessieren:

Klimakapriolen der Erdgeschichte
Klimakapriolen der Erdgeschichte
… Unterbrechungen hat sich die Menschheit soweit entwickelt, dass sie Klimaforschung betreiben kann und die komplexen Vorgänge im Klimasystem nachvollziehen kann. In Deutschland arbeitet das Alfred-Wegener-Institut an der Rolle der Polargebiete für das Klima unserer Erde. Der Geologe Dr. Hannes Grobe möchte in einem Vortrag das Klima mit Blick auf die …
Bild: "So vertraut und doch so fremd: unser Müll in den Ozeanen"Bild: "So vertraut und doch so fremd: unser Müll in den Ozeanen"
"So vertraut und doch so fremd: unser Müll in den Ozeanen"
… die Folgen für die Umwelt. Dabei werden weit verbreitete Mythen und Zahlen geprüft und hinterfragt. Dr. Lars Gutow ist Biologe und Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. In seiner Forschung untersucht er die Auswirkungen der vom Menschen verursachten Umweltveränderungen auf die …
Vortragsreihe „AWI hautnah“: Innovationen aus dem Meer
Vortragsreihe „AWI hautnah“: Innovationen aus dem Meer
… wissenschaftliche Erkenntnis substanziell in der Industrie eingesetzt wird, müssen solide wissenschaftliche Daten genauso vorhanden sein, wie kostengünstige Möglichkeiten, diese umzusetzen. Am Alfred-Wegener-Institut hat es eine Gruppe an Bionikern, Biologen und Ingenieuren geschafft: Sie entwickeln Leichtbaulösungen für Firmen aus dem Yachtbau, aus …
"HIGHSEA – raus aus der Schule, rein ins Forschungslabor"
"HIGHSEA – raus aus der Schule, rein ins Forschungslabor"
Vortragsreihe "AWI hautnah" --- Seit 2002 bietet das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für naturwissenschaftlich interessierte Jugendliche in Bremerhaven und umzu eine ganz besondere Gelegenheit, der Polarforschung nahe zu kommen. Alljährlich werden 24 Jugendliche aufgenommen und verbringen anschließend die letzten drei Jahre ihrer Schulzeit im AWI. An zwei …
25 Jahre AWI Potsdam und Einweihung des Erweiterungsbaus
25 Jahre AWI Potsdam und Einweihung des Erweiterungsbaus
… zum Pressetermin --- AN DIE REDAKTIONEN Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, passend zum 25-jährigen Jubiläum der Forschungsstelle in Potsdam weiht das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) den neuen Erweiterungsbau am Telegrafenberg ein. Die zwei neuen Gebäudeflügel bieten rund 3.000 …
Bild: Führungswechsel am Alfred-Wegener-InstitutBild: Führungswechsel am Alfred-Wegener-Institut
Führungswechsel am Alfred-Wegener-Institut
Direktorin Karin Lochte übergibt die Leitung an Antje Boetius --- Am 1. November 2017 übernimmt Prof. Antje Boetius die Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Damit endet die Amtszeit von Prof. Karin Lochte, die das Institut die letzten zehn Jahre geleitet hat. Prof. Antje Boetius kennt das Alfred-Wegener-Institut …
Bild: Mehr als 1,2 Millionen Jahre altes Eis erbohrtBild: Mehr als 1,2 Millionen Jahre altes Eis erbohrt
Mehr als 1,2 Millionen Jahre altes Eis erbohrt
… Meter Eis komprimiert sind“, berichtet Julien Westhoff, leitender Wissenschaftler im Feld und Postdoc an der Universität Kopenhagen. Kampagnenleiter Frank Wilhelms, Glaziologe Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Professor an der Universität Göttingen, berichtet aus der Antarktis: „Es ist faszinierend, dass …
Sybase-Kunden erhielten Auszeichnungen für visionäre IT-Projekte
Sybase-Kunden erhielten Auszeichnungen für visionäre IT-Projekte
Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung wurde beim Computerworld Honors Program für sein geowissenschaftliches Informationssystem ausgezeichnet Düsseldorf, 11. Juni 2008. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit Sitz in Bremerhaven ist einer von zwei Sybase®-Kunden, die den 21. Century Achievement Award 2008 …
Alfred-Wegener-Institut nutzt Cray CS400-Cluster-Supercomputer für die Polar- und Meeresforschung
Alfred-Wegener-Institut nutzt Cray CS400-Cluster-Supercomputer für die Polar- und Meeresforschung
München, Montag, 16. November 2015 – Der weltweit führende Anbieter von Supercomputern, Cray Inc. (Nasdaq: CRAY) wird das Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit einem Cray® CS400™-Cluster-Supercomputer ausstatten. Das in Bremerhaven ansässige AWI ist eines der renommiertesten Forschungsinstitute innerhalb …
Bild: FS Polarstern startet Richtung AntarktisBild: FS Polarstern startet Richtung Antarktis
FS Polarstern startet Richtung Antarktis
… Schelfeisen sogenanntes Tiefenwasser, das die globale Ozeanzirkulation wie eine Pumpe antreibt und somit das Klimageschehen auf der ganzen Erde beeinflusst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben mit Forschern vom British Antarctic Survey und der Universität Bergen im Jahr 2013 das …
Sie lesen gerade: Der älteste Eiskern der Erde am Alfred-Wegener-Institut